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Stadt Kempen
China hautnah: Viel erlebt und gesehen

Stadt Kempen: China hautnah: Viel erlebt und gesehen
Der Besuch der Chinesischen Mauer gehört bei einer Fernostreise unbedingt zum Programm. FOTO: NN
Stadt Kempen. Schüler des Gymnasiums Thomaeum haben im Reich der Mitte viele Eindrücke gesammelt und Freundschaften geschlossen. Von Heiner Deckers

Wohlbehalten sind die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Gymnasiums Thomaeum von ihrer Chinareise zurück. Sie haben zwei Wochen in der Partnerschule in Hangzhou sowie in den Metropolen Peking und Shanghai verbracht. So zahlreich sind die Eindrücke, dass einige der Acht- und Neuntklässler gar nicht wissen, was sie zuerst erzählen sollen.

Das Schulsystem in China ist komplett anders als in Deutschland. Die Woche über sind die Kinder in der Schule geradezu kaserniert. Die Türen sind zu, draußen stehen Wachen. Um 5 Uhr ist die Nacht zu Ende, von 6.10 bis 6.50 Uhr ist Frühsport unter freiem Himmel angesagt. Nach dem Zimmerputzen geht es dann in den Unterricht, der sich mit regelmäßigen Pausen ganz schöne lange hinzieht. "Die haben bis 21 Uhr Unterricht", berichtet Willy und hofft dabei wohl, dass in Deutschland keiner auf dumme Gedanken kommt. Es herrscht auf dem gesamten Schulgelände rund um die Uhr Handyverbot, im Fernsehraum laufen nur ausgewählte Sendungen. Für viele Mädchen eine Schreckensvision: "Die dürfen keinen Schmuck tragen und keinen Nagellack auflegen." Die Klassen sind groß, 40 bis 50 Schüler hat jede, alle Kinder haben einen Einzeltisch. Was Katja besonders beeindruckt hat: "Die sagen im Chor minutenlang auf, was sie auswendig gelernt haben." Am Wochenende haben manche Eltern für ihre Kinder Nachhilfekurse gebucht, um sie zusätzlich zu fördern.

In den Gastfamilien wurde richtig aufgetischt. Den deutschen Gästen hat es geschmeckt. Sie haben viel Neues kennengelernt. FOTO: NN

Als die deutsche Gruppe in der Schule ankam, wurde sie sogleich mit dem Morgensport konfrontiert. Es war ein durchaus eindrucksvolles Bild, als sich 1500 Schülern synchron bewegten. Spontan beschlossen die Besucher, die sportliche Übung musikalisch zu untermalen. Als Kempener lag es nahe, sich für St.-Martins-Lieder zu entscheiden. Den Chinesen gefiel's, der Beifall war groß.

Ein großes Sportfest war extra wegen der Kempener Gäste verlegt worden. Die Thomaeum-Schüler mischten dann auch kräftig mit, ebenso die beiden Lehrerinnen Isabell Höke-Purrmann und Anke Vogeler. "Beim Sportfest holten wir nur erste oder letzte Plätze", berichtet Katja. Als Sieger gingen eine Hochspringerin und eine 100-Meter-Läuferin vom Platz. Die anderen Wettbewerbe entschieden die Gastgeber für sich: "Besonders beim Laufen der Jungen waren die Chinesen wesentlich besser", betont Isabell Höke-Purrmann. Katja arbeitet einen anderen Aspekt des Sportfestes auf: "Beim Staffellauf der Lehrer war es soooooooooooo laut."

Chinesische Schulklassen sind groß, in ihnen sitzen bis zu 50 Schüler. FOTO: NN

In den Gastfamilien gab es am Anfang gewisse Berührungsängste, aber die waren schnell abgebaut. Was auch an den großzügigen Gastgeschenken und den Gegengaben lag: "Ich habe die Geschenke verteilt, das war mein Koffer leer. Dann habe ich Geschenke bekommen, da war er wieder voll", erinnert sich Rose. Sarah musste bei ihrer Ankunft schwer improvisieren. Trotz der (inzwischen abgeschafften) Ein-Kind-Politik stieß sie nämlich auf den Zwilling ihrer Gastschülerin und deren erwachsene Schwester. Dafür war Vater nicht da. Kurzerhand bekam die Mutter den für den Vater vorgesehenen Schnaps und die große Schwester die Pralinen. Katja hatte ganz viel Schokolade mitgebracht, musste aber feststellen, dass gängige deutsche Markenware inzwischen auch Einzug in chinesische Supermärkte gehalten hat. Valentin bekam in seiner Gastfamilie in den Genuss einer ganz besonderen Ehre, die er sicher so schnell nicht vergessen wird: Er durfte in einem original chinesischen Bett schlafen. Die Matratze besteht aus Holz, auf dem nur eine dünne Decke liegt. Die direkte Folge für Valentin: lästige Rückenschmerzen.

Was Ursula Vogler überrascht hat: Die Schüler waren traurig, als die erste Woche vorbei und es Abschied nehmen hieß. Traurig, obwohl der Besuch von Peking und Shanghai anstand. Tims Gastschüler hat sogar Tränen vergossen. Was haben die Kempener in den zwei Wochen vermisst ? Da gab es kaum Wortmeldungen. Zwei dann aber doch. Bei Willy war es das Essen seiner Mutter, bei Katja die Toiletten.

Ein eindrucksvolles Bild boten die chinesischen Schüler bei ihrem Sportfest. Die Veranstaltung wurde extra für die Kempener Gäste verlegt. FOTO: Isabell Höke-Purrmann

Wie beurteilen die Lehrerinnen die Chinareise? Es sei eine sehr harmonische Gruppe gewesen, sagt Isabell Höke-Purrmann, obwohl einige der Schüler sich vorher überhaupt nicht kannten. Anke Vogeler war zum ersten Mal in Asien und hat sich gewundert, wie offen die Menschen auf sie zukamen - entgegen aller Vorurteile. Ob Lehrer oder Reiseführer, mit allen konnte man offene Gespräche führen. Man habe den Eindruck, das die jüngeren Leute danach trachten, sich von den Lehren älterer Generationen abzunabeln: "Das hätte ich nicht erwartet."

Im nächsten Jahr kommt der Gegenbesuch aus China nach Kempen. Die teilnehmenden Schüler müssen sich mit guten Noten qualifizieren. Außerdem müssen die Eltern willens und in der Lage sein, die Reise zu finanzieren.

Quelle: RP
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