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Stadt Kempen
Das Glück, musizieren zu können

Stadt Kempen. Die Pianistin Danae Dörken fesselte ihr Publikum mit einem romantischen Programm. Von Heide Oehmen

Am Abend zuvor hatte Danae Dörken im Münchner Herkulessaal noch gemeinsam mit den Münchner Symphonikern das düstere Klavierkonzert von Viktor Ullmann (1898-1944)interpretiert, und bereits am nächsten Tag saß sie am Flügel in der gut gefüllten Kempener Paterskirche.

Der 26 Jahre jungen, in Wuppertal geborenen Pianistin mit deutschen und griechischen Wurzeln merkte das Publikum die vorangegangene Anspannung in keiner Weise an - vielmehr strahlte die hübsche junge Frau eine bezwingende Musizierfreude aus. Jede der fein austarierten Kantilenen entlockte ihr ein glückliches Lächeln - die Freude darüber, Musik machen und vermitteln zu können.

Die bei Karl-Heinz Kämmerling ausgebildete und - nach dessen Tod im Jahre 2012 - von Lars Vogt betreute, international begehrte Solopianistin und begeisterte Kammermusikerin, die Künstler wie die Klarinettistin Sharon Kam, die Sängerin Christiane Oelze, die Geigerin Carolin Widmann oder den Oboisten Philippe Tondre zu ihren Partnern zählt, hatte für Kempen ein Programm ausgewählt, das zwar hohe interpretatorischen und technische Anforderungen stellte, sich aber für die Zuhörer als äußerst eingängig erwies.

Am Beginn standen Robert Schumanns zuweilen gering geachtete "Waldszenen" op.82, in denen die Künstlerin mit erlesener Anschlagskultur den Flügel zum Leuchten brachte. Die freundliche Stimmung beim "Eintritt in den Wald" nahmen ebenso gefangen wie die Bildkraft des "Jägers auf der Lauer", das Rankenwerk der "Einsamen Blumen", der helle Farbton der "Freundlichen Landschaft" oder das Walddunkel der "Herberge". "Vogel als Prophet", das berühmteste Stück der Sammlung, ist ein Prüfstein für pianistische Anschlagskunst, und mit den mal weichen, dann wieder markanten Harmonien des "Abschieds" nimmt das Werk ein ruhiges Ende.

Die konstruktive und ausdrucksmächtige Fantasie Felix Mendelssohn Bartholdys offenbart sich in seinen 17 "Variations sérieuses" op.54, mit denen Danae Dörken ihr Programm fortsetzte. Von getragenen, voller Klangfülle interpretierten Passagen über erregte Synkopen, feurige Akzente und stürmische Allegro-Triolen enthält dieses Opus eine Fülle pianistischer Herausforderungen, denen die Künstlerin auf eine ganz eigene, brillante Weise gerecht wurde, die selbstverständlich notwendiges technisches Rüstzeug fast völlig vergessen ließ. Im Vordergrund stand immer die musikalische Aussage.

Das galt auch für die letzte große Komposition Frédéric Chopins, die viersätzige Sonate Nr.3 h-Moll op.58. Auch hier waren es wieder die Kantilenen - das Seitenthema im ersten Satz, das darauf folgende liedhafte Scherzo und das H-Dur-Largo (3. Satz), die besonders gefangen nahmen. Schließlich das "Presto non tanto", in dem auch die virtuose Seite der Pianistin faszinierend zum Tragen kam.

Für den begeisterten Beifall dankte sie den Besuchern in der Paterskirche mit zwei ebenfalls hoch virtuosen Zugaben.

Quelle: RP
 
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