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Stadt Kempen
Das Kreisarchiv braucht mehr Platz

Stadt Kempen. Ein Neubau für die zentrale Unterbringung eines modernen Archivs steht für die Verantwortlichen von Kreis und Stadt Kempen außer Frage. Die Diskussion um einen geeigneten Standort gewinnt weiter an Dynamik. Von Andreas Reiners

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft des in der Kempener Burg beheimateten Kreisarchivs hat der Bildungseinrichtung des Kreises Viersen am vergangenen Samstag einen unerwarteten Publikumsverkehr beschert. Wie berichtet nutzten erstmals mehr Besucher als in den Vorjahren den Tag der offenen Tür, um sich im Archiv umzuschauen. Kreisarchiv Dr. Georg Rehm und sein Team - insgesamt zehn Fachleute, darunter Historiker und ein Archivpädagoge, arbeiten in den Räumen der Burg und den beiden Standorten an der Arnoldstraße in Kempen sowie in einer ehemaligen Gewerbehalle in Dülken - erfuhren erstmals seit vielen Jahren großen Zuspruch für ihre Arbeit, die sich ansonsten eher im sprichwörtlichen "stillen Kämmerlein" abspielt. Klar, dass sich die Besucher aus Kempen für einen Verbleib des Archivs in der Thomasstadt aussprachen und einen von der Rheinischen Post in der Samstagsausgabe ins Spiel gebrachten Standort auf dem Gelände des heutigen Grefrather Freibads ablehnten.

Auch Kempener Kommunalpolitiker - selbst solche, die gut vernetzt sind mit ihren Kollegen im Kreistag, - können nicht glauben, dass der Kreis tatsächlich sein Archiv aus Kempen abzieht. Derweil bemüht sich der Landrat um Entspannung der Lage. Für ihn steht derzeit lediglich fest, dass ein Neubau fürs Archiv dringend erforderlich ist. Das ergibt sich aus einer Expertise der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), die nicht nur den im Kreistag vertretenen Parteien, sondern auch der RP-Redaktion vorliegt. Darin zeigt die LVR-Expertin Dr. Claudia Kauertz eindeutig auf, dass die Unterbringung der Urkunden, Akten und des übrigen Archivgutes auf drei Magazinstandorte unwirtschaftlich ist. Selbst die räumliche Enge am Hauptstandort in der Burg ist aus archivfachlicher Sicht alles andere als glücklich. Die Räumlichkeiten in der Burg seien nur wenig sachgerecht zu nutzen.

Hinzu kommt der Zustand der Burg. Die aktuellen Bestände des Kreisarchivs, das auch das Kempener Stadtarchiv beherbergt, würde aneinandergereiht eine Länge von mindestens 6,3 Kilometer ergeben. Der Archivbestand wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen, weil die Akten der Kreisverwaltung und der neun kreisangehörigen Städte und Gemeinden vereinbarungsgemäß hier untergebracht werden.

Das Gebäude der mehr als 600 Jahre alten Burg ist nicht geeignet, das komplette Kreisarchiv auf Jahre zu beherbergen. Die Statik des denkmalgeschützten Hauses verträgt keine weitere Belastung durch zusätzlich Schwerlastregale. Die Klimatisierung der teilweise sehr wertvollen Archivalien ist unzureichend. Zudem ist das Archiv in der Burg für Besucher nicht barrierefrei erreichbar. Es fehlt ein Aufzug, der erst sehr aufwendig installiert werden müsste. Wie teuer die Sanierung und entsprechende Umrüstungen der Burg den Kreis Viersen als Hausherrn käme, ist nach RP-Informationen bislang nicht ermittelt worden. Das spielt für Landrat Dr. Andreas Coenen angesichts der Möglichkeit, für einen Neubau 5,1 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten zu können, derzeit verständlicherweise auch keine Rolle. Gleichwohl ist er an einer auch für die Stadt Kempen sinnvollen Nutzung der Burg-Immobilie interessiert, wie er versichert. Er will nach dem Auszug in Kempen keine leer stehende Burg hinterlassen. Das wird in der Thomasstadt allerdings befürchtet, käme die derzeit laufende Markterkundung zu dem Ergebnis, dass es keinen interessierten Investor gibt, der die Burg übernimmt.

Auch die Standortfrage eines Neubaus fürs Kreisarchiv sieht Coenen gelassen. Grefrath mit dem Freilichtmuseum Dorenburg hätte für ihn Charme. Aber auch Kempen, Viersen oder Willich kämen in Frage.

In der heutigen Kreisstadt Viersen können sich Insider ein neues Zentralarchiv sehr gut in der Nachbarschaft des Kreishauses vorstellen. Neben dem Kreishaus-Forum wäre auf einer Wiese Platz genug - gleich neben dem Viersener Stadthaus und der dortigen Bibliothek. Mit der Städtischen Galerie im Park und der Skulpturensammlung würde sich für Viersen ein schönes Ensemble kultureller Einrichtungen ergeben. Das könnte dem Ersten Beigeordneten und Kulturdezernenten der Stadt Viersen, Dr. Paul Schrömbges, sicherlich gefallen.

Quelle: RP
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