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Stadt Kempen
Das Sterben gehört zum Leben

Stadt Kempen: Das Sterben gehört zum Leben
Die Experten sind sich einig: Kinder gehen mit dem Thema Sterben wesentlich unbefangener um als Erwachsene. Sie kennen keine Berührungsängste. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Mit den Themen Tod und Trauer setzten sich die Viertklässler der Gemeinschaftsgrundschule Tönisberg auseinander. In der Schule fand die Projektwoche "Hospiz macht Schule" statt. Von Bianca Treffer

Im abgedunkeltem Klassenraum der Grundschule Tönisberg ist es mucksmäuschenstill. 25 Viertklässler schauen auf die Leinwand, auf der gerade ein Seelsorger dem Schüler Willi erklärt, warum es trauernde Menschen so schwer haben. "Das ist wie eine Pflanze, der die Wurzel genommen wurde. Ein Mensch muss die Kraft finden, neue Wurzeln zu bilden", erfahren die aufmerksam zuhörenden Grundschüler. Sekunden später folgt der bekannte musikalische Abspann der Fernsehreihe "Willi will´s wissen" und die eben noch stillen Kinder singen den Refrain voller Begeisterung mit.

Die Verdunklung vor den Fenstern fährt wieder hoch und gibt den Blick auf quer durch den Klassenraum gespannte Wäscheleinen frei, an denen etliche selbstgemalte Bilder und Wolkenplakate hängen. Die Bilder zeigen, wie sich Kinder das Jenseits vorstellen und auf den Plakaten sind die Arbeitsergebnisse jedes einzelnen Tages schriftlich festgehalten. "Habt Ihr alle verstanden, was der Seelsorger Willi erzählt hat ?", möchte Gerda Kretschmann von der Hospiz Initiative Kreis Viersen von den Schülern wissen. Finger fliegen in die Höhe und das gerade Erfahrene wird noch einmal genau besprochen.

Für eine Woche ist das Themenfeld Tod und Trauer bei den Viertklässlern der Tönisberger Grundschule eingezogen. "Das Sterben gehört zum Leben dazu und wir finden es wichtig, auch dieses Thema, das für viele immer noch ein Tabu darstellt, einmal zu beleuchten", sagt Dorothee Heussen. Die Schulleiterin hat sich dafür fachliche Hilfe geholt und zwar in Form der Hospiz Initiative Kreis Viersen. Sie bietet die Projektwoche "Hospiz macht Schule" an. Das vor nunmehr zehn Jahren von der Bundeshospizakademie erarbeitete Projekt gehört seit dem vergangenen Jahr auch im Kreis Viersen zum Angebot, nachdem die hiesigen Mitarbeiter entsprechende Schulungen durchlaufen haben. "Wir merken immer wieder, dass Kinder mit dem Thema Tod ganz anders umgehen als Erwachsene. Sie gehen angstfreier damit um. In der Vorbereitung auf das Leben gehört der Tod mit dazu und es ist wichtig über Sterben, Tod und Trauer zu sprechen", betont Kretschmann.

Sie und ihre entsprechend ausgebildeten Ehrenamtler können immer wieder feststellen, dass die Kinder keine Berührungsängste kennen. "Trotzdem haben wir vorab einen außerordentlichen Elternabend einberufen, um mit ihnen über die geplante Projektwoche zu sprechen, nachdem ich das Projekt der Klassenpflegschaft und dem Kollegium vorgestellt hatte. Es gibt immer Sorgen der Eltern, dass ihr Kind das Thema nicht verkraften könnte", berichtet Heussen. Doch nach einer entsprechenden Information zeigten sich alle Eltern von der Projektwoche überzeugt.

Jeder Tag der Woche stand unter einem anderen Stichwort. Von "Werden und Vergehen", "Krankheit und Leid" ging es zu "Sterben und Tod", "Traurig sein" sowie "Trost und trösten". Gearbeitet wurde dabei sowohl in der gesamten Gruppe als auch in Kleingruppen von je fünf Schülern, wobei insgesamt sechs Mitarbeiter der Hospiz Initiative Kreis Viersen jeden Tag im Einsatz waren. Die Kinder konnten sich selbst aktiv mit ihren Gedanke einbringen und gingen die Sache auch praktisch an. So brachte Justus an einem Tag die Urne mit der Asche des verstorbenen Familienhundes mit. "Auch wenn wir über traurige Sachen gesprochen haben, so haben wir auch viel gelacht", erzählt Nora. Am Anfang habe er das Thema als etwas schwierig empfunden, jetzt aber nicht mehr, meint Fynn. Innerhalb des vorletzten Projekttages geht es inzwischen sehr praktisch zu. Die Klasse hat nach dem Film den Raum gewechselt und ist damit beschäftigt, Bohnenpflanzen umzutopfen. Denn, wie im Film gezeigt, muss ein trauernder Mensch seine Wurzeln neu finden, um wieder Halt zu bekommen. das ist mit den kleinen Pflänzchen, von denen ein jedes in einen einzelnen Topf kommt, den die Kinder mit nach Hause nehmen dürfen, genauso.

Quelle: RP
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