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Gemeinde Grefrath
Demenzkranke aus der Isolation holen

Gemeinde Grefrath. In der Gemeinde Grefrath macht ein neues Netzwerk von sich reden. Es kümmert sich um Demenzkranke und hat bereits beachtliche Anfangserfolge vorzuweisen. Weitere Partner sind willkommen. Von Willi Schöfer

Den Spruch "Eine Allianz fürs Leben" kennt man aus der Werbung. Werben möchte auch weiterhin ein Bündnis, das sich schon im September 2015 den Namen "Demenz-Netzwerk Grefrath" gegeben hatte. Gerade treffen sich im evangelischen Altenzentrum in Oedt Verantwortliche um die Quartiersmanagerin Nicole Geitner, um die nächsten Projekte vorzustellen beziehungsweise zu besprechen.

"Uns muss es unter anderem gelingen, dass zum einen die Mitmenschen die Demenz besser erkennen und besser damit umgehen und dass zum anderen die Demenzerkrankten schon im Anfangsstadium ihre Scham ablegen und sich mit ihren Ängsten mitteilen, nur so können wir direkt helfen", sagte Helmut Wörner vom Gerontopsychiatrisches Zentrum beim Viersener LVR-Klinikverbund. Er ist einer der Allianzpartner, die die Menschen mit der Demenz etwas aus der Isolation herausholen und sie dabei auch im frühen und späteren Stadium über ihre Erkrankung informieren möchten. Jederzeit können sich an Helmut Wörner (Ruf 02162 89748666) oder an Anja Dammer vom Grefrather Pflegestützpunkt (02158 4080 508) Demenzkranke oder Angehörige wenden, die dazu Fragen haben.

Mit am Tisch sitzen Verantwortliche der Kreis-VHS, des Häuslichen Pflegedienstes der Diakonie, dem Demenzservice-Zentrums Niederrhein (Caritas) oder die Museumpädagogin des Grefrather Freilichtmuseums, Rabea Badeda.

Das Netzwerk will sich weiter kümmern, nachdem es bereits die ersten Erfolgserlebnisse für die Menschen auf beiden Seiten gegeben hat. So kommen im Altenzentrum regelmäßig Menschen mit Demenz zum Sport, zum Klönen, zum Singen oder zu künstlerischen Aktivitäten zusammen. Das will man der nahen Zukunft weiter ausbauen. Jetzt geht es in einem weiteren Schritt darum, mehr Mitbürger mitzunehmen, die auf die Bedürfnisse der Demenzerkrankten richtig und sensibler reagieren. "Es bringt zum Beispiel nichts, wenn eine vergessliche Dame viermal am Tag in einer Bäckerei jeweils vier Brötchen einkauft und ihr die Verkäuferinnen ihr die Brötchen jedes Mal auch kommentarlos übergeben", sagt Margret Hennewig-Schnock vom Caritasverband. Das Netzwerk hat bereits vor den Sommerferien den Handel angeschrieben und zu einer etwa dreistündigen Schulung eingeladen, bei der die Verkäufer oder Dienstleister Tipps zum Umgang mit den Demenzerkrankten bekommen sollen. Diese Schulung wird im Frühjahr 2017 stattfinden. Die ersten Anmeldungen liegen bereits vor.

"Wir arbeiten weiter daran, Grefrath zu einer demenzfreundlichen Kommune zu entwickeln", hält Nicole Geitner an der Zielvorgabe fest. Sie weist auf eine interessante Theaterveranstaltung am Sonntag, 11. September, 16.30 Uhr, in der Albert-Mooren-Halle hin. In dem ausgezeichneten Ein-Personen-Stück von Joop Admiraal, bei dem Gisela Nohl in die Masken von Tochter und Mutter steckt, geht es um das Vergessen und um das Abschiednehmen. Die Veranstaltung beginnt bereits um 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen. Direkt vor und nach den Vorstellungen wird über das Thema Demenz weiter informiert. Ticketverkauf im Altenzentrum, Ruf 02158 69090. Mit dabei ist das Netzwerk auch, wenn es bundesweit vom 19. bis 23. September bei der Woche der Demenz zu vielen Aktionen und kleineren Projekten kommt.

Quelle: RP
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