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Landratswahl Redaktionsgespräch Mit Wolfgang Lochner (fdp)
Den Kreis stärker zum Dienstleister machen

Landratswahl Redaktionsgespräch Mit Wolfgang Lochner (fdp): Den Kreis stärker zum Dienstleister machen
Der Kempener Rechtsanwalt Wolfgang Lochner ist Vorsitzender der Liberalen im Kreis Viersen. Am 13. September will er Landrat werden. FOTO: BUSCH
Kempen. Drei Kandidaten bewerben sich um das Amt des Landrats. Der liberale Wolfgang Lochner aus Kempen erklärt, wie er das Amt ausüben will. Von Ludger Peters

Kreis Viersen Es irritiert Wolfgang Lochner, dass er mit nur zwei anderen Kandidaten auf dem Wahlzettel steht. Dass SPD und Grüne im Kreis auf die Nominierung eines eigenen Kandidaten verzichtet und die SPD ersatzweise noch einen politischen Deal mit der CDU "ausgekungelt" hat, empört den Kreisvorsitzenden der FDP. "Das ist doch voll daneben. Es gehört sich einfach, einen Kandidaten bei jeder Wahl aufzustellen. Man macht allein schon mit, weil es demokratisch ist. Bürgern haben das Recht darauf, eine die Wahl zu haben", sagt der Rechtsanwalt. Dass seine Partei in Viersen, Grefrath und Niederkrüchten auf Bürgermeister-Kandidaten verzichtet, hat er intern auch schon kritisiert.

Wirtschaftsförderung Erheblichen Nachholbedarf hat Wolfgang Lochner in der regionalen Wirtschaftsförderung wahrgenommen. Für ihn bildet der Niederrhein mit der Nachbarprovinz Limburg eine wirtschaftliche Einheit, die dringend zusammengeführt werden müsste. Liberale haben dazu vergangenes Jahr in Venlo eigens ein Manifest erarbeitet. Im Kreis will er als Landrat die Wirtschaftsförderung in der Invest Region Viersen zentralisieren, es gebe keinen triftigen Grund dafür, dass jede Gemeinde eigene Formen der Wirtschaftsförderung betreibt. Die alte Wirtschaftsförderung habe deswegen keine Kraft entwickelt, weil sie sich fast ausschließlich auf Grundstückvermarktung beschränkt habe. "Da sind lange unendlich viele Chancen verpasst worden." Der FDP-Politiker zählt auch die Bereiche Tourismus und Kultur dazu. "Das ist noch sehr viel Luft nach oben."

Verwaltung "Schlank" machen will Lochner die Kreisverwaltung - es gehe nicht um Personalabbau, sondern vielmehr darum, Entscheidungen schneller und zielstrebiger umzusetzen. Die Verwaltung sollte sich künftig mehr als Dienstleister für die Städte und Gemeinden verstehen. Die von der FDP angestoßene Fusion von Kreis- und Stadt-Volkshochschule Viersen sei ein positives Beispiel. Zusammenarbeit könne er sich auch für Bauhöfe und parallele Verwaltungsaufgaben vorstellen. "Der Kreis sollte auch kleineren Gemeinden Aufgaben abnehmen." Lochner hält manche Standards als "zu hoch angesetzt, es gibt den Hang zum Hyperperfektionismus". Das so frei werdende Geld wolle er für soziale Aufgaben einsetzen. Als Jugend-Strafverteidiger wisse er, wovon er da rede. Überhaupt ist Lochner Verfechter eines zentral gesteuerten Jugendamtes inklusive Jugendgerichtshilfe.

Image Der Kreis leidet nach Lochners Feststellung darunter, dass er sich immer weiter vom Bürger entfernt habe, obwohl er ein unverzichtbarer Dienstleister sei. Ihn nerve das "ständige Gegeneinander, das beispielsweise Kämmerer seit Jahren umtreibt". Die Besinnung auf gemeinschaftliche Aufgaben für alle Bürger sei eine wichtige Aufgabe des Landrats. "Unverständlich" ist ihm daher, wie viele Politiker mit Doppelmandaten in Stadt- oder Gemeinderäten und im Kreistag säßen. "Ich muss immer wissen, wo ich gerade bin", so Lochner.

Polizei Der Vorsitzende des Polizeibeirats im Kreis Viersen heißt seit Jahren Wolfgang Lochner. In dieser Funktion wehre er sich "mit Händen und Füßen" gegen jeden Versuch einer Fusion der Kreispolizei mit beispielsweise dem Polizeipräsidium Mönchengladbach. "Die Polizei ist unsere Polizei und muss unsere Polizei bleiben. Man darf sie nicht personell schmälern, sondern muss sie stärken", fordert er. Als Landrat werde er sich sehr aktiv in seine Aufgabe als Behördenchef einbringen und keine Strukturreform abnicken, die die Polizei schwäche. Es drohe ohnehin ein Abbau von zehn bis 20 Prozent der zurzeit etwa 490 Kräfte. "Das kann man nicht einfach mal so laufen lassen. Da muss der Landrat des Kreises Viersen auch mal klar Stellung beziehen, auch wenn's einem Minister nicht passt."

Quelle: RP
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