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Stadt Kempen
Den Opa später im Himmel kennenlernen

Stadt Kempen: Den Opa später im Himmel kennenlernen
Tina Clever von der Hospiz-Initiative arbeitete mit den Kindern der Klasse 3 b der Regenbogenschule mit Blumentöpfen, um das Thema "Wurzeln" zu veranschaulichen. Die Projektwoche war ein Erfolg. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Die Hospiz-Initiative Kreis Viersen war in dieser Woche mit ihrem Projekt "Hospiz macht Schule" in der Kempener Regenbogenschule zu Gast. Im Mittelpunkt standen die Themen Tod und Trauer. Erstmals nahmen Drittklässler teil. Von Bianca Treffer

Emilia malt lachende Gesichter auf ihren Tonblumentopf. Raphael hat sich für Herzen entschieden und bei Theresa wachsen auf dem Topf viele bunte Blumen. "Was der Willi vorhin im Film erzählt hat, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Auch Erwachsene weinen und sind traurig, nicht nur Kinder", meint Jannis, der ebenfalls mit der Wachsmalkreide beschäftigt ist und ein farbenfrohes Muster entstehen lässt.

Während die Drittklässler der Kempener Regenbogenschule mit dem Gestalten der Töpfe beschäftigt sind, ist bei vielen der gerade gesehene Film aus der Reihe "Willi will's wissen" noch Gesprächsthema. Willi hat sich im Film von einem Seelsorger erklären lassen, warum es trauernde Menschen so schwer haben. Ihnen sind nämlich die Wurzeln genommen worden und ein Mensch muss die Kraft finden, neue Wurzeln zu bilden, haben die Kinder erfahren. Und ums Wurzeln bilden geht es gerade im praktischen Sinn. Denn die handbemalten Tontöpfe erhalten eine Bohnenpflanze und "die muss auch anwurzeln", sagt Gerda Kretschmann von der Hospiz-Initiative Kreis Viersen.

Für eine Woche war die Initiative mit dem Themenfeld Tod und Trauer bei den Drittklässlern der Regenbogenschule zu Gast. Jeder der fünf Tage stand unter einen anderen Thema. Von "Werden und Vergehen", "Krankheit und Leid" ging es zu "Sterben und Tod" sowie "Traurig sein". Den Abschluss bildete "Trost und trösten". Das vor zehn Jahren von der Bundeshospizakademie erarbeitete Projekt gehört seit zwei Jahren auch im Kreis Viersen zum Angebot, nachdem die hiesigen Mitarbeiter entsprechende Schulungen durchlaufen haben. "Das Angebot wird hervorragend angenommen. Wir merken immer wieder, dass Kinder mit dem Thema Tod ganz anders umgehen als Erwachsene. Sie gehen angstfreier damit um. In der Vorbereitung auf das Leben gehört der Tod mit dazu und es ist wichtig über Sterben, Tod und Trauer zu sprechen", betont Gerda Kretschmann.

Sie und ihre entsprechend ausgebildeten ehrenamtlichen Mitstreiter können feststellen, dass die Kinder keine Berührungsängste kennen, wohl aber viele Eltern. Das zeigt sich immer wieder bei den im Vorfeld angebotenen Elternabenden, bei denen die geplante Projektwoche vorgestellt wird und Eltern Raum für Fragen erhalten. Einige Eltern wissen nicht, wie sie das Thema angehen sollen und sorgen sich, dass das Thema für die Kinder zu viel wird. "Letztlich haben die Eltern das Angebot aber als Chance für die Kinder gesehen und das ist es auch", sagt Katharina Janke-Franz. Die Klassenlehrerin der 3b lobt die hervorragende pädagogische Aufarbeitung durch die Hospiz-Initiative. Dass die Kinder selber keine Berührungsängste haben, zeigen die vielen Fragen, die bei den unterschiedlichen Themenbereichen gestellt werden. Und auch Tränchen dürfen fließen. Die ruft nämlich das gerade bearbeitete Thema "Traurig sein" auch mal hervor. "Ich musste vorhin weinen, weil ich an meinen Opa gedacht habe, der gestorben ist", erzählt Anna. Marie berichtet davon, dass sie traurig war, als ihre Katze gestorben ist, und Anton bedauert es ein bisschen, dass er seinen Opa nicht kennengelernt hat, weil der zwei Jahre vor seiner Geburt gestorben ist. "Ich wünsche mir, dass ich ihn später im Himmel kennenlerne", sagt der Drittklässler.

Für die Hospiz-Initiative war der Termin in der Regenbogenschule eine Premiere. "Sonst arbeiten wir mit Viertklässlern. Jetzt waren es zum ersten Mal Drittklässler. Wir konnten feststellen, dass sie das Thema ebenfalls gut angenommen haben", berichtet Gerda Kretschmann. Sie und ihre sechs Mitarbeiter merkten im Laufe der Woche, dass die Kinder sensibler werden und auch miteinander sorgfältiger umgehen. "Nahezu alle Kinder haben in dem Alter bereits Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Sei es durch ein verstorbenes Haustier oder ein Familienmitglied. Sie wollen darüber sprechen und sich mit dem Tod und der Traurigkeit beschäftigen", sagt Tina Clever vom Team der Hospiz-Initiative. Wichtig sei dabei immer, dass die Kinder aufgefangen werden und das ist bei dem Angebot "Hospiz macht Schule" auf der ganzen Linie der Fall.

Quelle: RP
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