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Kreis Viersen
Den Traumberuf früh erkennen

Kreis Viersen: Den Traumberuf früh erkennen
Der Tönisvorster Malermeister Thorsten Engler ist dafür, dass sich Schüler früh beruflich orientieren. FOTO: ka
Kempen. Der Kreis koordiniert Schnupperpraktika zur Orientierung für Achtklässler. Betriebe haben dabei die Chance, Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen. Das sei immer schwieriger, sagt Malermeister Thorsten Engler aus Tönisvorst. Von Kai Aussen

Im Kreis Viersen ist die Berufsfelderkundung im Rahmen des Landesvorhabens "Kein Abschluss ohne Anschluss" (KAoA) für das Schuljahr 2014/15 nun zu Ende. Knapp 2000 Achtklässler konnten an bis zu drei Tagen teilnehmende Betriebe besuchen. Ziel war es, einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Unternehmens und die dort angebotenen Berufsfelder zu bekommen. Wie ist dieses Angebot bei den Betrieben angekommen? Zu dieser Frage äußert sich der Tönisvorster Malermeister Thorsten Engler.

Sie haben sich entschlossen, als Handwerksbetrieb bei der Berufsfelderkundung mitzumachen und Praktikumsplätze für Achtklässler zur Verfügung gestellt. Welche Informationen hatten Sie bereits über KAoA?

Engler Als Innungsmitglied besuchte ich eine Informationsveranstaltung der Kreishandwerkerschaft Niederrhein zu diesem Thema. Dabei zeigte sich, dass dies eine gute Chance für unseren Betrieb ist, Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen. Das wird heute immer schwieriger. Als ausbildender Betrieb ist es wichtig, jede Chance zu nutzen, Fähigkeiten und Stärken des möglichen Nachwuchses durch frühzeitiges Erkunden des Ausbildungsberufs zu unterstützen.

Wie haben Sie sich in Ihrem Unternehmen auf den Tag vorbereitet?

Engler Die Organisation über die Internetplattform www.fachkräfte-für-morgen.de ist eine gute Unterstützung. In unserem Betrieb habe ich versucht, für diesen Tag spannende Baustellen für die Schüler zu finden, damit sie selber mit Hand anlegen können, und natürlich meine Mitarbeiter auf den Tag eingeschworen. Erstaunt hat mich, dass sich bei uns nur Mädchen angemeldet haben. Ein oder zwei Jungen hätten die Zusammensetzung abgerundet.

Welche Erwartungen hatten Sie im Vorfeld mit diesem Tag verknüpft?

Engler Ich hatte mir gewünscht, dass wir interessierte Jugendliche bekommen, die diesen Tag nicht als reine Pflichtaufgabe sehen. Am Abend wollten wir uns mit ihnen zusammensetzen, damit wir erfahren, ob der Tag auch ihren Vorstellungen entsprochen hat. Ich hatte mir erhofft, dass sich geeignete Schülerinnen und Schüler für ein späteres Praktikum bei uns melden. Und ich hätte mich gefreut, wenn es gelungen wäre, dass der- oder diejenige Freude am Malerberuf gefunden hätte.

Welche Rückmeldungen kamen von den Schülerinnen?

Engler Was die Schülerin betrifft, die engagiert mitgewirkt hat, war das Tagespraktikum erfolgreich. Denn es wurde klar, dass sie sich in dem Berufsfeld nicht wiederfindet. Sie hat sich den Malerberuf nicht so körperlich anstrengend vorgestellt. Auch das kann ja Ziel des Praktikums sein: Berufsfelder ausschließen und so spätere Ausbildungsabbrüche vermeiden.

Haben Sie Tipps, die Sie anderen Unternehmen für die nächste Berufsfelderkundung 2016 mitgeben können?

Engler Der Ansatz, bereits Achtklässler im Alter von 13 bis 15 Jahren einzubinden, ist richtig. Regelmäßiges frühes Aufstehen und pünktliches Erscheinen zu einem konzentrierten Zehn-Stunden-Tag unter körperlicher Belastung kennen Jugendliche vielfach nicht. Auch wenn sie wissen, dass dies eine mögliche berufliche Zukunft sein könnte, müssen wir sie trotzdem behutsam vorbereiten. Da sehe ich persönlich auch die Verantwortung der Wirtschaft.

Wie lautet denn Ihr Urteil über KAoA?

engler Das passt. Achtklässler sind noch zugänglich. Es ist das richtige Alter, sie auf das spätere Leben bzw. die Ausbildung vorzubereiten. KAoA bietet eine gute Möglichkeit, sich früh durch Praktika auf den Traumberuf einzustellen. Jugendliche finden heraus, was sie unter Umständen ein Leben lang machen möchten. Ferien- oder Schnupperpraktika sind für beide Seiten hilfreich. Daher empfinde ich das Landesvorhaben als eine gute Möglichkeit. Als Ausbilder vermisse ich jedoch die Vorbereitung in den Schulen. Hier muss in puncto Berufsorientierung intensiver mit den Schülern gearbeitet werden. Schulische Bildung ist wichtig, keine Frage. Aber nicht jeder muss Rechtsanwalt, Richter, Arzt oder Professor werden. Motivierte Fachkräfte werden in jedem Bereich gebraucht. Das muss vermittelt werden.

Unternehmen können Angebote für die Termine am 15. und 16. März, 28. April und 27. und 28. Juni 2016 machen. Telefon; 02162/391479.

Quelle: RP
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