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Stadt Kempen
Denkmalschutz ist auch Ansichtssache

Stadt Kempen: Denkmalschutz ist auch Ansichtssache
FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. Der Kempener Denkmalausschuss entscheidet demnächst gleich über mehrere Projekte, bei denen Häuser in der Innenstadt saniert werden sollen. Die Fassadenneugestaltung an der Burgstraße gefällt dem LVR-Denkmalamt nicht. Von Andreas Reiners

Aus Sicht der Stadt sollte es keine Probleme geben bei den Bauprojekten von Kempener Bürgern oder von der Volksbank Kempen-Grefrath. Aber nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre (Stichwort: Peterstraße 20) ist die Stadtverwaltung vorsichtig geworden, was eine allzu euphorische Bewertung des Themas Denkmalschutz in der Kempener Altstadt betrifft. Für Unverständnis hat inzwischen auch bei interessierten Kreisen eine Stellungnahme des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege gesorgt, mit der die geplante Umgestaltung der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses Burgstraße 12-16 abgelehnt wird. Der Gebäudekomplex gegenüber dem neuen Klosterhof soll modernisiert werden. Das hatte der Vorstand der Volksbank, der das Haus gehört, bei seiner Jahrespressekonferenz Mitte Januar dieses Jahres bereits angekündigt. Das Geldinstitut, das seinen Hauptsitz im Nachbarhaus hat, möchte das Dach ausbauen lassen und dort zwei zusätzliche Wohnungen schaffen. Viel wichtiger: Die alte, in die Jahre gekommene Fassade aus den 1960er-Jahren mit Waschbetonplatten soll optisch aufgefrischt werden.

Und obwohl das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, ist die Fassadenumgestaltung denkmalpflegerisch von Belang, weil das Gebäude im so genannten Denkmalbereich I (Innenstadt) liegt. Daher hat die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt auch das zuständige Denkmalamt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) informiert und um Stellungnahme gebeten. Die Stadt meint, dass die altmodische Fassade das mittlerweile durch den neuen Klosterhof veränderte Straßenbild stört. Nicht nur die Waschbetonplatten, auch die vorgehängte, eiserne Lamellenplatte, die die Fenster des Treppenhauses verdeckt, passt nicht mehr in das veränderte Umfeld. Der Gebäudekomplex ist fast 20 Meter lang. Die Stadt hält die Planungen des von der Volksbank beauftragten Architekten für sinnvoll und begrüßenswert.

Die Neugestaltung der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses Burgstraße 12-16 in der Innenstadt: oben der derzeitige Zustand, unten die vom Architekten der Volksbank vorgeschlagene neue Optik. FOTO: Kaiser/ANIMATion (Archiv): Volksbank

Anders das Rheinische Denkmalamt: Auch wenn das Gebäude kein Einzeldenkmal sei, sei die Fassade schützenswert, "da sie auch dazu beiträgt, die im Denkmalbereich unterschiedlichen Zeitschichten zu dokumentieren, und die Entwicklung Kempens in der Nachkriegszeit mit den verschiedenen Architekturströmungen als Zeugnis bewahrt". Das Gebäude habe "durchaus architektonische Qualitäten", die durch die Fasadenumgestaltung verloren gingen, meint die zuständige Mitarbeiterin des LVR-Denkmalamtes, Julia Kollosche-Baumann. Deshalb lehnt der LVR das Vorhaben ab.

Kempens Technischer Beigeordneter Stephan Kahl will die Ansicht der LVR-Denkmalexpertin über die Daseinsberechtigung unterschiedlicher Epochen der Architektur nicht in Zweifel ziehen, allerdings wirke das Gebäude inzwischen als "Fremdkörper mit erheblichem Erneuerungsbedarf", so Kahl in seiner Vorlage für die nächste Sitzung des Denkmalausschusses am Montag, 7. September, 18 Uhr, im Rathaus am Buttermarkt. Die Verwaltung unterstützt das Vorhaben, weil die Burgstraße an dieser Stelle durch die neue Fassade an Qualität gewinnen werde. Deshalb schlägt die Verwaltung dem Denkmalausschuss vor, dem Vorhaben - trotz der Bedenken des LVR - zuzustimmen.

Das Wohnhaus an der Ecke Thomasstraße/Spülwall steht unter Denkmalschutz und soll saniert werden. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Bei anderen Projekten - Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses Thomasstraße 21 (Ecke Spülwall), Abriss und Neubau der Häuser Hülser Straße 30 und Engerstraße 37 - konnte die Stadt mit der LVR-Denkmalbehörde Einvernehmen erzielen. Auch sie sind Thema im Denkmalausschuss. Die Zustimmung zu den von den Hauseigentümern beantragten Vorhaben im Ausschuss gilt als Formsache.

Quelle: RP
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