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Gemeinde Grefrath
Der "aggressiv gehemmte" Niederrheiner

Gemeinde Grefrath: Der "aggressiv gehemmte" Niederrheiner
Niederrhein-Kabarettist Stefan Verhasselt, 1965 in Straelen geboren, lebt in Kempen und moderiert seit 1998 beim WDR. FOTO: Tina Hirop
Gemeinde Grefrath. Der in Kempen lebende Kabarettist Stefan Verhasselt tritt heute in der Albert-Mooren-Halle in Oedt auf. Zu sehen ist sein neues Niederrhein-Programm "Wer kommt, der kommt". Von Jürgen Karsten

"Wer kommt, der kommt" heißt es am Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr. Dann bringt der in Kempen lebende Kabarettist und WDR-Moderator Stefan Verhasselt sein neuestes Programm auf die Bühne der Albert-Mooren-Halle in Grefrath-Oedt. Es ist bereits das vierte Kabarett-Programm des erfolgreichen Niederrhein-Kabarettisten, der bereits ein kleines, aber feines Jubiläum feiern kann: Zehn Jahre steht er in diesem Jahr auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und hält den Menschen auf dem linken Ufer des Rheins ironisch, freundlich und nie verletzend den Spiegel vor. Die "RP" traf den in Straelen geborenen und in Tönisvorst aufgewachsenen Kabarettisten im "Venga" zu einem Gespräch über "den Niederrheiner als solchen und an und für sich".

Wenn man zehn Jahre lang ein Programm macht, das jeweils länger als zwei Stunden dauert, ist man dann nicht irgendwann "auserzählt", hat alles über den Niederrheiner ausgeplaudert? Nein, sagt Stefan Verhasselt, weil er in seinen Programmen immer wieder tagesaktuelle Bezüge einbaut und mit dem Niederrheiner verbindet. Und damit ist das Programm stets auf der Höhe der Zeit und das kommt beim Publikum bestens an. Und der Niederrheiner, der im Programm so gerne und so treffend karikiert und dargestellt wird, steht eigentlich ohnehin nur stellvertretend für jeden Mitmenschen, ganz gleich aus welcher Region. Und deswegen kommt Verhasselts Programm auch überall gut an, egal ob er in Aachen, Remscheid oder Winnekendonk, auf den Nordseeinseln oder in Westfalen spielt. Und genau diesen Radius hat er sich längst erschlossen. Seine Auftritte hat er nicht gezählt, aber bei rund 30 Gastspielen pro Jahr könnten es insgesamt in zehn Jahren locker 300 Auftritte gewesen sein.

Und wie ist er denn nun - der Niederrheiner? Verhasselts großes Vorbild Hanns-Dieter Hüsch hat einmal über die Linksrheinischen gesagt, sie seien "aggressiv gehemmt". "Das ist nicht mehr zu toppen", sagt Stefan Verhasselt. Er charakterisiert den Niederrheiner so: "Er ist weltoffen, das zeigt sich zum Beispiel gerade ganz aktuell bei den Unis, die über die Grenze arbeiten wie Kleve mit Nimwegen oder Kempen mit Venlo. Er fährt auch gerne raus in die Ferne, kommt aber dann eben so gerne wieder zurück in die Heimat, weil er sich ihr so verbunden fühlt. Und bleibt dabei geerdet, weil er immer mit beiden Füßen auf der Erde steht. Und Humor hat er auch ganz viel, kann über sich selbst lachen".

Besonders freut es ihn, dass er auch viel jüngeres Publikum im Saal hat. Der darf im Übrigen nicht zu groß sein, denn bei diesem "Zuhör-Programm" sind kleinere Räume einfach besser. Die aber sind bei ihm stets gut gefüllt. Tabus gibt es, wenn er seine Programme schreibt - meist in einem Kempener Bistro - nur wenige, aber: "Es soll nicht unter die Gürtellinie gehen. Meine Programme leben von Hirn, nicht von Hose."

Zehn Jahre auf der Bühne - wie hat sich der Kabarettist selbst verändert? "Ich bin mutiger geworden, traue mich mehr - auch im Dialog mit meinem Publikum. In den ersten Programmen habe ich noch etwas aufgeführt, jetzt lebe ich es", sagt Stefan Verhasselt. "Ich habe von konstruktiven Kritiken viel gelernt und ich freue mich, jetzt mein Publikum gleich zu Beginn zu packen, damit es kein zäher Beginn wird. Der Einstieg muss stimmen, dann läuft es." Er freut sich auf jeden Auftritt, ist nur kurz vor dem Start etwas angespannt, das gibt sich aber sofort beim Kontakt zu seinem Publikum, das ihn als authentisch und glaubwürdig beschreibt. Denn auch er blieb über die Jahre sich immer selbst treu - Niederrheiner eben. Stefan Verhasselt ist ein exzellenter Botschafter der Region zwischen Rhein und Maas. Er selbst nennt seine Heimat die "Glücksfall-Region in NRW" - mal schauen, wer noch kommt.

Quelle: RP
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