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Stadt Kempen
Der Baum braucht immer noch Hilfe

Stadt Kempen: Der Baum braucht immer noch Hilfe
Angela Aretz hatte Jefferson Collaguazo aus Quito nach Kempen mitgebracht. Der ehemalige Straßenjunge ist inzwischen einer der Betreuer im Kinderhaus. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. Das 25-jährige Bestehen feierte jetzt der Kempener Verein, der Straßenkinder in Quito unterstützt. Motor der Hilfe ist Angela Aretz mit ihrer Familie. Im Pfarrheim von Christ-König wurde viel über das Kinderhaus-Projekt diskutiert. Von Silvia Ruf-Stanley

So richtig konnte Angela Aretz noch gar nicht fassen, dass das Kinderhaus "Arbol de la Esperanza" (Baum der Hoffnung) in Quito in Ecuador seit 25 Jahren besteht. Und auch nicht, dass so viele Besucher ins Pfarrzentrum Christ-König kamen, um gemeinsam mit Familie Aretz dieses Jubiläum zu feiern. Ein Film über die vergangenen 25 Jahre zeigte, dass das Hilfsprojekt für die Straßenkinder auch immer eine Familiensache war. In dem Film erinnern sich Angelas Eltern Inge und Kurt Aretz an die Anfänge. Ihre Tochter war eigentlich zum Sprachen lernen in Ecuador. Dann stieß sie auf Jungen von der Straße und brauchte elterliche Hilfe, als einige von ihnen verhaftet wurden. Um sie frei zu bekommen, bedurfte es einiges an Geld und eine Wohnung, wo sie Aufnahme finden konnten. Familie Aretz trommelte alle möglichen Freunde und Helfer zusammen. Damit begann die Geschichte vom "Arbol de la Esperanza".

Jetzt, 25 Jahre später, sind daraus drei Häuser für Jungen geworden. Manchmal, wenn sie abends vom Dach aus über die Häuser schaue, könne sie das noch immer nicht fassen, erzählte Angela Aretz bei der Jubiläumsfeier. Denn am Anfang war die ganze Situation für die Hilfe so knapp, dass sie mit den Jungen auf dem Markt um Reste betteln musste. Ein chinesisches Restaurant bot an, jeden Tag einen Topf Reis zu spenden, erinnert sich Kurt Aretz.

Beim Fest im Kempener Pfarrheim erläuterte Angela Aretz auch das Prinzip vom Arbol. Denn hier sollen die Jungen nicht nur Stabilität wie in einer Familie finden und eine Grundlage durch Bildung erhalten. Es gibt zwar sieben Erzieher, eine Sozialarbeiterin und zwei Psychologen, die in den drei Wohngruppen arbeiten, aber die Jungen sollen sich auch gegenseitig selbst helfen. Und das funktioniert, sagte Angela Aretz. Ältere nehmen Neuankömmlinge an die Hand und helfen ihnen, sich zurecht zu finden. Oft, so Aretz weiter, haben die Jungen den viel besseren Zugang zueinander. Denn sie sind auf Augenhöhe, haben oft die gleichen Schicksale erlebt.

Ein Junge in dem Film fasst ganz einfach zusammen, was er im Arbol erstmals gefunden hat. "Hier habe ich die Sicherheit, einen Teller Essen zu bekommen, einen Platz zum schlafen, habe das Träumen gelernt." Angela Aretz wünscht sich, dass das Projekt irgendwann einmal überflüssig wird.

Im großen Saal des Pfarrheims zeigte Andreas Peckelsen gemeinsam mit der Tänzerin Kati Nunez Lopez in einer kleinen szenischen Darstellung seine Eindrücke, die er bei einem Theater-Workshop mit den Jungen in Quito gesammelt hatte. In den Geschichten geht es sehr viel um Schuld, um Vergebung, aber auch um Selbstbehauptung. Der Schauspieler plant, mit dem Stück in hiesige Schulen zu gehen und es mit Schülern zu bearbeiten. Er will so den Gedanken vom Arbol weiter tragen. Es gab schon im Pfarrheim mehrere Lehrer, die bei Angela Aretz nachfragten, ob sie in ihrer Schule über die Arbeit berichten könne. Extra aus Bonn waren Cornelius Meffert und seine Frau gekommen. Und sie gingen wieder mit dem Vorsatz, in ihrer Heimatstadt die Werbetrommel für den Arbol zur rühren. Das ist auch dringend nötig, denn es werden jedes Jahr mindestens 145.000 Euro benötigt, um die Fixkosten der Häuser zu finanzieren. Dies wird derzeit nur über Spenden der rund 100 dauerhaften Unterstützer geleistet.

Quelle: RP
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