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Kempen
Der Falke ist der "Trainer" der Tauben

Kempen: Der Falke ist der "Trainer" der Tauben
Seit 50 Jahren dreht sich für Friedel Klaps alles um die geliebten Tauben. Ihr Stall am Haus in Dyck ist luftig, sehr sauber und nahezu geruchsfrei. FOTO: Busch
Kempen. Seit 50 Jahren schon hält der Lobbericher Friedel Klaps Brieftauben. Er schickt sie in den Wettkämpfen mit anderen Taubenzüchtern regelmäßig auf weite Reisen. Die Zahl der Liebhaber nimmt aber kontinuierlich ab. Von Ludger Peters

Friedel Klaps hat etwas, das nach Auffassung der weitaus meisten Fans in der Fußballbundesliga der "Werksclub" Bayer 04 Leverkusen niemals ergattern wird: Er hat die Schale und ist Deutscher Meister. Das ist zwar schon eine ganze Weile her, und der Titel ist ein bisschen geschummelt, weil er für den Raum zwischen Köln und Kleve als Deutscher Meister ausgerufen wurde. Stolz ist Klaps aber bis heute - vor allem auf seine Tauben, die ihm die Meisterschaft 1988 sicherten.

Friedel Klaps hat die begehrte Schale: Er wurde 1988 Deutscher Meister, hinzu kommen unzählige Pokale und Trophäen, FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Die Zahl der "Taubensportler" geht kontinuierlich zurück. In Hochzeiten zählte die Reisevereinigung (RV) Grenzland-Breyell 149 Mitglieder in mehreren Ortsvereinen in Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Schaag, Hinsbeck, Leuth und Bracht. Aktuell sind in der RV noch 32 Mitglieder aktiv, berichtet Klaps. Rückläufig sind auch die Zahlen der Aktiven in der Transportgemeinschaft Viersen. Darin sind zusammengefasst die Reisevereinigungen Grenzland-Breyell, Viersen-Anrath, Dülken und Kempen. Die Transportgemeinschaft organisiert die Wettflüge, die über verschiedene Entfernungen angelegt werden.

Friedel Klaps war noch recht jung, als er die Liebe zu den Brieftauben entwickelte. Ein Nachbar in Lobberich schickte seine Tiere auf Reisen. "Ich habe ihn öfter im Schlag besucht und habe bald selbst begonnen, Tauben zu halten", sagt Klaps. Er reihte sich schnell ein in die Riege der leidenschaftlichen "Taubentrainer", die hoch unter dem Dach ihren Lieblingen zuschauten, wenn sie ihre Runden drehten.

Taubensportler sind immer auch Züchter, auch wenn sie, auch zur Auffrischung, von anderen Züchtern Tiere zukaufen. In den Expertenkreisen weiß man von unerhörten Erlösen, die manche Kollegen mit besonderen Tieren machten. Es gibt Auktionen, aber auch das Internet spielt eine immer größere Rolle. "Die Chinesen haben ihre Leidenschaft für Brieftauben auch inzwischen entdeckt. Da werden wahre Fantasiepreise für manche Tiere bezahlt", weiß Klaps. Im April 2012 ging die Nachricht durch die Gazetten, dass ein reicher Chinese in Belgien über 250.000 Euro für eine Taube zahlte.

Hobby-Züchter wie Klaps buttern eher zu, auch wenn sie Preise einfliegen. Das wohlausgewogene Futter hat seinen Preis. Klaps schwört beispielsweise auf Körnerfutter. Es besteht aus Mais, Erbsen, Wickensamen, Sonnenblumen und Erdnüssen. "Die mögen meine Tauben ganz besonders gerne", sagt er. Das Hobby geht bei den weitaus meisten Brieftaubenfreunden ins Geld. Nicht jede Ehefrau oder Partnerin hat Verständnis dafür, denn neben Geld wird auch sehr viel Zeit aufgewendet. Der Stall muss regelmäßig gesäubert werden, die Tiere müssen ausfliegen, und manchmal bedrohen Krankheiten einen Bestand.

"Trainer meiner Tauben ist der Falke", sagt Klaps. Der 75-jährige, der früher mit dem Lebensmittelwagen in Lobberich und später auch noch als Busfahrer in der Region unterwegs war, sagt es ein bisschen grimmig. Seitdem der Schutz der Greifvögel Wirkung zeigt, müssen Züchter Verluste fürchten. Andererseits stellen sich ihre Tiere auf diese natürliche Gefahr auch ein. Vielleicht macht ein Falke sie ja wirklich schneller.

Es geht aber nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Ausdauer. Zwischen 235 und 650 (!) Kilometer Entfernung zum heimischen Schlag in Nettetal mussten in der vergangenen Reisesaison Tauben zurücklegen. Im April ging es los mit einem Flug ab Gelnhausen. Der Brieftaubenexpress der Transportgemeinschaft bringt die Tiere, die bei der RV Grenzland-Breyell in Leuth "eingesetzt" werden (also für den Wettflug abgegeben) zum Startpunkt. Dort werden die Käfige geöffnet, und die Tauben finden mit ihren untrüglichen Fähigkeiten zurück in den heimischen Schlag. Das wird ihnen von jung auf antrainiert, die Tauben werden immer wieder vom Schlag aufgelassen und mit Futter zurückgelockt. Und natürlich machen Züchter sich auch den Sexualtrieb der Tiere dabei zunutze. Im Schlag werden sie allerdings nach Geschlechtern getrennt gehalten. Zucht soll kontrolliert stattfinden. So bekommt man Tauben mit unterschiedlichen Fähigkeiten: Schnelligkeit auf der "Sprintstrecke" über 250 Kilometer oder Ausdauer auf der Marathonstrecke über 650 Kilometer von Wels bei Linz in Österreich aus. Ein Vogel, der "13-316" aus dem Schlag von Klaps holte in der vergangenen Saison als einziges Tier zwölf Preise. Damit sicherte er sich auch die Auszeichnung als RV-Bester Vogel. Weitere erste und vordere Plätze verbuchte er für Jungtauben, Weibchen und Jährigen Vögeln. Seit 50 Jahren geht Klaps seiner Leidenschaft nach. Und so geht er weiterhin täglich in den Schlag weit hinten im Garten seines Wohnhauses in Dyck.

Quelle: RP
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