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Stadt Kempen
Der größte Sohn der Stadt Kempen

Stadt Kempen: Der größte Sohn der Stadt Kempen
Am Thomas-Denkmal neben der Kirche kommt keiner vorbei. Unübersehbar sitzt er dort, inzwischen mit reichlich Grünspan überzogen, seit 1901 auf seinem Sockel. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Thomas Hemerken hat Kempen in der ganzen Welt bekannt gemacht. Sein bekanntestes Werk ist die "Nachfolge Christi". Vieles in der Stadt erinnert an ihren Namensgeber. Besonders gelobt werden seine Demut und Bescheidenheit. Von Silvia Ruf-Stanley

Es ist schon seltsam, gerade einmal die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Thomas Hemerken in Kempen. 1379 oder 1380 wurde er hier geboren. Und doch brachte dieses Kind der Stadt Kempen den Namen Thomasstadt ein. Denn er verfasste das berühmte Buch der "Nachfolge Christi". Dies gehört nach der Bibel noch immer zu den meistgedruckten und in viele Sprachen übersetzten Büchern. Das Thomas-Archiv im Kramer-Museum verfügt über rund 2000 gedruckte Ausgaben sowie unzählige Literatur über das Werk. Propst Dr. Thomas Eicker dazu: "Thomas von Kempen macht auch heute noch seine Heimatstadt in der ganzen Welt bekannt." In Internatsschulen Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas gehöre sein Hauptwerk "Von der Nachfolge Christi" zur religiösen Pflichtlektüre.

Vieles erinnert in Kempen an Thomas. Natürlich wurde eine Straße nach ihm benannt. Das ehrwürdige Thomaeum trägt seinen Namen. Am Thomas-Denkmal neben der Kirche kommt keiner vorbei. Unübersehbar sitzt er dort, inzwischen mit reichlich Grünspan überzogen, seit 1901 auf seinem Sockel. Die evangelische Kirche wurde nach ihm benannt. Aber es gibt auch profane Dinge, die sich mit seinem Namen schmücken. Den Thomasbitter, einen Kräuterlikör, oder auch eine Apotheke zum Beispiel. Ebenso eine Kneipe, eine Wäscherei nutzt den Namen, und es gab auch einmal ein Thomas-Hotel. Etwas besser, so kann man vermuten, mag es Thomas gefallen haben, wenn er gewusst hätte, dass eine Buchhandlung seinen Namen trägt. In deren ehemals angeschlossenen Verlag sein Werk sogar bis zum Ende des Verlages stets nachgedruckt wurde.

Thomas liebte nämlich das Lesen. Er kam wohl aus einer relativ gut gestellten Familie. Der Vater war vermutlich Goldschmied und betrieb noch eine kleine Landwirtschaft. Die Familie wohnte in einem Haus am Kirchplatz. Das Haus stand an St. Marien Nr. 11, gleich nebenan fand sich später ein Brunnen, der wohl von der Familie benutzt wurde. Thomas besuchte die Elementarschule. Vom Pastor lieh sich Thomas Bücher, damals noch mit der Hand geschrieben und kostbar. Es gibt einen überlieferten Spruch, der ihn als stillen Jungen "in een Hoecxken met een Boecxken" beschreibt.

Danach führen die Spuren von Thomas in die Niederlande. Er folgte seinem großen Bruder nach Zwolle ins Kloster. Und dort konnte er das tun, was ihm nahelag. Er schrieb nicht nur, wie es damals üblich war, Bücher als kostbare Handschriften ab, sondern begann auch, selbst zu schreiben. Neben Lehrwerken für seine Mitbrüder waren darunter auch viele recht praktische Lebensanweisungen zu einem gottgefälligen Leben.

Was macht aber den bis heute währenden Erfolg seiner "Nachfolge Christi" aus? Sie ist zum Einen gut lesbar, eigentlich kann sich jeder in dem Buch wiederfinden. Vielleicht ist es seine niederrheinische Herkunft, die Thomas da mit verarbeitet hat. Bodenständigkeit gepaart mit Weitblick.

Wir haben drei Kempener gefragt, worin sie die Bedeutung von Thomas für die heutige Zeit sehen. Noch einmal Propst Dr. Eicker: "Seine Gedanken von der Bescheidenheit und Zurückgezogenheit bilden einen wohltuenden Gegenakzent zur Angeberei mit Luxus- oder Statussymbolen. Mit seinem Werben für die sogenannte Innerlichkeit hilft er dem heutigen Menschen, sich möglichst unabhängig von äußerer Beeinflussung durch Moden, Medien oder Meinungen zu machen." Der evangelische Pfarrer Michael Gallach findet: "Thomas von Kempen steht für eine vernachlässigte Tugend: Demut. Heute würde man sagen: die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, nicht Maß aller Dinge zu sein, sondern selbstkritisch und lernfähig zu bleiben." Bürgermeister Volker Rübo: "Seit Jahrhunderten wacht Thomas über seine Geburtsstadt. Seine Aussagen sind weiterhin aktuell. So fordert er uns auf, sich selbst nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen, sich in Bescheidenheit zu üben, den Mitmenschen zu sehen und so für ein soziales Miteinander zu sorgen. Thomas von Kempen gehört zu uns und zu unserer Stadt."

Quelle: RP
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