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Stadt Kempen
Der heilende Gesang der Nachtigall

Stadt Kempen: Der heilende Gesang der Nachtigall
Das Chorwerk Ruhr, hier mit der dänischen Blockflötistin Michala Petri, in der Paterskirche. Komponist Ugis Praulins aus Riga will mit seinem Werk den dänischen Dichter Hans Christian Andersen ehren. FOTO: ACHIM HÜSKES
Stadt Kempen. Das Ausnahmeensemble "Chorwerk Ruhr" und die Blockflötistin Michala Petri begeisterten mit einem modernen Werk über das Märchen "Die Nachtigall" in der ausverkauften Paterskirche. Von Heide Oehmen

Wenn moderne Musik so exzellent dargeboten wird wie beim letzten Konzert dieser Saison in der Reihe "musica antica e viva", kann sie auch ein zunächst spürbar skeptisches Publikum rückhaltlos fesseln. Die mehr und mehr faszinierten Zuhörer in der ausverkauften Paterskirche feierten nach der rundum gelungenen Wiedergabe von "The Nightingale" - Musik zu dem Märchen "Die Nachtigall" von Hans Christian Andersen für gemischten Chor, Blockflöte und Erzählerin" (aus dem Jahre 2010) alle Mitwirkenden enthusiastisch.

Ugis Praulins, 1957 in Riga geboren, schrieb das rund einstündige Opus zu Ehren des dänischen Dichters Andersen, aber auch für die in Kopenhagen geborene Blockflötistin Michala Petri und den dänischen Rundfunkchor - in dieser Konstellation wurde das Werk uraufgeführt. Der lettische Komponist legt Wert auf eine stilistische Breite, die von vorchristlicher Ritualmusik über Vokalpolyphonie der Renaissance bis zu Rock und Avantgarde reicht. Der Blockflöte ist der Part der Nachtigall zugedacht, während dem Chor unterschiedliche Rollen zufallen, mal ist er Erzähler, mal musikalische Begleitung. Praulins versteht es meisterhaft, durch unterschiedliche kompositorische Stilmittel und immer wieder eingestreute eingängige Passagen, seine Musik auch für nicht so "modern" orientierte Ohren reizvoll zu erhalten.

Vor allem für die jungen Damen und Herren von "Chorwerk Ruhr" - alle ausgebildete Sängerinnen und Sänger in der Besetzung je acht Soprane und Bässe, je sieben Altistinnen und Tenöre - war der Vokalpart, der teils auch Sprechgesang sowie Geräusch- und Vogelstimmen-Imitationen enthielt, ein echte Herausforderung. Oft mussten sie sich die Anfangstöne ihrer Einsätze mittels einer Stimmgabel suchen.

Nicht ganz so schwer hatte es Michala Petri als klangschöne "Nachtigall", die mit ausdrucksvollen Kantilenen das Geschehen bereicherte. Dirigent Florian Helgarth hielt aufmerksam, doch- zumindest äußerlich - ganz entspannt alle Fäden in der Hand. Vertrauend auf die minutiöse Vorarbeit, konnte er sich auf seine bewundernswert sicher agierenden Mitstreiter blind verlassen.

Die Bühnen-und Filmschauspielerin Angela Winkler erzählte mit angenehmer, bestens artikulierender Stimme die zu Grunde liegende Geschichte vom chinesischen Kaiser, der die Nachtigall und deren Gesang verehrte, das aber nicht als ein Geschenk der Natur verstand. Er sperrte den Vogel in einen goldenen Käfig, und als er eine künstliche Nachtigall als Geschenk erhielt, gab er dieser den Vorzug. Doch deren Mechanik nutzte sich schnell ab, und der Kaiser erkrankte so schwer, dass sein Tod befürchtet werden musste. In seiner Verzweiflung erkannte er seinen Irrtum, die Gnade des natürlichen Nachtigallengesanges wurde ihm wieder zuteil und er gesundete.

Als Kontrast zu den zeitgenössischen Klängen präsentierten die Gäste im ersten Teil des Konzertes Blockflöten- und Chorwerke aus der Zeit der Renaissance, die überwiegend den so besonders schön singenden Vogel zum Thema haben. Während hier die Blockflötensoli trotz aller spieltechnischer Versiertheit ein wenig starr und wenig animierend klangen, überzeugten die Vokalisten - u.a. mit Chorsätzen von Clément Janequin (1485-1558) und Josquin Desprez (1450-1521) - mit hoher Interpretationskultur und prächtiger Klangentfaltung.

Quelle: RP
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