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Gemeinde Grefrath
Der Kantersieg von "König Manfred"

Gemeinde Grefrath: Der Kantersieg von "König Manfred"
Als das Wahlergebnis feststand, erschien der alte und neue Bürgermeister Manfred Lommetz mit gekröntem Haupt im Rathaus. Er hat seine beiden Mitbewerber alt aussehen lassen. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Das wichtigste Ereignis in diesem Jahr waren in Grefrath die Bürgermeisterwahlen. Am 13. September gewann Manfred Lommetz mit imponierenden 73,9 Prozent. Voraussichtlich wird es seine letzte Amtsperiode sein. Von Heiner Deckers

Ein spannender Wahlabend war es in Grefrath nicht. Bereits als die ersten Bezirke ausgezählt waren, stand fest: Amtsinhaber Manfred Lommetz behält seinen Posten. Mit einem Sieg hatte er gerechnet, aber niemals mit einem Ergebnis von 73,9 Prozent. Sozialamtsleiter Volkmar Josten kam auf 14,1, die CDU-Kandidatin Kirsten Peters auf 12 Prozent. Als alle Stimmen ausgezählt waren, erschien Lommetz im Rathaus - den Kopf mit einer Krone bedeckt.

Lommetz hatte lange gezögert mit der Entscheidung, ob er noch einmal kandidiert. Zu Jahresbeginn verkündete er, erneut antreten zu wollen. Im Februar bekam er mit Volkmar Josten seinen ersten Gegenkandidaten. Der Leiter des Sozialamts kündigte an, es gegen seinen eigenen Chef zu probieren. Lommetz hatte kein Problem damit: "Jeder Bürger hat ein passives Wahlrecht", kommentierte er den Schritt Jostens.

Im März kündigte die SPD an, keinen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bernd Bedronka: "Wir begrüßen die Kandidatur von Lommetz, auch wenn er nicht unser Parteibuch besitzt." Ähnliche Signale kamen kurz darauf von den Grünen. Seitens der FDP gab es keine klare Äußerung. Keiner rechnete aber damit, dass die Liberalen mit einem eigenen Kandidaten antreten.

Mitte März nominierte die CDU die ehrenamtliche Bürgermeisterin und Vorsitzende Kirsten Peters als Herausforderin. Auf der Mitgliederversammlung ging es hoch her. Alt-Bürgermeister Dieter Dohmessen erklärte zur Überraschung vieler Anwesender, dass Lommetz es durchaus verdient habe, wiedergewählt zu werden. Der CDU Kreisgeschäftsführer Hans-Josef Kampe sprach von einer "merkwürdigen Verbrüderung" mit dem parteilosen Amtsinhaber. Peters bekam als alleinige Kandidatin 29 Ja-Stimmen, 21 Mitglieder stimmten gegen sie.

Am Wahlabend folgte für sie die nächste dicke Enttäuschung, gerade einmal 12 Prozent der Wähler machten das Kreuzchen bei ihrem Namen. Sie gab sich als faire Verliererin: "Ich bin enttäuscht, das ist klar. Ich habe hart gekämpft und verloren", sagte die CDU-Kandidatin, als das Endergebnis feststand. Ähnlich äußerte sich Sozialamtsleiter Volkmar Josten: "Klar sind meine Erwartungen nicht erfüllt worden. Ich habe es probiert, aber es hat nicht sein sollen."

Währenddessen wurde "König Manfred" gefeiert. Sein Fazit eines spannungsarmen Abends: "Ich habe schon damit gerechnet, erneut gewählt zu werden. Ich war mir auch relativ sicher, nicht in die Stichwahl zu müssen. Aber mit einem Sieg in dieser Höhe hätte ich nicht gerechnet." Nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hatte, kam Lommetz am Morgen danach zu der Erkenntnis: "Ich hatte keine wirkliche Konkurrenz." Ihm sei es gelungen, seine Wähler zu mobilisieren, was besonders bei der CDU offenbar nicht der Fall gewesen sei.

Volkmar Josten saß am Morgen nach der Wahl an seinem Schreibtisch und kümmerte sich wieder um das Alltagsgeschäft. Mehr und mehr nahm ihn Ende September der Flüchtlingsstrom in Anspruch. Eine großartige Wahlanalyse war für ihn nicht angebracht: "Die Grefrather haben sich so entschieden." Kirsten Peters war immer noch sehr enttäuscht, stieß sich aber vor allem an der schlechten Wahlbeteiligung von 48,4 Prozent: "Nicht einmal die Hälfte hat entschieden, wer Bürgermeister in Grefrath sein soll."

Tage später zieht Peters die Konsequenz aus der Wahlschlappe und tritt als Vorsitzende der CDU zurück. Fünf Jahre lang sei sie mit Leib und Seele Vorsitzender gewesen, erklärte sie. Auch ihre beiden Vertreter Uwe Kersten und Dieter Maus stellen ihr Amt zur Verfügung. Ende Oktober wählte die Mitgliederversammlung Dietmar Maus zum neuen Vorsitzenden.

Eine der ersten Maßnahmen des alten und neuen Bürgermeisters war der Vorschlag, Kämmerer Wolfgang Rive zu seinem Stellvertreter zu wählen. Die Stelle war frei, weil der bisherige Stellvertreter, Bauamtsleiter Dr. Michael Räppel, sich in den Ruhestand verabschiedet hatte.

Quelle: RP
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