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Stadt Kempen
Der Mann, der das Rathaus entworfen hat

Stadt Kempen: Der Mann, der das Rathaus entworfen hat
Das Kempener Rathaus vom Turm der Propsteikirche aus aufgenommen: Hier ist die Schaltzentrale der Stadtverwaltung. Den Bau geplant hat in den 1960er-Jahren der Kempener Architekt Heinz Cobbers gemeinsam mit seinem Viersener Kollegen Prof. Heinz Döhmen. FOTO: Stefan Finger
Stadt Kempen. Heinz Cobbers zählt zu den Architekten, die das Bild der heutigen Kempener Altstadt geprägt haben. Der 83-Jährige erinnert sich im Gespräch mit der Rheinischen Post an die Altstadtsanierung. Von Silvia Ruf-Stanley

Wenn Heinz Cobbers durch die Stadt geht, hält er Zwiegespräche mit den Häusern. Denn der mittlerweile 83-jährige Architekt hat mit seinen Bauten die Stadt vielfältig geprägt.

Nach dem Abitur am Kempener Thomaeum hat er in Aachen Architektur studiert. Es war nach dem Abschluss des Studiums schon eine schwere Entscheidung, ob er in Aachen bleibt oder nach Kempen zurückkehrt, erzählt er im Gespräch mit der Rheinischen Post. Aber dann habe ihn gereizt, in seiner Heimatstadt "Maschen mit stricken zu können", wie er es formuliert. Dabei haben ihn immer wieder komplizierte Grundstücke in der Innenstadt gereizt. Manche Diskussion hat er mit den Bauherren führen müssen. "Man muss Grenzen kennen, was man machen kann", sagt Cobbers. Und manchmal müsse man als Architekt auch genug Ausdauer besitzen, um das auch auszuhalten, sagt er rückblickend.

Der heute 83-jährige Heinz Cobbers gilt als einer der führenden Architekten, der seinerzeit an der Kempener Altstadtsanierung mitgewirkt hat. FOTO: Kaiser

Besonders erinnert er sich zum Beispiel an den Neubau vom Sportgeschäft Krahn und der damals noch in der Nachbarschaft befindlichen Metzgerei Horten. Beharrlich hat Cobbers durchgesetzt, dass der kleine Platz vor den Geschäften am Studentenacker und der Durchgang zur Rabenstraße geschaffen wurde. Damit wurde die kleine Gasse, die vom Kirchplatz zum Studentenacker führt, für ihn hervorragend optisch fortgesetzt. Die Kempener danken es ihm, denn der kleine Weg wird viel genutzt. Ein Höhepunkt seiner planerischen Arbeit war sicherlich der Bau des Rathauses am Buttermarkt, die er gemeinsam mit dem Viersener Kollegen Prof. Heinz Döhmen leistete. Obwohl es immer wieder Kritik am Kupferdach des Rathauses gibt, hält er dies noch heute für die beste Lösung. Ein Ziegeldach hätte zu dem modernen Bau einfach nicht gepasst, ist er noch heute überzeugt.

Auch der Neubau des Kolpinghauses und die Restaurierung des alten angrenzenden Gebäudes waren so eine reizvolle Herausforderung. Alt und neu auf elegante Weise zu verbinden, war dabei sein Ziel. Und deshalb hat das Kempener Kolpinghaus auch eine bauliche Anlehnung an das benachbarte Petertor. Cobbers erinnert sich noch gut an die Restaurierung der Heilig-Geist-Kapelle. Damals hat er sogar selbst Ausstattungsgegenstände besorgt. Ganz wichtig war ihm der Zugang vom Buttermarkt aus. Wieder so etwas, wo er sich gegen Widerstände durchgesetzt hat.

Wenn man mit Heinz Cobbers spricht, hat man das Gefühl, man macht gerade eine Stadtführung. Er kann so viel über die Baugeschichte der Stadt in den Jahren zwischen 1960 und 2003 erzählen. Und manches sind Dinge, die einem gar nicht mehr auffallen. Sehr lobt er die Zusammenarbeit mit Professor Peter Zlonicky, der damals die Altstadtsanierung leitete.

Sein erstes Büro hatte Cobbers im Jahr 1961 am Donkring neben Kohlenhändler Dicks. Mitte der 1970er-Jahre zog er mit seinem Büro dann zum Möhlenwall um - in ein selbst entworfenes Haus. Auch hier verband er Elemente historischer Bauwerke mit denen von modernen Gebäuden. 2003 ist er in Ruhestand gegangen. Ein wenig Bedauern darüber ist ihm immer noch anzumerken. Und obwohl die Gesundheit nicht mehr ganz mitspielt, ist er geistig rege und ihm fallen ganz viele Details zu den Bauten ein.

Neben seiner Arbeit als Architekt hat sich Cobbers auch in der Politik an der Stadtentwicklung beteiligt. Er erinnert sich noch gut an Gespräche mit vielen Politikern, die ihn für ihre Parteien gewinnen wollten. Letztendlich ging er in die FDP. Er wollte sich nicht nachsagen lassen, dass er Aufträge bekomme, weil er in einer der großen Parteien sei, erinnert er sich. 27 Jahre war er im Kempener FDP-Vorstand und ist heute noch froh, dass er auch auf politischem Wege viel erreichen konnte.

Quelle: RP
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