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Stadt Kempen
Der Markt der Möglichkeiten

Stadt Kempen: Der Markt der Möglichkeiten
Auf dem Buttermarkt war gestern besonders viel los. Die Besucher konnten nach Herzenslust einkaufen und dabei etwas für das leibliche Wohl tun. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Kaiserwetter beim Hubertusmarkt: Die Kempener Altstadt war den ganzen Tag über dicht. Alle waren sie wieder da: der Textilkleber, der Multi-Öffner und der Power-Schnibbler. Einen Gesundheitstipp gab es gratis: "Biber gegen Fieber" Von Heiner Deckers

Wenn schon morgens um kurz vor zehn die Rostbratwürste auf dem Grill brutzeln, wenn sich eine Geruchswolke von Püfferkes und Reibekuchen über die Kempener Altstadt legt - dann ist Hubertusmarkt angesagt. Jahreszeitlich bedingt kommt alternativ der Halbfastenmark infrage. Kleiner Tipp, wie man die beiden sicher unterscheiden kann: Mal gibt es Weihnachts-, mal Osterdeko. Gestern drehte sich alles um Engel & Co.

Bei schönem Sonnenwetter sind die Straßen und Gassen am Vormittag schnell dicht. Es gibt schließlich wieder Schnäppchen zu machen und die einmal mehr zahlreichen Weltneuheiten zu bewundern. "Is mal wat Neues", erschallt es aus dem Menschenpulk. Wir wissen nicht genau, was die Dame im besten Alter damit meint. Vielleicht ist sie ja beeindruckt von der WC-Powerbürste, "bekannt aus der TV- Werbung". Na ja, Sender gibt's . . .

Der Schnibbler war wieder da, er hat nichts verlernt. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Kritische Augen muss sich der Händler mit dem Textilkleber gefallen lassen. Den ganzen Tag über klebt er Stoffstücke zusammen - eine Tätigkeit, deren Sinnhaftigkeit auch bei längerem Zusehen nicht wirklich klar wird. Ist vielleicht Bestandteil irgendeiner Therapie. Garantiert keine Therapie brauchen alle, die sich gleich nebenan mit Einlagen versorgen: "Niemals mehr Schmerzen an den Füßen", verspricht der Händler aus den benachbarten Niederlanden im Brustton der Überzeugung.

"Mal kucken, wat es so jibbt", rufen die beiden Damen sich zu, bevor sie sich ins Getümmel stürzen. Sie können alsbald mit Genugtuung feststellen, dass der bereits in den Vorjahren bewährte Herr mit dem Multi-Öffner nichts verlernt hat. Was mit dem ganzen Inhalt der Konserven und Flaschen passiert? Keine Ahnung, Hauptsache offen! Der deutlich zu vernehmende Dialogfetzen "Is doch bescheuert, so wat" bezieht sich allerdings nicht auf den Öffnungskünstler, sondern hat eher private Hintergründe.

Bürsten und andere praktische Helfer für den Haushalt fanden sich in Hülle und Fülle. Da blieb kein Wunsch unerfüllt. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Den mit nichts dotierten Preis für den besten Werbeslogan gewinnt in diesem Jahr ein Händler auf dem Buttermarkt, der lautstark seine Bettwäsche anpreist: "Biber gegen Fieber." Das prägt sich deutlich besser ein als die lateinische U-Deklination. Wer will, kann sich am Nachbarstand ein wärmendes Mützchen kaufen und anschließend als Generalprobe für den Martinszug das eine oder andere Püfferken verzehren. Aber müssen die immer mit dem Zusatz "frisch" versehen werden? Das lässt vermuten, dass es auch eine dunkle Seite gibt.

Für alte Schule steht der Gemüseschneider "Küchenmaid", der sich nichtsdestotrotz großer Beliebtheit erfreut, besonders bei der älteren Generation, die mit dem modernen Universal-Schnibbler nichts zu tun haben will. Munter geht es beim CD-Händler auf der Judenstraße zu. "Ich lad dich zum Verlieben ein" hört man schon aus einiger Entfernung. Nix wie hin! Vielleicht mit einem original gefälschten Parfum vom Duft-Dealer die Ecke herum, das erhöht die Chancen enorm.

Interessant ist das "Mobile Nähkörbchen" mit einer unfassbar großen Menge an Kleinkram. Kritische Anmerkung: Mobil ja, aber eine Körbchenform lässt sich beim besten Willen nicht erkennen. Stichwort Körbchen: Um deren Größe ging es einige Meter weiter, auf der Miedermeile Buttermarkt. Und dann wäre da noch "Captain Sunshine - Grundreiniger der oberen Qualitätsklasse". Unterschwellige Botschaft: Nach Anwendung glänzt alles sonnengleich. Na ja, wer's mag. Unbedingt erwähnenswert ist der Händler auf dem Studentenacker, der sich besonders herzlich von seinen Kunden verabschiedet: "Bleibt gesund und zahlungskräftig!"

Quelle: RP
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