| 00.00 Uhr

Gemeinde Grefrath
Der Sprung über den Höllenschlund

Gemeinde Grefrath. Bei Astrid Lindgren geistert sie durch die Seiten. Bei Lothar Lange wird sie lebendig. Das Theater Mülhausen der Liebfrauenschule zeigt "Ronja". Bei den Proben hat der Endspurt eingesetzt. Von Bianca Treffer

Die Raubvögel lassen die Schuhe von den Füßen fliegen. Lisa Marie, Jette und Leonie in ihren flatternden Kostümen und den schwarzen Augenmasken mit den ebenso dunklen Federn laufen barfuß über das warme Gras im Klostergarten der Liebfrauenschule. "Ho-Ho! Schwestern! Wo seid ihr! Gebt Antwort! Gebt Laut!", ist die erste Wilddrude zu hören. "Von Süden her komm ich, du teuflische Braut", kommt die Antwort. Unter den Bäumen fliegt der Dialog hin und her. "Seht gut", lobt Jens Michels, der die drei Mitglieder vom Theater Mülhausen genau beobachtet.

Loben kann auch Lothar Lange, der ein Stückchen weiter unter den Bäumen steht. Der Leiter der Theatergruppe hat Ronja und Birk Borkason fest im Blick, vielen an der Schule besser als Judith und Marcel bekannt. "Noch mal die erste Szene, mit dem Sprung über den Höllenschlund", gibt Lange vor. Judith tritt zögerlich einen Schritt vor und schaut in den imaginären Abgrund. "Es ist grausiger, als ich gedacht habe. Breit ist die Kluft nicht. Mit einem tüchtigen Sprung müsste es zu schaffen sein", sinniert sie. Dann Erstaunen, auf der anderen Seite der Schlucht ist nämlich Marcel aufgetaucht. Innerhalb von Sekunden entbrennt ein herrlich anzuhörendes Streitgespräch zwischen den beiden. Mimik und Gestik verdeutlichen die gegenseitige Ablehnung und lassen doch auch die Neugierde deutlich werden, die trotz der herben Worte besteht.

Im Hintergrund machen sich derweil die Rumpelwichte mit wilden Grimassen warm. Ihr Auftritt folgt gleich. An der Liebfrauenschule laufen die Proben für "Ronja", frei nach der gleichnamigen Geschichte von Astrid Lindgren, auf Hochtouren. Am 16. September steht die Premiere auf dem Programm. "Wir haben Ronja vor etlichen Jahren mit großen Erfolg aufgeführt. Da wir wieder etwas im Park machen wollten, erschien uns Ronja vor einer solchen Kulisse als hervorragend geeignet", berichtet Lange. Er und Michels bearbeiteten das vorhandene Stück, das jetzt noch mehr Pep erhalten hat. Die Wilddruden sind mit ihren Dialogen an Macbeth angelehnt und es gibt eine Erzählerin. Die erzählt allerdings nicht nur einfach, sondern spielt eine dynamische Rolle als eine Frau vom fahrenden Volk. Die komplette Klasse sechs unter der Leitung von Sibylle Hausmann hat sich in Graugnome verwandelt und einen Rap zusammengestellt. Ein Räuberchor mit hauseigener Musik unter der Leitung von Jakob Stauber fehlt ebenso wenig. "Wir haben auch für die Zuschauer angenehme Neuerungen", sagt Lange. Erstmals werden zwei große Zelte aufgebaut, so dass sie komfortabel und trocken sitzen, egal wie das Wetter wird. Die Technik und Akustik sind verfeinert worden und es wird erhöhte Bühnen geben, damit jeder Zuschauer, egal wo er sitzt, einen guten Blick auf die Bühne hat. "Wir bauen drei Spielstätten auf. Es sind die Matisburg und die Borkafeste, die durch den Höllenschlund voneinander getrennt sind. Dazu kommt die dritte Spielstätte, die die Bärenhöhle darstellt", erklärt Lange. In wenigen Tagen geht es so schon mit dem Kulissenbau los.

Inzwischen ist eine Art Schellengeläut ist zu hören. Bohemina, gespielt von Abiturientin Larissa, hat ihren Auftritt. Die unzähligen Münzen an ihrem Kleid tönen wie helle Glöckchen. "Da seid ihr ja, ihr Leute! Lang hab ich euch gesucht. Ihr seid hungrig nach schönen Geschichten und bunten Bildern? Ja? Das trifft sich gut", ist ihre klare Stimme zu hören, während sie mit ihren Bewegungen die Münzen am Rock tanzen lässt und das Bild eines Lagerfeuers heraufbeschwört, an dem sie vor ihrem bunt bemalten Wohnwagen sitzt und Geschichten erzählt. Während Larissa den Einstieg in die Geschichte von Ronja vorträgt, trudeln die nächsten Schauspieler ein. Noch in Alltagskleidung ist Frank-Ludwig Stürmer zu sehen, der Ronjas Vater Mattis spielt. Das ist eine der wenigen Rollen, die mit Erwachsenen besetzt sind. Leonard als Klein-Klipp, der mit seinen 13 Jahren zu den jüngsten Schauspielern gehört, macht seine Narrenspäße. Auf der noch gedachten Bühne hat inzwischen ein Wechsel bei Ronja und Birk Borkason eingesetzt. "In der Geschichte haben wir einen Zeitsprung. Die beiden Hauptrollen gibt es als Kinder und junge Erwachsene", berichtet Lange. Michels ist von seiner Regisseurtätigkeit in die Rolle des erwachsenen Birk Borkason geschlüpft und Melissa Ix, die gerade ihr Abitur gemacht hat, übernimmt die Stelle von Judith.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Gemeinde Grefrath: Der Sprung über den Höllenschlund


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.