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Stadt Kempen
Die Bauchschmerzen der Politik in Sachen Kempener Burg

Stadt Kempen: Die Bauchschmerzen der Politik in Sachen Kempener Burg
Übernimmt die Stadt Kempen die Burg vom Kreis Viersen? Der Stadtrat will bei einer Sondersitzung am 6. Februar darüber entscheiden. FOTO: NORBERT PRÜMEN
Stadt Kempen. In der Ratssitzung hat Jost Dewald von der Planungsgruppe Assmann die Machbarkeitsstudie zur möglichen Nutzung der Kempener Burg vorgestellt. Die Politik zögert angesichts der hohen Umbaukosten. Am 6. Februar soll entschieden werden, ob die Stadt das Gebäude übernimmt. Von Andreas Reiners

Euphorie klingt anders: Am Rande der jüngsten Sitzung des Stadtrates war deutliche Zurückhaltung in allen politischen Lagern zu spüren, als Jost Dewald vom Planungs- und Beratungsbüro Assmann-Gruppe aus Dortmund die Ergebnisse der von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zur möglichen neuen Nutzung der Kempener Burg erläuterte. Das Wichtigste: Eine Sanierung samt Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes dürfte schätzungsweise zwischen sieben und elf Millionen Euro kosten. Verlässlich ist diese Kalkulation allerdings nicht. Denn, so Dewald, erst wenn das Kreisarchiv 2021 die Burg verlassen habe, könne die Bausubstanz des alten Gemäuers richtig untersucht werden. Es ist davon auszugehen, dass dann weitere Mängel entdeckt werden, deren Behebung weitere Kosten verursachen würden.

Die bisherige Untersuchung hat nach Angaben von Dewald aber schon ergeben, dass die Tragfähigkeit der Decken in den Obergeschossen problematisch ist. Um die Burg für größeren Publikumsverkehr zu öffnen, müssten zwei zusätzliche Nottreppenhäuser - möglicherweise in zwei Burgtürmen - gebaut werden. Ein Aufzug lässt sich nur außen ans Gebäude anbauen. Unklar ist, ob die Kreisvolkshochschule, sollte sie - wie vom Landrat bei Übernahme der Burg durch die Stadt angeboten - Ankermieter werden, mit dem vorhandenen Raumzuschnitt im ersten Obergeschoss klar kommt. Fürs Erdgeschoss stellt sich Assmann die Unterbringung des Standesamtes und eine gastronomische Nutzung vor. Im zweiten Obergeschoss könnte die Geschäftsstelle des Vereins Kulturraum Niederrhein wie bisher untergebracht werden. Zudem seien dort Vereinsräume möglich, die auch die Stadtratsfraktionen für Sitzungen nutzen könnten. Außerdem könnte hier auch ein Raum eingerichtet werden, in dem über die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Landesburg informiert wird.

Eine Diskussion der Studie gab es in der jüngsten Ratssitzung nicht. Im Vorfeld hatte man sich auf eine Sondersitzung verständigt. Sie soll am 6. Februar kommenden Jahres stattfinden. Dort soll dann entschieden werden, ob die Stadt angesichts der nun vorliegenden Erkenntnisse die Burg vom bisherigen Eigentümer, dem Kreis Viersen, übernimmt oder nicht.

Die CDU-Fraktion kündigte unterdessen in einer Stellungnahme an, sich bis dahin intensiv mit dem Thema befassen zu wollen. Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain beschreibt die Krux: Auf der einen Seite bietet die Übernahme der Burg durch die Stadt die Chance, unmittelbar über die künftige Nutzung des Gebäudes entscheiden zu können. "Ein Verkauf der Burg durch den Kreis Viersen an einen privaten Investor schränkt die kommunalen Einflussmöglichkeiten deutlich ein", so Bogedain. Vor dem Hintergrund der in den nächsten Jahren anstehenden Großprojekte - etwa Kita-Ausbau, Sanierung von Schulen und Rathaus - müsse allerdings auch geprüft und entschieden werden, ob die Übernahme der Burg aus finanzieller Sicht verkraftbar und vertretbar sei. Ähnlich hatte sich auch Kempens Stadtkämmerer Jörg Geulmann im Pressegespräch zum Haushaltsentwurf 2018 geäußert.

Die Christdemokraten wollen die Kempener Bürger in ihren Entscheidungsfindungsprozess einbeziehen. "Zur Unterstützung unserer Meinungsbildung wünschen wir eine intensive Bürgerbeteiligung", betont Wilfried Bogedain. Daher bittet die CDU die Bürgerinnen und Bürger um ihre Meinung per E-Mail an: burg@cdu-kempen.de oder auf der Internetseite des CDU-Stadtverbandes (www.cdu-kempen.de).

Landrat Andreas Coenen hält sich in einer Bewertung der aktuellen Diskussion in Kempen zurück. Das ist seiner Ansicht nach derzeit eine Sache der Kempener Politik. Er zeigt sich aber zumindest erfreut, dass der Kempener Stadtrat nun am 6. Februar entscheiden will. Ursprünglich wollte er ein Votum aus Kempen bereits in diesem Sommer haben. Dem Kreis Viersen als derzeitigem Eigentümer der Burg ist nach wie vor wichtig, dass das Gebäude nach dem Auszug des Kreisarchivs zu Beginn des Jahres 2021 nicht allzu lange leer steht.

Quelle: RP
 
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