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Stadt Kempen
Die Bauern stehen in den Startlöchern

Stadt Kempen: Die Bauern stehen in den Startlöchern
Auch bei Grefrath sind auf einigen der Felder noch seenartige Landschaften zu beobachten. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Die Kempener und die Grefrather Landwirte möchten mit der Aussaat beginnen. Die Felder sind nass, aber Grund zur Sorge gibt es noch nicht. Schweinezüchter und Milchbauern klagen über Tiefstpreise. Von Willi Schöfer

"Hört Waltraud nicht den Kuckuck schreien, dann muss er wohl erfroren sein", so heißt eine alte Bauernregel für den April. So schlimm ist es zwar derzeit nicht, aber es könnte jetzt doch etwas wärmer und beständiger mit mehr Sonnenlicht sein. Denn viele Kartoffel- und Gemüsebauer warten darauf, mit der großen Aussaat beginnen zu können. Schweinemastbetriebe oder Milchbauern haben andere Sorgen: Sie klagen über die Tiefstpreise.

"Klar ist es derzeit auf den Feldern zu nass, aber noch gibt es keinen Grund zur Sorge", sagt Christian Küskens, der im fünften Jahr Kreislandwirt und sogar schon etwas länger Vorsitzender der Kreis-Bauernschaft ist. Der 56-Jährige baut in diesem Jahr auf seinen Feldern größtenteils Futtermais, den eiweißhaltigen Futterklee und Gras an, er will damit in den nächsten Wochen beginnen. Einige seiner Kollegen haben bereits die Zuckerrüben-Einsaat gestartet. "Wir brauchen jetzt einige trockene Tage, damit wir mit unseren Fahrzeugen auf die Felder können und Temperaturen um die 15 Grad wären dann optimal", ergänzt der Landwirt aus Niederkrüchten.

Was Küskens wirklich Sorgen macht, ist der weiter fortschreitende Strukturwandel. So sei es schon fast normal, dass es jährlich zu einem Rückgang von zwei bis drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe komme. Als Gründe nennt er die Probleme der kleineren Höfe aber vor allem auch: "Jeden Tag gehen in Nordrhein-Westfalen etwa zwölf Hektar Ackerland verloren." Und die Aussichten seien, gerade für die Schweinehalter und Milchbauern, alles andere als rosig. "Wir wollen keine Subventionen, sondern faire Preise und uns nicht weiter von Großabnehmern erpressen lassen", sagt er.

"So langsam hört der Spaß auf, denn schon längst sind die Milchpreise nicht mehr kostendeckend", klagt Martin Dahmen (61) vom Großklaushof in Vorst. Seine 200 Milchkühe geben am Tag etwa 5000 Liter. Derzeit liegt der Abnahmepreis ohne etwaige Qualitätszuschläge bei netto bei 25 Cent. "Bei einer schwarzen Null müsste es mindestens 30 Cent sein, der Gewinn fängt bei etwa 35 an", ergänzt Dahmen, der bei diesen Voraussetzungen davon ausgeht, dass das Schrumpfen der Betriebe weitergeht. Dahmen pflanzt außerdem Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide an. Etwa 80 Prozent der Saat seiner Frühkartoffeln stecken bereits im Boden. Auch er wünscht sich jetzt eine Schönwetterperiode.

Ähnlich wie Dahmen klagt auch Milchwirt Christoph Tenhaef, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Grefrath und Ortslandwirt, über die derzeitigen Tiefstpreise. Mit der Zeit gegangen ist übrigens sein Vinkrather Kollege Toni Hübecker. Der 60-Jährige bewirtschaftet mit seinen Söhnen Sebastian und Fabian nicht nur den großen Schweinemastbetrieb mit derzeit etwa 1800 Stück. Die drei haben als weiteres wichtiges Standbein den Kartoffelanbau in den vergangenen Jahren von einst 30 auf mittlerweile bis zu 80 Hektar immer weiter ausgebaut. Sie beliefern vor allem die niederländische Fritten-Industrie.

Hübecker spricht bei den Preisen, die er für die Schweine vom Schlachthof bekommt, bei derzeit 1,31 Euro das Kilo, von einem Tief, das schon seit November 2015 anhalte. Vor etwa drei Wochen lag der Kilopreis sogar beim historischen Tiefstwert von 1,24. Um kostendeckend und mit gleicher Qualität zu arbeiten, brauche er mindestens 1,35 Euro. Auch Hübecker kritisiert, dass wenige große Schlachthöfe beziehungsweise Erzeugergemeinschaften auf dem Markt seien und diese den Preis diktieren würden.

Für den Kempener Ortslandwirt Peter Josef Coenen, der auf seinen Feldern unter anderem Kartoffeln, Zuckerrüben und Salate anbaut, ist das derzeitige Wetter normal. Auch er erhofft sich jetzt Trockenheit und Sonne. Ab der nächsten Woche würden die Kartoffeln und Zuckerrüben gesät, im Mai käme dann der Kohl an die Reihe.

Quelle: RP
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