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Serie Zuhause In . . . Vinkrath
Die "Bööscher" halten zusammen

Kempen. Vinkrath hat ein sehr intaktes Vereinsleben. Von Manfred Baum

vinkrath Beschaulich, überschaubar, ruhig, naturnah und gut angebunden an das ÖPNV-Netz präsentiert sich Vinkrath. Hier findet man ebenso eine intakte Vereinslandschaft. Das 2000-Seelen-Dorf im Norden Grefraths hatte vor knapp 200 Jahren nur rund 600 Einwohner, doch Neubaugebiete haben Vinkrath wachsen lassen und werden Vinkrath weiter wachsen lassen, denn das wohl vorläufig letzte Neubaugebiet "Bousch" südlich der Mörtelsstraße ist jetzt erschlossen.

Seit dem Jahr 1902/03 hat Vinkrath eine eigene katholische Pfarrkirche, um die man lange gekämpft hatte. Schon 1890 wurde ein Kirchbauverein gegründet. Christel Reckermann, die auf dem Friedhofsweg seit 42 Jahren lebt, meint: "Hier ist es schön, hier gibt es nette Menschen und sehr gepflegte Häuser und Vorgärten. Wir haben einen kleinen Dorfladen, ein Bäcker kommt wöchentlich und der Käsemann aus Holland ebenso. Aber, um größere Einkäufe zu tätigen, benötigt man ein Fahrzeug."

Vinkrath hat sich viele Jahre am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" erfolgreich beteiligt. Der Schmied "Floeth Hannes" (über 90 Jahre alt) hat seinen "Bousch" immer geliebt, viele Fotos gemacht, sich ins Vereinsleben eingebracht und sich für "sein Vinkrath" mit Nachdruck eingesetzt. Das hat auch der verstorbene CDU-Ratsherr Rudi Höges stets getan, ebenso Willi Derichs, der Gastwirt und Landwirt war, aber auch Fußballer (Vorsitzender SuS Vinkrath), Feuerwehrmann, oder Motor des Vinkrather Kinderkarnevals. Ebenso der letzte eigene Vinkrather Pfarrer Hermann-Josef Paschmanns, der 1982 in Ruhestand ging und der ein großes Herz für den Kinderkarneval hatte.

Das Vereinsleben in Vinkrath ist sozusagen die "Seele des Dorfes." Es gibt die Feuerwehr Vinkrath, die ein neues Heim in Eigenleistung baute, die Fußballer von SuS Vinkrath, das Trommlerkorps, den jetzt 90 Jahre alten Männergesangverein, die Katholische Frauengemeinschaft, den Martinsverein, den Kinderkarnevalsverein, die Laurentiusschützengesellschaft. Früher gab es auch noch den Kaninchenzuchtverein.

Mit Blick auf die Vereinslandschaft meint Herbert Küsters (über 60 Jahre Mitglied im Männergesangverein und über 40 Jahre Schatzmeister): "Durch die Mitgliedschaft bin ich mit Vinkrath stark verbunden. Vinkrath ist ländlich schön, hat gute Radwegeverbindungen und ich habe hier viele Freunde. Es gibt hier wahnsinnig viele Möglichkeiten für Radler."

Das älteste Bauwerk in Vinkrath ist die Langendonker Mühle, die inzwischen 662 Jahre alt ist. 1927 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Sie liegt direkt an der Niers. Ein geflügeltes Wort in der Niersgemeinde lautet: "Die Bööscher halde tesame." In der Tat sind Schützenfeste im Bousch gesellschaftliche Höhepunkte in Vinkrath, in der Regel alle drei Jahre.

Vinkrath hat in den vergangenen Jahrzehnten aber auch einige Dinge verloren. So die Volksschule, das Naturfreibad Waldfrieden, den eigenen Kirchenchor, Geschäfte und Gaststätten, den einzigen Saal und die einzige Kegelbahn. Der gepachtete Sportplatz an der Dorfstraße wird von der Gemeinde Grefrath Ende des Jahres aufgegeben. Die Fußballer werden dann auf den Anlagen in Grefrath und Oedt spielen. Ein Schmuckstück mit hohem Freizeitwert ist der Campingplatz Waldfrieden an der Ortsgrenze zu Wankum. Ebenso sind die Vinkrather stolz auf das Heilpädagogische Zentrum mit Werkstätten für behinderte Menschen in der ehemaligen und längst baulich erweiterten Volksschule.

Tonis Bauerncafé war eines der ersten seiner Art im Kreis Viersen Bis heute ist es ein Magnet, nicht zuletzt deshalb, weil alles selbst gebacken wird, auch das Brot. Für Franz-Josef Kösters (seit über 50 Jahren erster Vorsitzender des Männergesangvereins Vinkrath) sind die Konzerte in der schmucken Kirche, der nördlichsten im Bistum Aachen, Höhepunkte in seinem Leben als aktiver Sänger und Vizedirigent des Chores. "Wir werden noch in diesem Jahr, im Rahmen unseres 90- jährigen Bestehen ein Konzert in der Vorweihnachtszeit in der Kirche geben."

Werner Reckermann, der im kommenden Frühjahr 80 Jahre alt wird, war lange Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Rat der Gemeinde Grefrath. Für ihn ist Vinkrath nach 42 Jahren "längst seine geliebte Heimat" geworden. Er geht gern mal in den Buschbäckerhof an der Dorfstraße, "um mit den Bööscher te vertelle".

Vinkrath hat seinen Charakter behalten, aber auch seine Natürlichkeit, mitten im Naturpark Schwalm-Nette. Das sieht auch Bürgermeister Manfred Lommetz so, der froh ist über das intakte Vereinsleben. Übrigens: Vinkrath hat zwei intakte Spielplätze, einen sehr großen Spielplatz sogar und seit rund drei Jahrzehnten auch einen eingruppigen Kindergarten der Pfarrei St. Benedikt.

Quelle: RP
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