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Stadt Kempen
Die Brille, die jeden Blick aufnimmt

Stadt Kempen: Die Brille, die jeden Blick aufnimmt
In einem Projekt, bei dem es um die Lösung eines elektrotechnischen Problems ging, testeten die Schüler, hier Jordi, die "Eye-Tacking-Brillen". FOTO: norbert prümen
Stadt Kempen. Mit einer Forschungsarbeit sind Mitarbeiter der Uni Duisburg-Essen zur Kempener Erich Kästner Realschule gekommen. Die Neuntklässler des Technikkurses machten bei einem speziellen Test gern mit. Von Bianca Treffer

"Jetzt bitte einmal die Brille aufsetzen und das Aufnahmegerät festclippen", gibt Tatiana Esau vor. Jordi klemmt das kleine Speicherkästchen an seinen Gürtel und greift zu der futuristisch aussehenden Brille, die zwar eine Halbfassung hat, aber keine Gläser. Vorsichtig setzt der Neuntklässler der Erich Kästner Realschule das Modell auf seine Nase. Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Duisburg-Essen fixiert die Brille im Anschluss mit einem verstellbaren Band, um ein Verrutschen unmöglich zu machen. Danach ist das Kalibrieren angesagt, bei dem Jordi kurz in die Mitte einer Art Zielscheibe schauen muss, während Esau am Tablet die Einstellungen überprüft. Dann ist die erste Eye-Tracking-Brille einsatzfähig. Jeder Blick, den Jordi ab jetzt macht, wird genau festgehalten.

Das ist aber nicht nur bei ihm der Fall. Loreen und Nikolas tragen die gleichen Brillen. "Es ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl zu wissen, dass nun jeder Blick von mir aufgenommen wird", meint Loreen. Doch darüber macht sich keiner der drei Probanden lange Gedanken. Denn die vor ihnen liegende Aufgabe erfordert die ganze Konzentration, und das Tragen der Brille rückt in den Hintergrund. Es geht nämlich darum, eine elektrotechnische Schaltung zu entwickeln, die ein bestimmtes Verhalten beinhaltet. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Esau mit der Erforschung von konstruktiven Problemlöseprozessen und dabei ist ihr die Technikklasse der Stufe neun der Kempener Realschule behilflich. "Es geht darum, dass wir anhand der Eye-Tracking-Brillen genau verfolgen können, wie die Schüler mit der gestellten Aufgabe umgehen. Was machen sie in welcher Reihenfolge, wo verweilen sie wie lange mit ihren Blicken? Uns geht es nicht um das Endergebnis an sich, sondern um den Prozess dahin. Wir erhalten didaktische Erkenntnisse", sagt Esau.

Auf diesem Weg kann man erkennen, wovon Lösungsstrategien abhängen. Davon kann man später wiederum Aufgabenstellungen an sich ableiten. Es werden unter anderem Fragen geklärt wie: Arbeiten Schülerinnen anders als Schüler? Gibt es Unterschiede bei den Schulformen? Inwieweit spielen Vorkenntnisse eine Rolle? "Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir als Lehrer bei Aufgabenstellungen darauf aufbauen können. Es gibt uns Erkenntnisse, wie Schüler verschiedene Komponenten einer Aufgabe nutzen und miteinander kombinieren", sagt Jonas Ziemacki, der Techniklehrer des Kurses.

Der Kontakt zur Erich Kästner Schule entstand über die Gesamtschule, an der Anfang des Jahres bereits ein anderes Forschungsprojekt der Universität lief. Esau suchte nun Schulen für ihre Studie und nahm den Kontakt auf. Ziemacki, der Technik- und Biologielehrer an der Gesamtschule ist, aber mit Stunden auch an die Realschule abgeordnet ist, brachte seinen Technikkursus der Stufe 9 ins Spiel. Esau hat bereits vier Schulen besucht, nach Kempen folgen weitere sechs Schulen, wobei die Realschule die einzige Schule im Kreis Viersen ist, die am Forschungsprojekt teilnimmt.

Im Physikraum haben sich Jordi, Loreen und Nikolas inzwischen in die Aufgabenstellung vertieft. Es gibt dazu verschiedene Infotabellen, Diagramme und eine Box mit Bauteilen, damit die Schaltung auf Wunsch auch praktisch aufgebaut werden kann, wenn sich jemand nicht nur theoretisch äußern möchte. Der Rest der Technikklasse beschäftigt sich einen Raum weiter mit der gleichen Aufgabenstellung. Allerdings ohne die Eye-Tracking-Brillen. Denn auch ohne dieses Hilfsmittel können Lösungswege verfolgt werden, obwohl nicht so genau, wie es die Hightech-Brillen ermöglichen.

Quelle: RP
 
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