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Heimat genießen in Kempen
Die Erbsensuppe ist der Renner

Heimat genießen in Kempen: Die Erbsensuppe ist der Renner
Fred Winkmann und Anni Schulz servieren jeden Samstag eine andere Suppe. Anfang des Monats gibt es den Klassiker: die Erbsensuppe. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Jeden Samstag dampfen auf Gut Heimendahl die Suppenkessel. Seit nunmehr 30 Jahren gehört das Suppenessen in der ehemaligen Scheune zum Angebot des denkmalgeschützten Hofes. Der Zuspruch ist riesig. Von Bianca Treffer

Schon auf der gewundenen Steintreppe in die erste Etage begrüßt ein aromatischer Geruch die Besucher. Er strömt aus den gewaltigen Kesseln, die hinter der Suppentheke stehen. In den 150 und 110 Liter großen Edelstahlkesseln köcheln 440 Liter Chili con Carne. Hunderte weiße Suppenteller sowie dickbäuchige Steingutterrinen sind an der Theke aufgereiht. Auf den langen Holztischen liegen rot-weiß karierte Deckchen, auf denen Würzfläschchen sowie Pfeffer und Salz stehen. Im offenen Kamin knistert ein Feuer.

Die Sonne scheint durch die Fenster und malt Lichtkringel auf das Balkenwerk, auf dem Dutzende von Spinnrädern und andere alte landwirtschaftliche Geräte befestigt sind. Hinter der Suppentheke mit Blick auf die offene Küche herrscht geschäftiges Treiben. "Wir sind seit 6 Uhr im Einsatz und haben das Chili vorbereitet, wobei die roten Bohnen schon eine Nacht lang eingeweicht wurden", sagt Metzgermeister Fred Winkmann, der bereits Terrinen füllt, denn die ersten hungrigen Gäste sind schon eingekehrt. Jeden Samstag heizt das Suppenteam auf Gut Heimendahl die Beistellkessel an und bereitet eine zur Jahreszeit passende Suppe mit Fleisch aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb sowie weiteren regionalen Produkten zu. Seit nunmehr 30 Jahren ist das samstägliche Suppenessen auf dem denkmalgeschützten Gutshof Tradition.

Gut Heimendahl ist ein historischer und denkmalgeschützter Gutshof. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Angefangen hat alles 1986. "Mein Vater hatte die Idee, die eigentlich nur für die Weihnachtszeit gedacht war. Er wollte den Besuchern, die in unseren Weihnachtswald gingen, um einen Weihnachtsbaum zu schlagen, eine Suppe am offenen Kamin anbieten, damit sie sich nach der Kälte wieder aufwärmen konnten. Satt und warm sollte es danach mit Baum nach Hause gehen", erinnert sich Hannes von Heimendahl.

Der Raum dafür war vorhanden. In der einstigen Scheune über dem großen Verkaufsraum gab es einen Tagungsraum und eine kleine Teeküche. Eigentlich als Treffpunkt für die landwirtschaftlichen Fachgruppen gedacht, die regelmäßig Gut Heimendahl besuchen, eignete sich diese Fläche auch hervorragend fürs Suppenessen. "Damals war der Raum noch nicht isoliert. Es gab nur den offenen Kamin zum Heizen", erzählt Hannes von Heimendahl.

Mit einer hausgemachten Erbsensuppe ging in der Adventszeit 1986 alles los. 598 Portionen Suppe wechselten den Besitzer. Für die Heimendahls war die Aktion damit abgeschlossen, aber nicht für die Kunden. "Nach Weihnachten sprachen uns viele der Besucher an, warum es keine Suppen mehr geben würde. Es sei so gemütlich gewesen und die Suppen hätten prima geschmeckt", berichtet Hannes von Heimendahl. Im Februar 1987 wurde so die Idee geboren, jeden Samstag ein Suppenessen anzubieten. Der Seminarraum erhielt eine Isolation, und aufgrund der Dekoration, die in diesem Bereich vor allem aus den Spinnrädern besteht, bekam er den Namen Spinnstube. Der benachbarte Raum verwandelte sich zum sogenannten Museumsraum, weil hier jede Menge historische Gerätschaften zu bewundern sind.

In der gemütlichen Spinnstube wird samstags die Suppe serviert. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Im Laufe der Jahre wurde nicht nur die Küche vergrößert, es kamen auch immer mehr Suppenvarianten dazu. Minestrone kann der Gast im Sommer löffeln, Hubertus-Wild-Suppe gibt es an den kühlen Tagen. Knapp 20 verschiedene Suppen sind es inzwischen, die übers Jahr verteilt serviert werden. Die Erbsensuppe ist bis heute der Klassiker geblieben. Sie ist die beliebteste Suppe, und daher steht sie jeden ersten Samstag im Monat fest auf dem Suppenplan. Die Planung für das gesamte Jahr verrät der Suppenplan. "Viele unserer Stammgäste wissen, dass es auch schon einmal zwei verschiedene Suppen an einem Samstag geben kann", sagt Hannes von Heimendahl. Serviert wird immer in Terrinen, wobei ein Nachschlag im Preis inbegriffen ist. Keiner solle einen landwirtschaftlichen Betrieb hungrig verlassen, betont er.

Die 30 Jahre Suppengeschichte finden sich zahlentechnisch gesehen in der Spinnstube wieder. Jedes Jahr haben die Heimendahls nämlich in Form einer Holztafel mit der entsprechenden Zahl festgehalten. Im vergangenen Jahr waren es 23.411 Portionen Suppe, die die Küche verlassen haben. Das Rekordjahr war bislang 2001 mit 33.119 Suppen.

Quelle: RP
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