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Serie Mein Arbeitsplatz
Die Macher aus der Wasserwelt

Kempen. Aqua Sol: Wo andere ihre Freizeit verbringen, gehen Wolfgang Werthschulte und Michael Bist ihrer Arbeit nach. Von Bianca Treffer

kempen Die Arbeitskleidung in Form von Polohemd, Shorts und Badelatschen erinnert ein wenig an Urlaub, aber dieser Eindruck täuscht. Entspannung und Erholung suchen Wolfgang Werthschulte und Michael Bist nicht, wenn sie die Sauna- und Wasserwelt Aqua Sol betreten. Der Betriebsleiter und sein Stellvertreter haben vielmehr einen Arbeitsplatz, wo zwar andere Menschen ihrem Hobby nachgehen und ihre Freizeit gestalten, an dem sie beide aber tagtäglich auf eine Vielzahl von unterschiedlichsten Aufgaben treffen, die bewältigt werden müssen. "Im Prinzip kommen hier viele Berufe zusammen. Wir haben Ahnung von Elektrik, Sanitär und Heizung, sind bestens in Erster Hilfe ausgebildet, gleichzeitig aber auch Organisator und Koordinator"", fasst es Werthschulte zusammen.

Es gilt, die Technik eines Bades am Laufen zu halten, den Badablauf zu strukturieren, Events zu organisieren und als Lebensretter in den Einsatz zu gehen. Und das nicht nur während der normalen Arbeitszeiten: Einer der beiden ist abrufbereit, auch wenn das Bad schon geschlossen hat. "Das Handy ist der ständige Begleiter und liegt nachts neben dem Bett. Wenn man irgendwo eingeladen ist, trinkt man nichts Alkoholisches, weil etwas im Bad passieren könnte und man hin muss", sagt Bist. Pro Jahr gibt es rund 20 bis 30 Störungen, die einen Wochenendeinsatz außerhalb der regulären Arbeitszeit notwendig machen, sowie drei bis vier Nachteinsätze.

Gerade in der Freibadsaison, der Hochzeit, stehen private Belange zurück. "Wir sorgen dafür, dass andere ihre Freizeit gut genießen können", bemerkt Werthschulte. Etwas, was er und Bist mit Herzblut erledigen. Beide zog es schon in jungen Jahren ins Schwimmbad. Werthschulte, gebürtiger Sauerländer, wohnte als Kind nur 100 Meter vom Freibad entfernt und selbst in der kühleren Jahreszeit konnte ihn ein fünf Kilometer langer Fußmarsch zum Hallenbad nicht vom Schwimmen abhalten.

"Mein Bruder und ich sind immer mit unserer Oma ins Hallenbad gegangen. Wenn wir gut trainiert hatten, durften wir mit dem Bus zurückfahren, wenn nicht, lief Oma mit uns zurück", erinnert sich der Betriebsleiter schmunzelnd. Allerdings war der Schwimmmeister, wie es damals hieß, noch kein Lehrberuf, und so machte Werthschulte zunächst eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. 1972, als es die Ausbildungsform zum Schwimmmeistergehilfen gab, startete der Sauerländer mit seiner zweiten Ausbildung und ließ danach die Meisterprüfung folgen.

Als leitender Schwimmmeister und heute Betriebsleiter ist Werthschule seit 28 Jahren im Aqua Sol tätig. Seine Begeisterung für seinen Beruf spiegelt sich auch darin wider, dass er dem internationalen Berufsverband angehört und an Regelwerken und Richtlinien rund das Berufsbild mitarbeitet. Bist, ebenfalls früh wassergeprägt und dem Wunsch, damit etwas berufliches zu machen, startete 1998 seine Lehre zum Fachangestelltem für Bäder direkt im Kempener Bad. Auch hier folgten der Meister für Bäderbetriebe sowie ein Fernstudium zum Wellness und Spa-Manager. Saunameister sind Betriebsleiter und Stellvertreter zudem auch noch.

Weiterbildung ist ein ständiges Stichwort, und Prüfungen wie alle drei Jahre der Leitungsnachweiß der Rettungsfähigkeit oder die jährlichen Erste-Hilfe-Übungen mit einem Notarzt sind ein Muss. In voller Montur ins Wasser ist für beide nichts Fremdes. "Wenn Hilfe benötigt wird, dann springt man", sagt Werthschulte. Das Telefon machte so auch schon Wasserbekanntschaft. "Ein Telefon kann man ersetzen, ein Menschenleben nicht", fügt Bist an.

Das Aqua Sol kennen beide natürlich in- und auswendig. Für eins reicht die Zeit aber nicht - und das ist Schwimmen im Aqua Sol. Dafür müssen die Urlaube herhalten, die Werthschulte und Bist mit ihren Familien am liebsten am Meer verbringen. Wasser gehöre unbedingt zum Urlaub dazu, sind sich beide einig.

Quelle: RP
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