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Stadt Kempen
Die Oma sorgt für "Wiener Blut"

Stadt Kempen: Die Oma sorgt für "Wiener Blut"
Musiklehrer Stefan Lindner (l.) konnte gestern in der Aula des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums den Pianisten Sebastian Knauer begrüßen. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Pianist Sebastian Knauer war gestern zu Gast im Luise-von-Duesberg-Gymnasium. Am Abend hatte er dann einen Auftritt in der Paterskirche. Die Jugendlichen erfuhren eine Menge über den Menschen hinter dem Künstler. Von Heiner Deckers

Bevor Pianist Sebastian Knauer gestern Abend in der Paterskirche auftrat, fand er am Vormittag Zeit, um mit Schülern des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums zu plaudern. Die Jugendlichen der Klassen 9 bis 11 lernten den Künstler von seiner menschlichen Seite kennen, erfuhren allerlei über seine muskalischen Vorlieben und lauschten am Abend bestens vorbereitet den Konzertklängen. Auf dem Programm standen unter anderem Werke von Haydn und Mozart sowie amerikanische Klaviermusik aus dem 20. Jahrhundert.

Wo liege da der gemeinsame Nenner, wollte Musiklehrer Stefan Lindner wissen. Sein muskalischer Schwerpunkt, sagt Knauer, sei die Wiener Klassik: "Mozart und Haydn habe ich immer im Programm. Das sind Komponisten, die mir sehr am Herzen liegen." Seit einiger Zeit beschäftige er sich auch intensiv mit amerikanischer Klaviermusik, etwa von Gershwin und Bernstein. "Ich bemühe mich um ein gemischtes Programm, um nicht nur reine Klassikfreunde in die Konzerte zu locken."

Wie ist er zur Musik gekommen? Berufsmusiker habe es in der Hamburger Familie nicht gegeben, aber seine Oma stamme aus Wien: "Ich habe also etwas Wiener Blut in mir." Seine Mutter habe hobbymäßig Klavier gespielt, sogar Unterricht erteilt. Später erfuhr Knauer: Sobald Klaviertöne erklangen, fing er als Baby laut an zu schreien. "Also hasste ich das Instrument oder ich liebte es. Das war damals noch nicht klar." Mit vier Jahren sehr wohl, da bekam er die ersten Unterrichtsstunden. Alsbald stand der Berufswunsch fest: Der kleine Sebastian wollte Pianist werden - und hat es durchgezogen. Einen Plan B habe es nie gegeben, versichert er den Schülern. Kauer ist ein reiner Pianist: "Ich komponiere nicht, improvisieren kann ich gar nicht."

Als Musikschüler habe er zum Klavier als Einzelinstrument ein Orchesterinstrument lernen müssen. Er entschied sich für die Geige, hatte zu ihr aber ein eher gespaltenes Verhältnis: "Wenn ich zu Hause übte, hat sich die Katze immer in den letzten Winkel des Hauses verkrochen." Das Geigenspiel blieb folglich Episode.

Wie ist der Beruf eines Pianisten mit der Familie vereinbar? Oft schwierig, sagt Knauer, der verheiratet ist und zwei Kinder (7 und 14) hat. Oft sei er mehr als 200 Tage im Jahr unterwegs: "Das ist nicht einfach, besonders für die Kinder." Er versuche immer, sich die Ferien frei zu halten, was aber auch nicht immer nach Wunsch klappt. Über Ostern war er auf USA-Tournée, während der Mallorca-Urlaubs im Sommer muss er zwischendurch mal eben nach Deutschland jetten, um bei einem Festival aufzutreten. Das berufliche Reisen sei schon anstrengend, heute Abend etwa hat Knauer ein Konzert in Dresden.

Wie steht es denn mit der Übungsmoral? Nun ja, bei einem Wetter wie momentan habe er nicht immer und unbedingt Lust, sich an das Klavier zu setzen, "aber die Lust kommt immer schnell zurück." Hat ein Berufspianist auch einmal einen schlechten Tag? Klar, gesteht Knauer ein, keiner sei perfekt, "an solchen Tagen greift die Routine." Bisweilen sei es auch das Publikum, das quasi einen schlechten Tag habe: Hustenanfälle stören das Konzert ebenso wie klingelnde Handys. Den negativen Höhepunkt in dieser Hinwicht habe er in China erlebt: "Die Besucher in der ersten Reihe haben wie selbstverständlich telefoniert, miteinander geplaudert und gegessen. Ich hatte zwischendurch den Eindruck, dass sie meine Musik als viel zu laut empfanden."

Hat Sebastian Knauer Rituale vor einem Konzert? Eigentlich nicht. Er ruhe sich nachmittags aus und esse dann reichlich: "Es ist schlimm, während eines Konzerts Hunger zu bekommen. Klavierspielen ist schließlich auch körperlich anstrengend." Er sei stets zeitig am Veranstaltungsort, um sich einzufühlen und zu schauen, ob alles richtig steht. Was er nicht mehr tue, sei vor dem Konzert auf dem Handy zu daddeln. Einmal habe er kurz vor Beginn eine E-Mail gelesen, über die er sich mächtig geärgert habe: "Das musste die folgende Sonate ausbaden." Aber generell gelte bei Fehlern: Sich bloß nichts anmerken lassen und weiterspielen, als ob nichts wäre.

Was war das kurioseste Ereignis bei einem Konzert. Knauer zögert nicht lange und erzählt von einem Auftritt in der Bonner Beethoven-Halle. Die Räder des Flügels waren nicht fixiert, und so ein Instrument kommt trotz seiner Größe sehr schnell ins Rollen. Der Flügel bewegte sich bald bedrohlich in Richtung Streicher. Das war es ein Glück, dass Knauer eine kurze Einsatzpause hatte, unter den Flügel kroch und der Rollerei ein Ende machte.

Quelle: RP
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