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Stadt Kempen
Die schwierige Suche nach einer bezahlbaren Wohnung

Stadt Kempen. Ein arbeitsloser Kempener sucht händeringend eine neue preiswerte Wohnung. In der Thomasstadt ist die nicht zu finden. Er erhält bei der Suche Absage auf Absage. Auch in Viersen wird er nicht fündig. Von Willi Schöfer

"Es wird für den kleinen Mann immer schwieriger, eine Wohnung zu bekommen", sagt frustriert Bernhard K., der schon lange in Kempen wohnt, aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeitsstelle verloren hatte und seit vielen Jahren Arbeitslosengeld bekommt. Da er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, haben wir ihn mal Bernhard K. genannt. Jedenfalls sucht K. seit einigen Wochen eine Wohnung, da der Vermieter Eigenbedarf geltend gemacht hatte. Und K. erhält Absage auf Absage.

"Der kleine Mann verliert seine Wohnung", diese Überschrift war kürzlich in der Rheinischen Post und bei RP Online zu lesen, als es um die Neuregelung und um die Angemessenheit von Mietkosten ging. Danach spielen jetzt auch die kalten und variablen Nebenkosten, so die Kosten für Grundsteuer, Straßenreinigung und Allgemeinstrom, bei der Frage der Angemessenheit einer Mietwohnung eine wichtige Rolle. Der Kreisverband der CDU-Arbeiternehmervereinigung CDA und Verantwortliche der Stadt Viersen hatten zuletzt befürchtet, dass den Beziehern von Sozialleistungen viele Wohnungen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden könnten, da die kalten Nebenkosten den Durchschnittswert übersteigen.

Gerade hat Bernhard K. wieder einmal eine der vielen Ablehnungen von einem Wohnungseigentümer zu hören bekommen. Meist aber erst auf Nachfrage. "Denn die meisten Eigentümer reagieren überhaupt nicht, wenn ich mir Wohnungen angeschaut und gesagt habe, ich sei arbeitslos", sagt der Kempener, der schon längst seine Suche auf andere Orte im Kreis Viersen ausdehnen musste.

Bernhard K. kritisiert ebenfalls die Festsetzung der neuen "Bruttokaltmiete". Allerdings aus einer anderen Sicht: "Diese Nebenkosten sind Jahr für Jahr variabel, können also dazu führen, dass dadurch insgesamt der Anspruch auf eine angemessene Wohnung verloren geht."

Der Arbeitssuchende macht dies an einem Beispiel deutlich: Er war endlich mal bei der Wohnungssuche in Viersen erfolgreich, hatte eine passende Zwei-Zimmer-Wohnung von erlaubten 48 Quadratmetern gefunden. Die Kaltmiete betrug rund 300 Euro; die Nebenkosten lagen bei 50 Euro. Er legt im Gespräch mit unserer Redaktion ein Schreiben des Jobcenters des Kreises Viersen vor, das auch in diesem Fall von einem unangemessenen Mietpreis ausgegangen war. In der Stadt Viersen liegt nämlich bei einem Ein-Personen-Haushalt die Grenze der erlaubten "Brutto-Kaltmiete" bei 340 Euro. Mit der weiteren Konsequenz, dass vom Leistungsträger in diesem speziellen Fall auch keine Kosten für Umzug, Wohnraumbeschaffung oder Kaution übernommen werden können.

Für den 55-jährigen Arbeitslosen ist es nicht nachvollziehbar, dass die verbrauchsabhängigen Nebenkosten als ein Maßstab zugrunde gelegt werden, um eine generelle Angemessenheit einer Wohnung zu bestimmen.

Er kritisiert ferner, dass bereits im Jahr 2013 Gutachter der Firma Empirica die Frage der Angemessenheit der Mietkosten neu definiert hatten. Der Kreis hatte dieses Gutachten erstellen lassen und sich diesem angeschlossen. Bernhard K. sagt dazu: "Das Konzept wird zwar fortgeschrieben, allerdings findet dabei der Flüchtlingsstrom überhaupt keine Berücksichtigung." K. meint, dass dadurch in Kempen die Suche nach geeignetem Wohnraum viel schwieriger geworden sei, zumal die Stadt ebenfalls günstigen Wohnraum für Flüchtlinge anmieten musste. Und der ist in der Thomasstadt bekanntlich Mangelware.

Jedenfalls muss Bernhard K. bald aus seiner Kempener Wohnung ausziehen. Wohin er zieht, weiß er bislang nicht. Monatlich erhält er einen Regelsatz von derzeit 409 Euro. Daraus muss er unter anderem die hohen Fahrtkosten bezahlen, die er bei der Wohnungssuche in andere Städte und Gemeinden des Kreises aufwendet, die nicht im Rahmen der Wohnungsbeschaffung erstattet werden. Und noch etwas erschwert seine Suche: sein Hund. "Tiere in meiner Wohnung, auf keinen Fall" - auch dies hört der Kempener immer wieder. Hund und dann noch arbeitslos. Das geht offenbar gar nicht.

Quelle: RP
 
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