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Kreis Viersen
Die Weizenernte fällt schlecht aus

Kreis Viersen: Die Weizenernte fällt schlecht aus
Ab Ende Jull wird der Weizen geernet. Im Kreis Viersen haben die Landwirte bereits durchgebracht. In seltenen Fällen zieht sich die Erntezeit bis Ende August. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Kreis Viersen. Die Hitze im Juni hat die Erträge der Ernte unter das Durchschnittsniveau sinken lassen. Die Landwirte müssen mit Einkommenseinbußen von mindestens zehn Prozent rechnen. Von Sabine Janssen

Alexander Platen hat Glück im Unglück: Seine Weizenernte ist schlechter ausgefallen als im Durchschnitt, aber bei weitem nicht so schlecht wie auf anderen Feldern im Kreis Viersen. Gut 9,5 Tonnen pro Hektar Weizen hat der Landwirt aus Süchteln in den vergangenen Wochen gedroschen. "Wir haben recht gute Böden, die das Wasser gut halten. Doch im Westkreis bei den sandigen Böden sieht das noch ganz anders aus. Da haben einige nicht mehr als fünf Tonnen pro Hektar erreicht", sagt Platen, der einen Hof mit Weizenanbau und Schweinemast betreibt.

Die Hitze und Trockenheit im Mai und Juni haben den Weizen geschädigt. In der wichtigen Wachstumsphase fehlte dem Getreide das Wasser zum Wachsen. "Ich würde schätzen, dass wir zehn bis 15 Prozent weniger Weizen haben als im Vorjahr. Und 2016 war schon kein gutes Jahr", sagt Platen. Die Landwirtschaftskammer NRW bestätigt die magere Ernte. "Wir befinden uns deutlich unter dem langjährigen Niveau", bestätigt Josef Hamm von der Kammer. Es gebe allerdings auch im Kreisgebiet große Unterschiede. "In Viersen, Willich und Kempen sind die Erträge sicherlich nicht so eingebrochen wie in Brüggen und Schwalmtal", so Hamm.

Die Unterschiede in der Region führt der Ackerbau-Experte auf drei Faktoren zurück: Erstens war die regionale Verteilung der Niederschläge im Mai und Juni sehr unterschiedlich. "Es konnte sein, dass es in Willich geregnet hat und ein paar Kilometer weiter in Viersen schon nicht mehr", sagt Hamm.

Zweitens hänge besonders bei trockener und heißer Witterung der Ertrag von der Bodengüte ab. "Bei den leichten sandigen Böden im Westkreis versickert das Wasser schneller als bei den guten Böden mit hohem Lössanteil in Viersen und Kempen", erklärt der Berater der Landwirtschaftskammer. Der dritte Faktor für die Ertragshöhe sei der Saatzeitpunkt. "Der Winterweizen wird über einen langen Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember ausgesät. Bei einer frühen Aussaat konnten die Pflanzen schon bessere Wurzeln ausbilden", erklärt Hamm. Der Getreideanbau macht in der Region etwa 30 Prozent der insgesamt 28.000 Hektar Ackerfläche aus. Beim Getreideanbau mache der Weizen gut 75 Prozent aus, Gerste liege bei 15 bis 20 Prozent, so Hamm. Winterweizen wird als Futtergetreide und Brotgetreide gebraucht. Wegen der dürftigen Weizenernte müssen die Landwirte mit Einkommenseinbußen rechnen. "Etwa in der Höhe, in der die Erträge eingebrochen sind, also zehn bis 15 Prozent", sagt Platen. Die geringeren Erträge führten nicht zu einer Preissteigerung. "Die Preise orientieren sich am Weltmarkt", sagt Kreislandwirt Paul-Christian Küskens. Um weniger abhängig vom aktuellen Preis zu sein, verkaufen viele den Weizen zu verschiedenen Zeitpunkten. "Etwa ein Drittel wird vor der Ernte verkauft, ein Drittel in der Ernte und ein Drittel im Winter." Trotzdem seien die Preise durch die Rekordernten in der Ukraine und in Russland in diesem Sommer bereits spürbar gesunken, sagt Hamm. "Noch im Juni hat ein Landwirt 175 Euro pro Tonne erzielt. Jetzt liegt der Preis bei 140 Euro."

Quelle: RP
 
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