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Gemeinde Grefrath
Draftex: Entlassungen nicht überraschend

Gemeinde Grefrath: Draftex: Entlassungen nicht überraschend
Geschäftsführung und Investor von Draftex blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Grefrath sei ein Standort mit Perspektive, heißt es. FOTO: wolfgang Kaiser
Gemeinde Grefrath. Der Abbau von Stellen sei bei der Übernahme durch den polnischen Investor festgeschrieben worden, sagt die Geschäftsführung. Man sei sogar von mehr Entlassungen ausgegangen. Grefrath sei ein Standort mit Perspektive. Von Heiner Deckers

Die Tatsache, dass bei der Grefrather Firma Draftex 94 von 358 Mitarbeiter ihre Stelle verlieren, sei keineswegs überraschend, sagte Geschäftsführer Andreas Schäfer im Gespräch mit der RP. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei bei der Übernahme durch den polnischen Investor Stomil Sanok AG vereinbart worden. Die Gruppe hat Draftex 2014 aus der Insolvenz erworben. Übernimmt man ein Unternehmen aus der Insolvenz, stellt sich immer ein ganz großes Problem: Der neue Besitzer muss das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.

Während der Insolvenz waren die Kunden nicht bereit, neue Aufträge zu erteilen. Dass es überhaupt zur Insolvenz kam, war auch der Krise in der Automobilbranche geschuldet. Derzeit habe man in Grefrather aber wieder Aufträge für zwei bedeutende Automodelle: "Ein Neuauftrag aus der Automobilindustrie wird erst danach rund zwei Jahren umsatzträchtig. Dieser Zeitraum ist erforderlich, um die neuen Teile zu entwickeln", sagt Schäfer.

Bei der Übernahme von Draftex sei klar gewesen - und auch mit der Belegschaft besprochen - dass man in den ersten Jahren vor allem die Kunden neu davon überzeugen müsse, dass Draftex wieder ein sicherer und konkurrenzfähiger Lieferant sei. "Um neue Aufträge zu gewinnen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt Erlöse bringen, ist ein hohes Maß an Einsatz und Motivation erforderlich", betont die stellvertretende Geschäftsführerin Malgorzata Szalajko. Aus diesem Bewusstsein heraus hätten Sanok und Draftex gemeinsam einen Umstrukturierungsplan erarbeitet, der unter anderem auch die notwendige Anpassung der erforderlichen Mitarbeiterzahl an die jeweilige Auftragslage beinhaltet habe. "Dies ist die notwendige und unausweichliche Bedingung dafür, die Wettbewerbsfähigkeit von Draftex wieder zu erlangen und nachhaltig zu bewahren", betont Schäfer. Die Einzelheiten dieses Plans habe man, so die Geschäftsführung, lange vor der Übernahme allen Beteiligten erläutert, "vor allem dem Betriebsrat von Draftex".

Wie viele Mitarbeiter entlassen werden sollten, sei Bestandteil des Haustarifvertrags gewesen. Ursprünglich, betont Schäfer, sei man von einem Stellenabbau in weitaus höherem Maß ausgegangen. "Wir haben ein Worst-Case-Szanerio verkündet, das glücklicherweise nicht eingetreten ist. Das ging von einer Halbierung der Belegschaft aus", sagt Szalajko. Der Personalabbau zum 31. März und 30. September sei somit eine konsequente Umsetzung der Umstrukturierungsmaßnahme, die noch vor der Draftex-Übernahme klar gewesen und so kommuniziert worden sei. Sie lägen erfreulicherweise unterhalb der Obergrenzen, die der Tarifvertrag vorgegeben habe.

Der Stellenabbau läuft über einen Sozialplan, der mit dem Betriebsrat ausgehandelt und mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie vereinbart worden sei. Wobei sich Schäfer darüber im Klaren ist, dass ein Personalabbau, auch wenn er in einem vorausschauenden Plan angekündigt ist, keine breite Zustimmung findet: "Es ist allerdings für uns von elementrarer Bedeutung, dass unsere Arbeitnehmer diesen schwierigen, aber notwendigen Schritt verstehen."

Die Geschäftsführung und der Investor schauen durchaus optimistisch in die Zukunft, sieht Grefrath als Standort mit Perspektive. Innerhalb der gesamten Sanok-Gruppe laufen Marketingmaßnahmen, um weitere Aufträge zu erhalten - auch von Kunden, mit denen Draftex noch nicht beziehungsweise langem nicht mehr zusammengearbeitet hat.

Quelle: RP
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