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Stadt Kempen
"Durch Nacht zum Licht - von Allerheiligen zum Advent"

Stadt Kempen. Roman Summereder spielte in der Propsteikirche Orgelwerke aus vier Jahrhunderten. Von Heide Oehmen

Ein größeres Auditorium hätte dieser dem November angepasste Orgelabend in der Propsteikirche verdient gehabt - schade, denn der Wiener Orgelprofessor Summereder bot ein exquisites Programm, bei dem er alle Facetten und klanglichen Schattierungen der Albiez-Orgel überlegt, werkgerecht und fantasiereich auslotete. Kein Wunder, dass er zwei Assistenten benötigte, um die zahllosen Registerwechsel zu bewerkstelligen.

"Durch Nacht zum Licht - von Allerseelen zum Advent" sollte jedes der Werke führen. Das war bereits in den drei kurzen Kompositionen - einem Prélude und zwei Fantasien - von Louis Couperin (1626-1661), einem Onkel des großen Francois Couperin, nachzuvollziehen. Nach wunderschön grundtönigem Beginn hellten sich die Fantasien mittels ausgewählter Soloregister auf.

Die bekannte Passacaglia (= ein Werk, bei dem das achttaktige "Thema" im Bass immer wiederkehrt) c-Moll BWV 582 von Johann Sebastian Bach stellte der Gast in vorbildlicher Klarheit vor - die dazugehörige, gleichwertige Fuge führte mit fesselnden Steigerungen "zum Licht".

Das "Fragment" des gebürtigen Koreaners Ysang Yun (1917-1995) hatte der um die zeitgenössische Musik sehr bemühte Orgelvirtuose in die Mitte seines Programms gestellt. Yun, der in der Heimat wegen seines Eintretens für Demokratie schlimmen Repressalien ausgesetzt war und später 15 Jahre lang an der Hochschule der Künste in Berlin lehrte, mühte sich um eine Symbiose von europäischer und fernöstlicher Musik. In "Fragment" beginnt die Orgel in tiefer Lage und steigt durch vielfältige Klangschichtungen in den oberen Lagenbereich. Reiche dynamische Wechsel und Figurationen der Haupttöne wechseln mit Liegetönen ab. In hoher Lage und allmählicher Reduktion der Bewegung endet das nicht leicht zu fassende Werk.

Johannes Brahms, der nachweislich einmal die Kempener Propsteikirche besuchte, war mit einem eher düsteren Choralvorspiel "Herzlich tut mich verlangen nach einem sel'gen End" und einem wenig bekannten Frühwerk vertreten - dem an Buxtehude erinnernden, heiteren Präludium g-Moll, der sich eine eher resignativ wirkende Fuge anschließt.

Dem "Geistlichen Konzert in drei Sätzen", das Johann Nepomuk David (1895-1977) im Jahre 1945 schrieb, liegt das Michaelslied des Friedrich von Spee "Unüberwindlich starker Held, St. Michael" zugrunde.

In herber, aber doch gut nachvollziehbarer Klangsprache verarbeitet der ein wenig in Vergessenheit geratene Komponist die bekannte Melodie, die vom aufmerksamen Hörer immer wieder zu entdecken ist. Summereder wusste auch hier mit makelloser Technik und überlegter Interpretationskunst restlos zu überzeugen.

Quelle: RP
 
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