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Stadt Kempen
Ein junger Chor voller Singfreude

Stadt Kempen: Ein junger Chor voller Singfreude
Der Kempener Kammerchor Libera Voce ist ein überwiegend junges gemischtes Vokalensemble. Er ging hervor aus dem "Kammerchor der Chorakademie Kempen" und erlebte im August 2016 eine Neugründung (Foto Stand 2016). Das Repertoire reicht von A-capella-Stücken des Barock bis hin zur Moderne. Der FOTO: Michael Maag Media
Stadt Kempen. Der Kempener Kammerchor "Libera voce" gab in der Paterskirche ein Konzert mit Brahms' deutschem Requiem. Die Texte wurden dabei vor jedem Satz rezitiert. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Ein Deutsches Requiem - dieses trostvoll empathische Werk, mit seiner blühenden melodischen, wie harmonischen Energie, mit seinem anrührenden Tonfall, seiner mächtigen musikalischen Kraft, lässt sofort an einen großen Chor mit romantisch besetzter Orchesterbegleitung denken. Doch geht es auch anders; denn Brahms selbst hat von seinem op.45 eine Fassung mit Klavierbegleitung angefertigt, es somit auch im intimeren Rahmen aufführbar gemacht. Ideale Bedingungen für einen Kammerchor, wie dem hiesigen Ensemble "Libera Voce", das Werk aufführen zu können. Ist das Brahmsrequiem, indes doch noch im Vergleich zu anderem Repertoire, auch für einen Laienchor gut einstudierbar, somit auch eines der wohl häufigsten aufgeführten romantischen Chorwerke überhaupt.

Chorleiter David Nethen und seine Sängerinnen und Sänger präsentierten sich nun mit den Ergebnissen ihrer Probenarbeit - über die die RP zuvor berichtet hatte - in einem stimmungsvollen Konzert in der Paterskirche. Die Idee jedoch, die von Brahms vertonten Texte vor jedem Satz zu verlesen, war charmant, störte letztendlich den großen Zusammenhang dieser Musik, der auch von den kontrastreichen Wandlungen der aufeinanderfolgenden Sätze lebt.

Umso mehr war aber zu hören, dass Nethen und sein Chor viel Wert auf den in der Musik lebendigen Bogen legten. Singfreude paarte sich mit spürbarer Musikalität. Respektabel gelangen Phrasierung und Impetus.

Man merkte aber leider auch, dass der kompakte Chor in den kraftvollen, aber auch höheren Passagen über seine stimmliche Kapazitäten hinaus gefordert wurde. Das kann man den Sängern selbst aber eigentlich nicht zum Vorwurf machen. Bei Gelegenheit sollte man noch an stimmbildnerischen Stellschrauben drehen, um die Stimmen vor Überanstrengung zu schützen. Das recht junge Ensemble bewies aber dennoch durchaus viel Potenzial, das es aber noch mehr zu entfalten gilt.

Die beiden Pianisten Andreas Cavelius und Boris Gurevich bewältigten den komplexen Klavierpart mit viel Engagement. Wenngleich man sich hin und wieder etwas mehr dynamische Feinheit gewünscht hätte. Brahms Klavierstimmen können doch eigentlich so zart feinperlig sein. Hingegen vermisste man zugleich auch ein sattes Fortissimo, das dem Chor gute Unterstützung hätte bieten können.

Die Gymnasiastin Marie Angona übernahm den Sopransolopart. Bewundernswert für eine so junge Sängerin, sich an diese überaus anspruchsvolle Aufgabe zu wagen und es auch durchzuhalten. Dafür herzliche Gratulation! Doch ist es eindeutig viel zu früh. Bitte passen Sie auf Ihre Stimme auf, Marie!

Dieter Lorenz erwies sich als tenoral gefärbter Bariton; war aber auch stellenweise mit dem schwergewichtigen Part an den Grenzen seiner stimmlichen Kraft.

Das Publikum in der Paterskirche honorierte aber die wirklich große Singfreude aller mit herzlichem Beifall.

Quelle: RP
 
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