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Stadt Kempen
Ein Kochbuch für einen guten Zweck

Stadt Kempen: Ein Kochbuch für einen guten Zweck
Die Schülerinnen und Schüler des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums mit ihrem Kochbuch. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Mit einem arbeitsintensiven Projekt hat der Ökonomiekursus des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums seinen Abschluss gefunden. Die Schüler haben ein Kochbuch auf den Markt gebracht, das sie für den guten Zweck verkaufen. Von Bianca Treffer

Iraqi Tatchina, Dolma, Mashi, Chatschapuri, Maklumba - wer das Inhaltsverzeichnis von "Heimat-Kochen" studiert, der stößt auf eine Vielzahl von Gerichten, die auf ersten Blick wenig an Heimat am Niederrhein erinnern. Und doch sind sie ein Stück Heimat, denn es sind Lieblingsrezepte von Menschen, die als Flüchtlinge in Kempen leben. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit eines neuen Kochbuchs, das Schüler des Ökonomiekurses vom Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD) in Kempen erstellt haben. Zu jedem einzelnen der insgesamt 35 Rezepte gibt es eine Geschichte über den Menschen, für den genau dieses Gericht eine Erinnerung an Daheim ist.

Das Kochbuch ist ein Stückchen Integration. "Wir möchten mit dem Buch Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abbauen, ihre Geschichte erzählen und zeigen, dass Fremdes nicht fremd bleiben muss", sagt Laura. Die Idee für das Kochbuch hatte dabei der 15-jährige Julian. Im Unterricht beschäftigen sich die Schüler der neunten Stufe mit wirtschaftlichen Zusammenhängen. Eine Aufgabe war es, ein unternehmerisches Projekt von der Idee bis zur Ausführung umzusetzen. Julian schlug ein Kochbuch vor, wobei darin nicht nur eine Sammlung von irgendwelchen Rezepten enthalten sein sollte. Vielmehr entwickelte der 15-Jährige das Grundgerüst für ein Konzept, bei dem eine Zusammenarbeit mit Flüchtlingen in den Mittelpunkt rückte. "Wir haben dann gemeinsam im Unterricht an dem Konzept gefeilt und es auf den Weg gebracht", berichtet Kursleiter Jan Harpel.

Um Flüchtlinge anzusprechen, nutzten die Gymnasiasten das Begegnungscafé in der Thomaskirche und das Begegnungszentrum in der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert. Sie stellten ihr Projekt vor und fanden viele Menschen aus anderen Ländern, die bereit waren, sich einzubringen. "Wir haben auf deutsch, englisch und mithilfe eines Übersetzers mit den Flüchtlingen kommuniziert. Sie haben uns ihre Geschichte erzählt und ihr Lieblingsgericht beschrieben", erzählt Lucas. Alles wurde genauestens mitgeschrieben und danach in die entsprechende Textform gebracht. Ob Schazad aus dem Irak, der mit seinem Vater und seinen beiden Schwestern vor dem Krieg im Heimatland floh und dessen Lieblingsgericht den Namen "Iraqi Tatchina" trägt, wobei es sich um ein Reisgericht mit Lammfleisch handelt, oder Adul aus Syrien, der erzählt und das "Mamouniye", eine Süßspeise mit Gries, vorstellt - alle Flüchtlinge geben einen kleinen Einblick in ihr Leben.

Rezept samt Foto mit Zutatenliste sowie Geschichte füllen dabei jeweils eine Doppelseite, wobei die Schüler das Layout selbstständig erarbeiteten. "Wir haben uns zudem auch auf Sponsorensuche begeben, um den Druck zu finanzieren", berichtet Philipp. Die Gymnasiasten machten sich mit dem Konzept auf den Weg und fanden ausreichend Unterstützer, so dass sie den Erlös des Buchverkaufes komplett für die Flüchtlingsarbeit spenden können.

Vorspann schreiben, Inhaltsverzeichnis erstellen, auf die Besonderheiten einiger exotischer Gewürze und Zutaten eingehen und nicht zuletzt alle Gerichte nachkochen, um sie zu testen und zu fotografieren, die Kursteilnehmer hatten reichlich zu tun. Die drei Schulstunden des Wirtschaftskurses reichten bei weitem nicht, um die viele Arbeit zu schaffen. "Wir haben schon jede Menge Freizeit investiert, aber es hat sehr viel Spaß gemacht", sagt Sabrina. Insgesamt arbeiteten die Schüler sieben Monate an dem Werk.

Die Rezepte im Buch reichen übrigens von Vorspeisen über Snacks und vegetarische Gerichte bis hin zu Suppen, Fleischgerichten, Salaten und Süßspeisen. "Eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei", sagt Till, der, wie alle anderen Mitautoren auch, bereits sein persönliches Lieblingsrezept aus "Heimat-Kochen" gefunden hat.

Quelle: RP
 
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