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Zuhause An Der Lobbericher Straße
Ein Leben lang im selben Haus

Kempen. Marianne Rothmann, geborene Meyendriesch (91), lebt seit über 90 Jahren in ihrem Elternhaus an der Lobbericher Straße 41. Ihre "Vertälschtökskes" sind Köstlichkeiten und lebendige Ortsgeschichte. Sie war Verkäuferin bei Bäcker Franz Zieberts. Von Manfred Baum

grefrath Die "Vertälschtökskes" (Erzählungen) der 91-jährigen Marianne Rothmann, geborene Meyendriesch, von der Lobbericher Straße 41 sind eine kleine Köstlichkeit und lebendige Grefrather Orts-und Dorfgeschichte zugleich. Sie wecken Erinnerungen an das alte Grefrath, an ein Grefrath mit Pferd und Wagen, mit Kopfsteinpflaster, ohne Wasserleitung, aber mit Koksheizung, an das erste Sparbuch bei der Grefrather Gemeindesparkasse, an die Hausgeburt, an die 18 Kinder aus der Nachbarschaft, an die Kommunionfeier, für die ein Zimmer ausgeräumt wurde, an Püfferkes klaue zu St. Martin, an Kneipen, Säle und Tante-Emma-Läden, aber auch an die Elsdorfpilger nach Kevelaer. Marianne Meyendriesch erblickte das Licht der Welt bei einer Hausgeburt vor 91 Jahren im Herzen von Grefrath, an der Rosenstraße. Doch schon im zarten Alter von nur sechs Monaten zog sie dorthin, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Heinz Rothmann lebt, auf die Lobbericher Straße 41.

Somit lebt sie dort bereits seit 90,5 Jahren. Wohl kaum ein Grefrather Bürger kann das von sich behaupten. Seit über 61 Jahren ist die rüstige Altersjubilarin mit ihrem Ehemann Heinz verheiratet, mit dem sie bereits die Gold- und Diamanthochzeit feiern konnte. Zur Katholischen Volksschule an der Ecke Schulstraße/Lobbericher Straße/ Hochstraße hatte sie nur knapp 50 Meter zu laufen. Keine Entfernung, ab und an jedoch für sie "gefährlich", denn immer dann, wenn ein Hund auf sie zugelaufen kam, kehrte sie nach Hause zurück. Nach gutem Zureden der Eltern wurde dann ein neuer Anlauf zur Schule gestartet.

Ihr Elternhaus wurde als Doppelhaus 1924/25 gebaut und bezogen. Eine Wasserleitung gab es zunächst nicht, jedoch eine Pumpe. Ganz bemerkenswert an ihrem Elternhaus ist die Tatsache, dass in das Haus schon 1926 eine Koksheizung eingebaut wurde. Den Koks lieferte die Grefrather Gasanstalt (heute Gemeindewerke) mit Pferd und Wagen. Es war stets ein ganzer Kellerraum voll Koks, den die Kinder füllen mussten, denn ihr Vater, der bei der Grefrather Gemeindesparkasse tätig war, war Kriegsversehrter und konnte kaum mithelfen.

Die Haustüre und der rote Fliesenboden im Flur des Erdgeschosses sind noch im Original erhalten. Marianne Meyendriesch hat noch viele Dinge aus frühester Kindheit, darunter auch ein Sparbuch aus dem Jahre 1925 der Gemeindesparkasse, die sich an der Hochstraße befand. Sie erinnert sich an 18 Kinder in der Nachbarschaft, mit denen sie spielen konnte. Die Familie van de groote Poort war mit neun Kindern der Spitzenreiter. Namenstage wurden in ihrer Kindheit mehr gefeiert als Geburtstage. Die direkten Nachbarn nach Süden sind bis heute die gleichen. Familie Konnen / Tack. Man saß im Sommer vor der Tür mit den Nachbarn, um mit ihnen einen "Vertääl" zu halten. In unmittelbarere Nähe ihres Elternhauses lagen die Gaststätten und Säle Wolters (heute Kampfschule) und Allen (heute Gaststätte "Zum Nordkanal"). Im Saal Wolters schliefen schon vor Jahrzehnten die Elsdorfpilger nach Kevealer. Sie schliefen auf Heu, erinnert sich Marianne Meyendriesch und mussten stets eine Hühnerleiter hochklettern.

In unmittelbarer Nähe ihres Elternhauses gab es die Tante-Emma-Läden Pecks (später Ruyters ) und Jansen (Pening, später Schlensog). Ferner die Bäckerei Fleuth und "Fenten Thiske" (Tante Emma), der auch Fisch verkaufte und mit einem Süßwarenwagen auf dem Sportplatz Nordkanal beim SV Grefrath vertreten war.

Die Familie Meyendriesch hatte einen großen Garten. Auch da waren die Kinder gefragt, mit Hand anzulegen. Direkt nach dem Krieg kamen die Nachbarn bei Meyendriesch an der Pumpe Wasser holen, denn die Wasserleitungen waren zerstört. Die Heirat von Marianne Meyendriesch mit Heinz Rothmann 1955 wurde im Elternhaus gefeiert. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Sie ist heute Bürgermeisterin der Stadt Kaarst und heißt Dr. Ulrike Nienhaus, geborene Rothmann. Man sieht das rüstige Paar fast täglich in Grefrath bei Spaziergängen. Der jüngste Urlaub führte sie ins Emsland.

Quelle: RP
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