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Gemeinde Grefrath
Ein Nadelbuch voller Hexenstiche

Gemeinde Grefrath: Ein Nadelbuch voller Hexenstiche
Unter dem Titel "Allerlei Flickwerk" ließ Brigitte Caspers die Welt von Nadel, Wolle und Stoff aufleben. Ida, Theo und Konrad schauten interessiert zu. FOTO: Wolfgang Kaiser
Gemeinde Grefrath. Tief in die Welt der Handarbeiten eintauchen konnten die Besucher am Wochenende im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Von Bianca Treffer

"Das kenne ich vom Kindergarten", ruft Theo, kaum dass er den hinteren Bereich von Haus Rasseln betreten hat. Dabei blickt der Vierjährige auf die Stricklieseln auf dem Tisch. Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Brigitte Caspers. Sie greift zu einer Strickliesel, aus der bereits eine lange Strickwurst hängt. Flugs steht nicht nur Theo neben ihr, sondern auch Konrad (sieben Jahre) und Ida (zwei Jahre) schieben sich neugierig näher. Mit einem Holzstäbchen hebt Caspers Masche für Masche an und zieht den Faden jeweils über einen der vier Metallbögen. "Das kennen wir auch noch aus unserer Kindheit", bemerken Eva und Christian Lambertz, die mit Vergnügen zuschauen, welchen Spaß ihre Kinder haben.

Aber nicht nur die Strickliesel fasziniert. Ein Spinnrad haben die drei Kinder noch nicht gesehen, und wie aus einem Wollvlies ein Faden entsteht, verfolgen sie voller Spannung. "Das Vlies stammt von einem schwarzen Schaf", erklärt Caspers, während sie geschickt ein Stückchen Vlies herauszwirbelt und mit Drehbewegungen an den bereits bestehenden Faden anknotet. Vorsichtig streicht Konrad über das weiche Vlies, wobei ihn die Sorge quält, ob ein Schaf dafür sein Leben lassen musste. Doch Caspers kann beruhigen. Dass Schafen die Haare nachwachsen wie einem Menschen, beruhigt nicht nur den Siebenjährigen. Interessiert hören die drei zu, als Caspers erzählt, was noch alles passieren muss, damit aus der Schafswolle ein Pullover werden kann.

Unter dem Titel "Allerlei Flickwerk" dreht sich in der Wohnanlage Haus Rasseln alles um die Handarbeiten. Wer Caspers in der Arbeitskleidung einer Bäuerin aus dem 19. Jahrhundert samt Kleid, Umhang, Haube und Holzschuhen am Spinnrad neben dem prasselnden Feuer im offenen Kamin sitzen sieht, der fühlt sich dabei in frühere Zeiten zurückversetzt. Aber nicht nur Spinnen ist angesagt. Wie man einen Knopf annäht, eine Stickarbeit ausführt, etwas stopft oder eine Lumpenpuppe bastelt - aus ihrem Bollerwagen samt Nähkorb zaubert Caspers so Einiges.

"Das war 1963 meine allererste Handarbeit", verrät Caspers und holt aus ihrem Holznähkorb ein Nadelbuch hervor. Das Interessante ist aber nicht die Funktion des Teils, sondern die Strickstiche, die die beiden Seiten zieren. "Wir haben damals in der Grundschule die verschiedenen Stiche gelernt", sagt Caspers. Das ist das Stichwort für die Besucherin Elisabeth Bertram. Schmunzelnd zählen die beiden Frauen die verschiedenen Arten der Fadenführung auf. Hexen-, Blatt-, Stil- und Kreuzstich wie auch der Hohlsaum machen die Runde, wobei die jeweilige Art auf dem Nadelbuch gesucht wird.

Erinnerungen an Handarbeitsstunden in der Schulzeit erwachen. Klaus Bertram kann da nicht mitreden. "Jungs hatten keinen Handarbeitsunterricht. Das war nur was für Mädchen", erzählt er schmunzelnd. Dennoch ist ihm die Materie nicht fremd. Seine Großmutter sei Weißnäherin gewesen, berichtet Klaus Bertram. Ein Begriff, der einigen der jüngeren Besucher nicht geläufig ist. Die Erklärung folgt: Einst wurden so Arbeiterinnen genannt, die Bettwäsche machten.

Quelle: RP
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