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Stadt Kempen
Ein Plädoyer für das Handwerk

Stadt Kempen: Ein Plädoyer für das Handwerk
Die Agentur für Arbeit war gestern zu Gast bei der Firma Esin (v.l.): Ohan Esin, Falima Zoguagh, Dirk Strangfeld, Michael Schütze und Fatih Esin. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Ohan Esin möchte junge Menschen für das Handwerk begeistern. In seinem Dachdeckerbetrieb bekommen auch Schulabgänger eine Chance, deren Lebenslauf den einen oder anderen Knick hat. Von Willi Schöfer

/ grefrath Dirk Strangfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld-Kreis Viersen, kam gestern bei den neuesten Zahlen zum Arbeitsmarkt auch auf die Ausbildungsstellen zu sprechen. "Es passt nach wie vor nicht", befand er. Das liege vor allem daran, dass sich die jungen Leute meist schulisch weiterbilden wollen oder sich für sie attraktiveren Berufe entscheiden, etwa die Bereiche Büromanagement, Banken, Einzelhandel oder für den des Kfz-Mechatronikers. Nicht vorne auf der Liste stehen Verkauf, Hotelgewerbe oder Logistik. So konnten zum Beispiel zuletzt 95 Ausbildungsstellen als Verkäufer nicht besetzt werden, auch im Dachdeckerhandwerk blieben 32 Stellen offen.

Wie wichtig das Handwerk ist, beweist unter anderem der Willicher Orhan Esin (51), der seit Jahren im Gewerbegebiet Münchheide ein Dachdeckerunternehmen mit 19 Mitarbeitern führt. Bei ihm präsentierte die Agentur für Arbeit die neuesten Zahlen. "Ich versuche, dieses Handwerk nach vorne zu bringen, gehe in Schulen, mache Tage der offenen Tür, oder biete Praktika an", sagt der Unternehmer, der in der dritten Generation in Deutschland lebt. Sein Opa war Baumeister, sein Vater Maurermeister. Orhan Esin war zunächst technischer Leiter bei der lange Zeit in Münchheide ansässigen Dachdeckerfirma Theo Kleinkauertz, ehe er dann vom Mit-Inhaber zum alleinigen Inhaber wurde.

"Wir kennen ihn schon lange, er ist dafür bekannt, dass er sich für die Mitarbeiter einsetzt und sie auch motivieren kann", sagt Udo Urban, von der Willicher Servicestelle der Arbeitsagentur. Der frühere Jobvermittler hatte ihm seinerzeit die Stelle bei Kleinkauertz besorgt. Urban war auch in der Folgezeit begeistert von ihm: "Zu ihm konnte man auch Leute schicken, die einen krummen Lebenslauf und auf den ersten Blick nicht so arbeitswillig waren." Esin möchte jeden seiner Mitarbeiter begleiten und motivieren. Er kann sich noch an einen Hauptschüler erinnern, der bei ihm im Alter von 21 Jahren die Lehre begann, die Schule oft geschwänzt und auch Erfahrungen mit der Polizei gemacht hatte. Es hatte auch Abmahnungen gegeben, aber er führte bei ihm die Ausbildung erfolgreich zu Ende.

Seine rechte Hand ist Michael Schütze (35), der als 16-Jähriger seine Lehre bei in der Firma begann. "Das war genau die richtige Entscheidung, denn der Beruf des Dachdeckers ist sehr vielseitig, geht über das Eindecken eines Schieferdaches weit hinaus", sagt Schütze. Dies fange mit der richtigen Wärmedämmung an und höre bei der Begrünung von Dachterrassen auf.

Und so nebenher gibt es auch in der Ausbildung gutes Geld; im ersten Lehrjahr sind es schon rund 700 Euro. Derzeit beschäftigt Esin vier Auszubildende, drei für das Handwerk, eine für den kaufmännischen Bereich. So lässt sich gerade die Marokkanerin Falima Zoguagh (21) zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr. "Ich habe vorher fast 200 Bewerbungen geschrieben und meistens noch nicht einmal eine schriftliche Absage bekommen", erzählt sie.

Irgendwann wird Esins Sohn Fatih die Firma übernehmen. Derzeit studiert der 21-Jährige Wirtschaftswissenschaften in Trier. Bis es soweit ist, versucht Orhan Esin das Dachdecker-Handwerk weiter voran zu bringen. Derzeit sucht er wieder zwei Auszubildende, als Dachdecker und für den kaufmännischen Bereich. Außerdem können sich junge Praktikanten jederzeit bei ihm melden: Ruf 02154 414477.

Quelle: RP
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