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Stadt Kempen
Ein Riesenspaß für Schnäppchenjäger

Stadt Kempen: Ein Riesenspaß für Schnäppchenjäger
Der Gemüseschnibbler war gestern wieder so richtig in seinem Element. Er zerkleinerte alles, was ihm unter den Hobel kam. FOTO: heiner deckers
Stadt Kempen. Der Hubertusmarkt bescherte gestern wieder alles, was man von ihm erwartet: Nützliches, Überflüssiges und natürlich einige Weltneuheiten. Er zog Massen von Menschen in die Altstadt. Von Heiner Deckers

Da ist sie wieder, diese unverwechselbare Duftmischung. Bratwurst, Püfferkes, Hustenbonbons und einige weitere Ingredienzen vereinigen sich zu einem in der Gänze undefinierbaren Etwas. Es riecht nach Hubertusmarkt, und zwar in der kompletten Kempener Altstadt. Das Wetter ist zwar mild, aber der Winter kommt bestimmt. Am Anfang der Engerstraße stößt der aufmerksame Schnäppchenjäger auf einen Stand mit Fellmützen, deren Tragen die automatische Qualifikation für die Mitgliedschaft im Don-Kosaken-Chor bedeutet.

Ja, sie sind alle wieder da: die Händler aus der ganzen Region mit ihren Waren, die man gut oder weniger gut gebrauchen kann, aber unbedingt gekauft werden müssen. Sind schließlich größtenteils Weltneuheiten. Warum ausgerechnet junge Männer aus dem Großraum Indien Schals verkaufen, erschließt sich nicht auf Anhieb. In ihrer Heimat ist es doch immer warm, wieso kennen die sich mit Schals aus? Wir wissen es nicht.

Messer und andere Schneidewerkzeuge gab es auch gestern wieder in Hülle und Fülle. FOTO: wolfgang kaiser

In unmittelbarer Nähe tauschen zwei Damen im besten Alter traurige Tatsachen aus ihrem persönlichen Umfeld aus: "Der hat den ja nur getriezt", war da zu hören. Nähere Umstände sind leider nicht bekannt, möge jeder sich selber prüfen. Man ist auch schnell abgelenkt von den Pyjamas, die wenige Meter weiter im Herbstwind flattern. Einige der Motive sind so schrill, dass nur bei völliger Dunkelheit im Zimmer an Schlaf zu denken sein dürfte.

Gut besucht ist auch der Postkarten-Dealer. Wohl dem Käufer, der so viele Bekannte hat. Das denken sich wahrscheinlich auch die Tchibo-Besucher, die an der gestern nicht ganz frischen Kempener Luft einen Kaffee trinken. Es sind übrigens diejenigen, die tagtäglich dort sitzen und heute wieder ihre Ruhe haben. Der hinlänglich bekannte Gemüseschnibbler, der auch gestern wieder den kompletten Vitaminbedarf einer mittleren niederrheinischen Kleinstadt deckte, bedient sich der Marke "Börner". Hier zeigt sich der echte Profi: "Ein echter Burner, kein Nachbau."

Erstmals sicherten Poller die Altstadt vor einem Terrorangriff. Sie kommen auch bald beim Weihnachtsmarkt zum Einsatz. FOTO: wolfgang kaiser

Die Schlank-Stütz-Unterwäsche wischt jeden Gedanken an eine Diät spontan beiseite. Ist es wirklich ein Zufall, dass es gleich nebenan süße Leckereien zu kaufen gibt? Ein wenig ratlos machte der Sockenmarkt mit seinen immer kühner werdenden Auswüchsen. Bambussocken? Wer will schon, dass er ständig von Pandas belagert wird? Venenfreundliche Army-Socks? Schön, dass man an die Gesundheit der Soldaten denkt. Da hat Frau Von der Leyen offenbar in ihrer Amtszeit als Verteidigungsministerin eine Menge bewirkt.

Musik und gute Laune verspricht ein Stand mit CDs. "Millionen Frauen lieben mich" schallt da aus dem Lautsprecher. Fragt sich, ob der Verkäufer jetzt zu beneiden oder zu bedauern ist. Einer anderen Strategie bedient sich der junge Mann, der ein paar Meter weiter Leggins anbietet. Er versucht, mit eher meditativ angehauchter Musik die Kunden an seinen Stand zu locken. Übrigens durchaus mit Erfolg.

Am Mützenstand betont eine Frau gegenüber einer anderen, offenbar einer Freundin: "Dat fandst du doch immer so schön". Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Wir befinden uns jetzt bereits unmittelbar in der Nähe des eigentlichen Epi-Zentrums - und das ist unumstritten die Miedermeile Buttermarkt, wo ältere Damen beherzt über Formen und Farben diskutieren. Apricot scheint weiter Modefarbe zu sein. Im Abseits stehen ratlose Männer, die hier nicht mitreden können, es wahrscheinlich auch gar nicht wollen. Eine der Damen entdeckt offenbar gerade ein ganz besonders tolles Korsett. "Kuck mal, Renate", ruft sie lautstark. Bei nährer Betrachtung festigt sich die erste Erkenntnis: Das Teil könnte zur Not auch als Ein-Mann-Zelt gute Dienste leisten.

Bei so viel Trubel kann man fast Mitleid haben mit dem Akkordeonspieler. Eher stoisch nehmen die Zeugen Jehovas das bunte Treiben zur Kenntnis. Auf ihre Botschaften will gestern keiner hören. Sie hatten schließlich auch keine Weltneuheiten dabei.

Quelle: RP
 
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