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Stadt Kempen
Ein vehementes Plädoyer für die altbekannte Gurkenmaske

Stadt Kempen. Kabarettistin Ariane Erdelt gastierte in der "Haltestelle". Das Publikum war begeistert von der Künstlerin, die im Bademantel auftrat. Von Silvia Ruf-Stanley

Da hatte Andreas Baumann von der "Haltestelle" an der St. Töniser Straße in Kempen eine richtige Perle gefunden. Ariane Erdelt bezauberte vom ersten Augenblick an ihr reichliches Publikum. Kaum ein Stuhl war in der ehemaligen Stuhlfabrik Bisges frei geblieben. Darüber freute sich natürlich auch Baumann, der damit ermutigt ist, häufiger Kabarett anzubieten.

Es war wohl der Titel des Programms "Ganz Frau", der hauptsächlich Frauen angelockt hatte. Aber es gab auch mutige Männer im Publikum, die direkt Lob dafür von der Künstlerin bekamen. "Wieso sind hier so viele Männer, interessieren Sie sich für Frauen?" wollte sie wissen. Und einen kleinen Seitenhieb gab es auch. Denn sie kam mit schwerem Gepäck; es hätte doch einer der Herren ihr mal helfen können.

Sie hätte die schwere Wahl gehabt zwischen pünktlich Anfangen oder gut Aussehen. Dann hat sie sich für Pünktlichkeit entschieden und kam im Bademantel und Handtuchturban auf dem Kopf auf die Bühne, um dann im Laufe des Abends etliche sehr abenteuerliche Anziehversuche in ziemlicher Weise zu unternehmen.

Schon spielt sie mit den Klischees. Sie hätte ja immer vier oder fünf Garnituren mit, auch wenn sie nur zwei Tage unterwegs ist. Natürlich auch einen großen Schuhbeutel. Außerdem, als reifere Frau - Erdelt ist Jahrgang 1963 - müsse man ja auf sich achten. Statt Botox setzt sie auf die altbekannte Gurkenmaske, die sie tapfer die ganze erste Hälfte des Programms trägt.

Ach ja, sie ist auch seit 26 Jahren verheiratet, erzählt sie. Müsse man sich dafür und fürs nur Mutter sein entschuldigen, fragt sie das Publikum. Da fühle man sich ja wertlos. Heute müsse frau doch alles gleichzeitig können. Familie, Kinder, Karriere. Aber eigentlich hätten sich doch alle Rollen verwischt - Frauen vermännlicht und Männer verweiblicht. Der Lacherfolg zeigt, dass sie damit den Nerv beim Publikum getroffen hat.

Da kommt noch einmal ein klassisches Frauenthema: Schuhe - welche Freude wenn das Zalandopaket kommt. Und schon zaubert sie aus dem Karton ein Paar Schuhe - Highheels, aber offensichtlich zu eng. Macht nichts, das steht frau durch. Und so humpelt sie fröhlich über die Bühne. Erzählt ganz nebenbei, dass sie Schauspielerin ist, und zitiert mal eben aus Goethes "Faust" und Schillers "Kabale und Liebe". Sie ist übrigens im realen Leben wirklich Schauspielerin und das merkt man ihr an. Denn sie beherrscht die Kunst der Bühnenpräsenz.

Ach ja, Tango tanzen kann sie auch noch. In Ermangelung eines Tanzpartners muss dann noch einmal der Bademantel vom Anfang herhalten, mit dem sie nun im schicken Kleid gewandet ein Tänzchen auf die Bühne bringt. Die Besucher waren schlicht begeistert. Und großen Applaus war der Künstlerin am Ende sicher.

Quelle: RP
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