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Stadt Kempen
Ein Windfang für den Windfang

Stadt Kempen. Kurios - aber wahr: Da die Automatiktüren am neuen Museumseingang vor dem Kempener Franziskanerkloster bei starkem Wind den Dienst quittieren, soll nun zusätzlich ein gläserner Windabweiser montiert werden. Von Silvia Ruf-Stanley und Andreas Reiners

Nach dem Kulturausschuss beschäftigte sich am Montagabend auch der Kempener Bauausschuss mit den Mängeln am neuen Eingang zum Kulturforum Franziskanerkloster an der Burgstraße. Hochbauamtsleiter Christian von Oppenkowski erläuterte noch einmal genau die Problemlage. Wie bereits mehrfach berichtet, entwickeln die großen Türflügel bei starkem Wind ein Eigenleben. Unkontrolliert schlagen sie weiter auf als eigentlich geplant. Der Hochbauamtsleiter umschrieb dies so: "Der Wind beschleunigt die Tür so sehr, dass man sie ab einer bestimmten Windstärke nicht mehr im Griff hat." Dieses Problem sei bei der Planung des neuen Eingangs nicht absehbar gewesen. Dass sich durch die Nachbarschaft des neuen Klosterhofes eine derartige Druck- und Sogwirkung entwickeln würde, konnten weder Hochbauamt noch das planende Architekturbüro RKW aus Düsseldorf ahnen. Ein solches Problem sei auch bisher noch an keinem städtischen Gebäude in dieser Art aufgetreten, sagte von Oppenkowski im Ausschuss.

Mit den führenden Herstellern derartiger Türanlagen hat die Stadt nach Auftreten des Problems bereits Gespräche geführt. Aber eine Lösung zum Antriebsmechanismus der Türen hat sich bislang nicht gefunden. Auch die Alternative einer Falt- oder Schiebetür bietet sich nicht an. Von Oppenkowski wies darauf hin, dass solche Konstruktionen den barrierefreien Zugang für Behinderte oder Kinderwagen über die Hubrampe im Eingangsbereich behindern könnten. Außerdem müssen die Türen aus Sicherheitsgründen bei Veranstaltungsorten, die von vielen Menschen besucht werden, immer nach außen aufgehen. Hinzu kommen weitere Sicherheits- oder Brandschutzbestimmungen.

Nach umfangreicher Beratung durch das Aachener Fachbüro Feldmann und Weyand plant nun die Stadt eine Wind abweisende drei mal ein Meter große Glaswand als Schutz. Im Ausschuss zeigte von Oppenkowski schon einmal eine Simulation der Wirkung einer solchen Wand. Dr. Claudia Ziller vom Fachbüro hatte umfangreiche Berechnungen zu den Windverhältnissen erarbeitet. Diese könnte fast 50 Prozent der Sog- und Druckwirkung am Eingang verändern.

Nun soll mit einer provisorischen Wand, die der städtische Betriebshof gestaltet, unter gleichen Bedingungen von Gewicht und Stabilität einer solchen Wand geprüft werden, ob eine solche Lösung sinnvoll ist. Denn immerhin wird eine Wind abweisende Wand aus Glas etwa 15.000 Euro kosten. Bei allem Verständnis für die Hersteller und Entwickler der Tür werde die Stadt aber das weitere Vorgehen "kritisch hinterfragen" und auch noch einmal mit dem Planungsbüro RKW sprechen, sicherte der Technische Beigeordnete Stephan Kahl zu.

Heinz Wiegers (SPD) erinnerte daran, dass das Windproblem ein altbekanntes ist. Denn schon zu Zeiten der Beamtenlaufbahn, dem Verbindungsgang zwischen Kreishaus und Kloster, gab es dies. Damals gab es eine Tür, die den Zugang zum Parkplatz hinter dem Museum und in Richtung Innenstadt erleichtern sollte. Aber auch diese machte sich bei starkem Wind häufig selbstständig, erinnerte er.

Renate Schmitz (SPD) bezweifelte, ob eine Breite von einem Meter für einen solchen Windabweiser ausreicht. Josef Lamozik (CDU) sprach die Windgeräusche an, die dort entstehen und die Anwohner des Klosterhofs belästigen könnten. Günter Solecki (Linke) sah in der Lösung auch "ästhetische Probleme".

Quelle: RP
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