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Gemeinde Grefrath
Eine niederrheinische Zeitreise

Gemeinde Grefrath. In der Gemeinde Grefrath gibt es ein ganz besonderes Kleinod. Dort befindet sich das Niederrheinische Freilichtmuseum. Seit 1973 lädt es die Besucher zum Gang durch die Geschichte ein. Von Bianca Treffer

Wer das erste Mal das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath besucht, der bleibt schon vor den großen gläsernen Eingangstüren staunend stehen. Quer durch die Halle des modernen Foyers fällt der Blick nämlich auf die beeindruckende Dorenburg, die sich, umrahmt von einem breiten Wassergraben und vielen mächtigen Bäumen, im Mittelpunkt des Freilichtmuseums erhebt. Sie vermittelt einen ersten Eindruck, was die Besucher, kaum dass sie das Foyer verlassen und über die Holzbrücke getreten sind, erwartet. Es ist Geschichte pur.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie im 17. Jahrhundert eine Bauernfamilie lebte. In der Hofanlage Rasseln mit Wohnhaus, Scheune und Backhaus steht man mittendrin. Im Kamin liegt noch die Asche vom vergangenen Feuer, am eisernen Haken hängt der Topf und in der Schlafkammer steht das Bett mit den dicken Kissen. Über die Stalltür blickt der Kaltblüter und die Hühner laufen gackernd über den Hof.

Tiere gehören im Freilichtmuseum ebenfalls zum gewohnten Bild. "Wir haben Kaltblüter, Esel, Hühner, Tauben, Pfaue, Bienenvölker und Enten", zählt der kommissarische Museumsleiter Kevin Gröwig das lebendige Inventar auf. Mäuschen gebe es bestimmt auch, fügt er lächelnd an. Besucher, die an bestimmten Tagen kommen, können das Backhaus der Hofanlage in Betrieb erleben und das dort gebackene Brot direkt frisch erwerben.

Ob das alte Spritzenhaus samt Feuerspritze, die Gerberei, das Sägewerk oder die Kornbrennerei, in allen Gebäuden erklären Infotafeln jeden Arbeitsschritt an den Gerätschaften. Besucher können sich auf diesem Weg genau vorstellen, wie früher gearbeitet wurde. Überall scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In der reetgedeckten Scheune der Hofanlage Hagen aus dem 18. Jahrhundert taucht der Besucher in die Welt des Handwerks ein. Er kann sehen, wie der Küfer einst Fässer herstellte, der Stellmacher an hölzernen Wagenrädern arbeitete und wie unter geschickten Händen Holzschuhe entstanden. In der Seilerei sind die Seile noch gespannt. Es scheint, als hätten die Handwerker gerade eben einmal kurz ihre Werkstatt verlassen und würden gleich wieder auftauchen, um Hammer, Zange, Beitel und Co. in die Hand zu nehmen.

Im Haus selber ist das Töpferhandwerk zu finden. Pfeifen aus Ton liegen auf einem Arbeitstisch und man kann sich vorstellen, wie der uralte Ofen bollerte und den Arbeitsplatz erwärmte. Welche Schönheiten aus dem zerbrechlichen Material hergestellt wurden, ist in Vitrinen zu sehen. Wer die steile Stiege hinaufklettert, kann die Sammlung von Dachpfannen samt Ornamenten bewundern. Was es mit der Flachsdarre auf sich hatte, wie es in der Schmiede zuging oder dass es einst eine Posthalterei gab, in der die Pferde vor den Kutschen gewechselt wurden, damit die Reise schnell fortgesetzt werden konnte - das Niederrheinische Freilichtmuseum hat eine Vielzahl von Gebäudeschätzen samt Inventar.

Das Gelände selber erzählt aber auch Geschichte. Da gibt es den Bauerngarten, die mit Werkzeug von früher bestellte Ackerfläche, den Färbergarten, in dem Pflanzen wachsen, mit denen schon vor Hunderten von Jahren gefärbt wurde, den vom Niersverband gestalteten Wasserlauf, die Wegedenkmäler, die entlang der Wege durch das Museum stehen - der Besucher erlebt schon allein beim Spaziergang Historie pur.

Die Dorenburg selber ist etwas ganz Besonderes. In ihr spiegelt sich nicht nur das einstige herrschaftliche Leben wider. In der ersten Etage laden, über das Jahr verteilt, die unterschiedlichsten Ausstellungen zu einem Besuch ein. Ein weiterer Höhepunkt ist das Spielzeugmuseum, untergebracht in einer historischen Scheune. Auf mehreren Etagen erlebt der Besucher die bunte und vielschichtige Welt des Spiels, aufgeteilt nach Bereichen, bei denen unter anderem Rollen-, Glücks-, Wettkampf- und Gesellschaftsspiele erlebbar sind. "Hier geht es nicht darum, chronologisch zu zeigen, wie sich das Spielzeug entwickelt hat. Wir stellen vielmehr vor, wie man spielt und warum", erläutert Gröwig.

Eines darf im Niederrheinischen Freilichtmuseum auf keinen Fall fehlen und das ist der Abstecher in den Tante-Emma-Laden. Inmitten der urigen Ladeneinrichtung von anno dazumal kann sich der Besucher seine Süßigkeitentüte aus bauchigen Bonbongläsern zusammenstellen. Und wenn der Deckel der Lakritzpfeifenschachtel aufgeht, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Natürlich gibt es auch Stärkung in Form von Kaffee, hausgebackenem Kuchen und frisch geschmierten Butterbroten. Den Belag und weitere Köstlichkeiten kann jeder auch zu Hause genießen. Denn im Glas eingekochte Wurst, Honig, Rübenkraut und weitere Produkte aus der Natur verkaufen Monika und Dieter Schommer, die Lädchenbetreiber, ebenfalls. Ein Stück Heimat zum Mitnehmen.

Quelle: RP
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