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Stadt Kempen
Einkaufen in historischem Ambiente

Stadt Kempen: Einkaufen in historischem Ambiente
Andree Haack, Fred Klaas, Christoph Dellmans und Armin Horst (von links) gestern auf der Judenstraße. FOTO: Kaiser Wolfgang
Stadt Kempen. Die Kempener Innenstadt ist belebt und auch bei Kunden aus dem Umland sehr beliebt. Beim Rundgang mit Experten von IHK, Werbering und Stadt gibt es nur gute Noten. Ein kleiner Lebensmittel-Nahversorger soll wieder kommen. Von Andreas Reiners

Wenn es Probleme gibt, dann sind sie eher marginal und werden im sehr guten Zusammenspiel von Handel und Stadtverwaltung schnell gelöst. Beim Rundgang mit Vertretern von Werbering, städtischem Citymanagement und Rheinischer Post durch die Kempener Innenstadt gibt es nur gute Noten von Andree Haack, Einzelhandelsexperte und Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Haack gefällt die "heimelige Atmosphäre", lobt die Stadtplaner, die in den 1960er-Jahren damit begonnen hatten, die Innenstadt behutsam zu sanieren. Was anderen Orten in der Vergangenheit nicht gelungen ist, das hat Kempen geschafft: auch die Kleinteiligkeit zur Stärke zu entwickeln. Was andernorts zu Problemen führt, stellt in der Kempener Altstadt selten eine Schwierigkeit dar: Selbst in kleinen Ladenlokalen kommen Einzelhändler gut über die Runden. Haack gefällt das Ambiente, die Häuser machen durchweg einen sehr gepflegten Eindruck.

Christoph Dellmans, bei der Stadtverwaltung seit vielen Jahren auch fürs Citymanagement zuständig, berichtet unter anderem, dass Hausbesitzer ihre Immobilien nicht selten in Abstimmung mit der Stadt renovieren. Andere wiederum passen Neubauten dem unmittelbaren Umfeld an. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass die meisten Eigentümer der Wohn- und Geschäftshäuser in der Altstadt selbst in Kempen wohnen und dass auch die Erben - selbst wenn sie nicht mehr hier leben - noch eine enge Bindung an ihre Heimatstadt haben. Es gibt auch Ausnahmen. Aber das sind wenige, etwa die Bebauung an der Ecke Enger-/Burgstraße: Die Fassade könnte eine Renovierung vertragen. Es gibt hier zwei leer stehenden Ladenlokale. Das Haus macht - im Vergleich zu den Nachbargebäuden - keinen einladenden Eindruck. Aber die Immobilie gehört einem Konsortium mit Sitz in Berlin. Dort scheint man wenig Interesse daran zu haben, sein Haus herauszuputzen.

Gelungene Fassadengestaltung und Beschilderung von Gaststätten und Geschäften an der Peterstraße. FOTO: Kaiser Wolfgang

Die neu gestaltete Judenstraße gefällt Andree Haack besonders gut. Beim gestrigen Rundgang ist er erstmals nach der Sanierung wieder hier: "Einfach perfekt", meint er und lässt sich von Dellmans erläutern, dass die Gestaltung der Judenstraße modellhaft für weitere Sanierungsvorhaben von Straßen in der Kempener Altstadt ist.

Armin Horst und Fred Klaas vom Werberingvorstand strahlen, als der IHK-Experte das außergewöhnliche Engagement von Handel und Gastronomie in der Altstadt herausstellt. "Und die Zusammenarbeit mit der Stadt ist einfach vorbildlich. Da kann man nur gratulieren", sagt Haack.

Altstadtflair wie hier an der Ellenstraße gefällt den Kempenern und auswärtigen Besuchern. Es trägt zum Einkaufserlebnis entscheidend bei. FOTO: Kaiser

Dass die meisten Geschäfte in der Innenstadt inhabergeführt sind, trägt zu dem positiven Gesamtbild bei. Dass sich hier in den vergangenen Jahren auch etliche Filialisten - zuletzt etwa im Klosterhof - angesiedelt haben, sei durchaus wichtig für den Handelsstandort. Denn sie gelten als Frequenzbringer. Dass es hier wenig Angebote etwa beim Textileinzelhandel für die junge Generation gibt, sei nicht tragisch. Die großen und bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor allem wegen ihrer günstigen Preise sehr beliebten großen Ketten würden sich in einem Mittelzentrum von der Größe Kempens nicht niederlassen, weiß Einzelhandelsexperte Haack aus Erfahrung.

"Einkaufen in historischem Ambiente" - dieser Slogan passe gut zur Kempener Altstadt. Die verfügt über einen gesunden Branchenmix und über viele gastronomische Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. Hier wiederum sei auch das Angebot für die junge Generation gut. Als Frequenzbringer erweisen sich seit Jahren die "Kempener Lichtspiele". Das Kino am Buttermarkt möchten weder Werbering noch Stadt missen. Stichwort Buttermarkt: Der Platz mit seinem besonderen Flair gefällt Haack außerordentlich. Auch wenn gestern dort die Markthändler nicht ihre Verkaufsstände aufgebaut hatten, auch ihr Engagement belebe die Innenstadt in besonderem Maße, sagt Werberingchef Armin Horst. Dass es an der westlichen Ellenstraße seit geraumer Zeit keine Einzelhandelsnutzung mehr gibt, sei zwar bedauerlich, aber nicht so tragisch und im Übrigen durch die Künstlerateliers sehr gut aufgefangen, sind sich die Experten einig. Armin Horst bedauert, dass sich hier kein Sportgeschäft habe etablieren lassen. "Das hätte der Kempener Innenstadt sicherlich gut getan", meint er.

Gut getan haben über Jahrzehnte Lebensmittelanbieter an der Engerstraße. Mit der Schließung des Kaiser's-Marktes fehlt bekanntlich ein Nahversorger, was von vielen Anwohnern, aber auch von Besuchern der Innenstadt bedauert wird. Citymanager Dellmans arbeitet derzeit sehr intensiv daran, einen neuen Anbieter in die Altstadt zu holen, zwar mit deutlich kleinerer Verkaufsfläche als früher Kaiser's, aber doch mit einem guten Angebot für eine Grundversorgung mit Lebensmitteln. Die Gespräche laufen noch. Aber Dellmans ist zuversichtlich, dass es gelingen könnte, ein kleines Lebensmittelgeschäft in der City anzusiedeln.

Was auch für einen Einzelhandelsstandort wichtig ist, sind das Parkplatzangebot und das Thema Sauberkeit. Die Anordnung der Parkplätze und Tiefgaragen sei den Stadtplanern geradezu perfekt gelungen, stellt IHK-Experte Haack fest. Und um die Innenstadt sauber zu halten, leistet sich die Stadtverwaltung einen Reinigungsdienst an 365 Tagen im Jahr. Auch das leidige Problem mit Zigarettenkippen auf dem Straßenpflaster will die Stadt in den Griff bekommen: Es werden schrittweise neue Mülleimer mit integrierten Aschenbechern aufgestellt, so Dellmans.

Quelle: RP
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