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Kempen
Erfahrung am Steuer ist ein Vorteil

Kempen: Erfahrung am Steuer ist ein Vorteil
Oskar Gerdom ist der Ehrenvorsitzende der Verkehrswacht Viersen und wurde 2014 mit dem Goldenen Lorbeerblatt ausgezeichnet - als bewährter Kraftfahrer mit 50 Jahren Fahrzeit. FOTO: Busch
Kempen. Immer mehr Senioren sind auf den Straßen unterwegs. Die "Alten" scheinen sogar die sichereren Autofahrer zu sein, aber dafür haben sie ein höheres Verletzungsrisiko. Von Bianca Treffer

Laut Statistik verursachen Senioren weniger Unfälle mit Verletzten als alle anderen Altersgruppen. "Wer im Alter konstant fährt, verlernt nichts. Je weniger gefahren wird, umso größer ist die Unfallgefahr", sagt Hans Jansen, Geschäftsführer der Verkehrswacht Viersen. Wichtig sei es allerdings, altersbedingte Defizite zu erkennen und die eigene Fahrtüchtigkeit realistisch einschätzen zu können. Zu den normalen Alterungsprozessen gehört die Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen, wobei es große individuelle Unterschiede mit dem wachsenden Alter gibt. "Man kann nicht alle Senioren einfach über einen Kamm scheren. Der eine ist mit 75 Jahren fitter als der andere mit 55 Jahren", sagt Jansen.

Wichtig ist, egal in welchem Seniorenalter, eine regelmäßige Kontrolle des Seh-, Hör- und Reaktionsvermögens. Eigens dazu bietet die Verkehrswacht Viersen in Banken solche Tests kostenfrei und anonym an. Jeder Interessierte kann vorbeikommen und mitmachen. "Es muss niemand Angst haben, dass ihm hier der Führerschein weggenommen wird. Wir geben höchstens den Tipp, doch mal einen Arzt aufzusuchen", stellt Jansen klar. Der Mediziner ist auch ein wichtiger Ansprechpartner bei Nebenwirkungen, falls Medikamente genommen werden müssen, die eventuell die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Generell sei es aber so, dass die lange Fahrpraxis und eine angepasste Fahrweise die altersbedingten Beeinträchtigungen ausgleichen.

Ältere Menschen weisen darum nicht per se ein höheres Unfallrisiko auf, allerdings leiden sie unter einer erhöhten Vulnerabilität: Bei einem Unfall steigt das Risiko, schwer oder sogar tödlich verletzt zu werden - und das unabhängig von der Art der Verkehrsteilnahme. Darum geht die Sicherheit vor. So sollten Senioren Autofahrten zur Rushhour, also in der Hauptverkehrszeit, vermeiden.

Auch lange Strecken an einem Stück sollten Ältere nicht mehr zurücklegen. Sind dennoch längere Touren - wie etwa eine Urlaubsfahrt - zu bewältigen, bietet sich eine Zwischenübernachtung an. Dadurch können die hohen Anforderungen langer Daueraufmerksamkeit vermieden werden. Ein Problem ist oft die Nachtsehtauglichkeit von älteren Verkehrsteilnehmern. "Ein 85-jähriger Fahrer hat in der Dunkelheit auf der Autobahn, womöglich noch bei Regen, nichts zu suchen. Er sollte nachts lieber im Bett bleiben", bringt es Jansen auf den Punkt.

Nach Möglichkeit sollten Senioren Streckenabschnitte mit komplexen Verkehrssituationen meiden. Dazu gehören unter anderem unübersichtliche Kreuzungen. Auf bekannten Strecken fährt es sich generell sicherer. Situationen wie rechts vor links, Kreuzungen und Ampelanlagen sind bekannt. Liegen doch einmal Fahrten auf unbekannten Strecken an, sollten sie zu Tageszeiten bei guter Sicht absolviert werden, um diese kennenzulernen. Ansonsten sollten unbekannte neue Strecken vermieden werden.

Laut Statistik verursachen Senioren bei ungünstigen Wetterbedingungen weniger Unfälle. Dies ist aber darauf zurückzuführen, dass sie bei Glätte, Nebel, Schnee oder Starkregen das Auto eher stehenlassen.

Quelle: RP
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