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Stadt Kempen
Erfolgsrezept gegen Vereinsamung

Stadt Kempen: Erfolgsrezept gegen Vereinsamung
Beliebt sind auch die Karnevalsveranstaltungen der Senioren-Initiative im "Haus Wiesengrund". Im Bild eine Aufnahme von 2013 mit Anita Pooten als "Mädchen vom Land". FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. Die Senioren-Initiative ist aus dem sozialen Leben der Stadt Kempen nicht mehr wegzudenken. Der Verein übernimmt vielfältige Aufgaben insbesondere in der Altenbetreuung. Am Sonntag wird das 40-jährige Bestehen gefeiert. Von Silvia Ruf-Stanley

Angefangen hat alles ganz klein: Gerade einmal 28 Bürger kamen zur Gründungsversammlung am 15. Dezember 1975. Erster Vorsitzender war der ehemalige Kreisdirektor Walter Böttges. Ein Jahr später zählte er schon 780 Mitglieder. 1977 konnte der Verein mit Elisabeth Hoppe, Franziska Neuenhaus und Hilde Wenzel die Mitglieder 999, 1000 und 1001 begrüßen. Ende des Jahres war der Verein auf 1350 Mitglieder angewachsen. Auf Böttges folgten Josefine Kleintitschen und Wilhelm Willig als Vorsitzende. Der jetzige Vorsitzende Jörgen Helfenritter hat sich die Mühe gemacht, all diese Daten aus den Protokollen der früheren Jahreshauptversammlungen zusammen zu tragen. "Das ging damals unheimlich schnell", erinnern sich Regina Hermbusche und Mechtilde Beckmann.

Beide sind schon von Anfang an dabei gewesen - als Bezirkshelferinnen. Regina Hermbusche arbeitete später im Vorstand und viele Jahre in der Geschäftsstelle des Vereins mit. Mechtilde Beckmann steht zuweilen immer noch auf der Bühne beim Theater der Senioren-Initiative und mischt kräftig im Karneval mit. "So lange ich noch auf die Bühne komme, mache ich das" sagt die mittlerweile über 80-jährige.

Die beiden Damen haben viel erlebt in den zurückliegenden 40 Jahren. Regina Hermbusche erinnert sich, dass sie sich zuerst gar nicht so recht in der Altenhilfe engagieren wollte. Eine Bekannte drängte sie dann aber dazu. Die Kinder waren aus dem Haus und Regina Hermbusche suchte nach einer neuen Aufgabe. Rückblickend sagt sie, dass ihr die Jahre viel gegeben hätten. Vor allem, dass der Verein dafür sorgte, dass sie und die anderen Helfer in Seminaren beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) das nötige Rüstzeug zur Führung eines solchen Vereins bekamen.

Anliegen des Vereins war und ist es bis heute, Senioren im Ruhestand nicht alleine zu lassen. Daher ist auch der Kontakt zu den Bezirkshelferinnen so wichtig. Da geht es nicht nur um das Kassieren des Jahresbeitrages, sondern auch ums Nachfragen bei den Mitgliedern, wie es denn so geht. Besuche zu runden Geburtstagen gehören ebenso dazu. Und manchmal machen auch Nachbarn die Senioren-Initiative auf Missstände aufmerksam. Da kann es um Verelendung genauso gehen wie um Verwahrlosung alter Menschen. Wenn Regina Hermbusche, Mechtilde Beckmann und Jörgen Helfenritter im Gespräch mit der Rheinischen Post davon erzählen, merkt man, dass sie die Schicksale noch heute anrühren. Sie packen beherzt an, wenn Hilfe gebraucht wird. Auch wenn das schon einmal hieß, in Gummistiefeln eine vollkommen verdreckte Wohnung aufzulösen. Oder eine Dame einmal im Monat abzuholen, damit sie baden konnte.

Jörgen Helfenritter lobt den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Helfer im Verein. Ohne diese würde es vieles nicht geben. Es werden Tagesfahrten oder auch mehrtägige Urlaubsreisen angeboten. Dann gibt es noch die mehr als 30 Gruppen, bei denen es von Bingo über Chormusik, Gymnastik, Handarbeiten und Musik sowie Radfahren, Tanzen, Malen und Theaterspielen alles Mögliche gibt. Der Verein gibt sogar eine eigene Zeitschrift, den "Seniorenspiegel", heraus.

Von Anfang an war auch der Fahrdienst für die Senioren wichtig. Die Mitglieder können ihn für drei Euro nutzen, um beispielsweise dienstags oder freitags zum Wochenmarkt auf dem Buttermarkt oder zum Arzt zu kommen. Es gab auch einen Fahrdienst zum Friedhof, der wegen zu geringer Nachfrage aber wieder eingestellt wurde. Seitdem es keine Zivildienstleistenden mehr gibt, wird der Fahrdienst von Ehrenamtlichen übernommen. Der allererste Kleinbus konnte dank einer großzügigen Erbschaft zu Gunsten des Vereins gekauft werden.

Überhaupt erhält der Verein immer mal wieder finanzielle Zuwendungen. Eine solche in hoher Summe ermöglichte auch die Errichtung der heutigen Begegnungsstätte "Haus Wiesengrund" an der Wiesenstraße 59 in Kempen. Der Bau war damals ein ehrgeiziges Projekt gemeinsam mit der Stadt, die daran angelehnt Altenwohnungen errichten ließ. Der damalige Vorsitzende Willy Hartmann, der von 1990 bis zu seinem Tod 2001 den Verein leitete, trieb das Projekt mit allem Einsatz voran, erinnern sich Mechtilde Beckmann und Regina Hermbusche.

Als Dank für sein Engagement wurde später der Veranstaltungssaal nach ihm benannt. Hartmann folgte Gerd Mueser als Vorsitzender. In seine Amtszeit fällt die Umbenennung von "Altenhilfe" in "Senioren-Initiative" und die Gründung der so genannten ZWAR-Gruppen. ZWAR steht für "Aktivitäten zwischen Arbeit und Ruhestand". Seit 2010 ist Jörgen Helfenritter Vorsitzender. Die ehrenamtliche Leitung ist keine leichte Aufgabe bei einem Verein, der nicht nur rund 2500 Mitglieder hat, sondern auch Arbeitgeber ist. "Man hat jeden zweiten Tag eine andere Baustelle", fasst es Helfenritter zusammen. Dazu gehört derzeit auch das starke Engagement des Vereins in der Quartiersentwicklung im Hagelkreuz.

Quelle: RP
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