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Gemeinde Grefrath
Erinnerungen an dunkle Jahre

Gemeinde Grefrath: Erinnerungen an dunkle Jahre
Die Liebfrauenschüler waren sehr beeindruckt davon, was Rainer Eppelmann zu erzählen hatte. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Rainer Eppelmann war zu Gast an der Mülhausener Liebfrauenschule. Die Jugendlichen bekamen eine ausgesprochene Geschichtsstunde geboten, die sie so schnell nicht vergessen werden.

Erich Honecker hasste ihn, doch den evangelischen Pfarrer Rainer Eppelmann (73) störte das nicht. Vorgeworfen wurde dem Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann, der in dem herunter gekommenen Innenstadtbezirk Friedrichshain die dortige Samaritergemeinde leitete, unter anderem antisowjetische Hetze und die Schaffung einer illegalen Organisation. Eppelmann war jetzt zu Gast in der Mülhausener Liebfrauenschule und berichtete über seine Erlebnisse.

Er gehörte ebenso mit zu den DDR-Bürgern die den Aufruf "Berliner Appell" auf den Weg gebracht hatten. Eppelmann hat sich trotz 40 Jahre in Unfreiheit nie in die Unfreiheit gefügt. Legendär waren seine Bluesmessen, die er seit 1979 in seiner Kirche veranstaltete. Im letzten Jahrzehnt der DDR lieferte er sich ein stetiges Duell mit der sozialistischen Staatsmacht. Die Schüler bekamen eine Geschichtsstunde, die wohl noch lange nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Eppelmann erinnerte an das Leben in der Diktatur, an die Unterdrückung, Überwachung, oder seinen achtmonatigen Aufenthalt im Zuchthaus.

Er musste feststellen, dass nur wenige Schüler mit den Namen Stalin oder Ulbricht etwas anfangen konnten, eher schon Erich Honecker. Eppelmann erinnerte an den Arbeiteraufstand mit vielen Toten am 17. Juni 1953 und den Mauerbau am 13. August 1961. "Mit dem Bau der Mauer wurde für uns die letzte Möglichkeit geschlossen in den Westen zu kommen" sagt Eppelmann. Im übertragenen Sinne habe die DDR die Menschen "uniformieren" wollen. Bestes Beispiel sei das blaue Hemd der FDJ (Freie Deutsche Jugend). Wenn jemand ins Gefängnis kam, war er für die Mitbürger "einfach nicht mehr da". Eppelmann bezeichnete den Weg, den die DDR 40 Jahre gegangen sei als "zu unmenschlich."

Doch den Menschen im Osten sei schon recht früh bewusst und klar gewesen, dass vieles nicht stimmte, was die SED-Führung von sich gab, denn, so Eppelmann: "90 Prozent sahen am Abend Westfernsehen und waren so bestens informiert." Immer wieder hätten sich die DDR-Bürger gefragt, warum die Menschen im Westen "mehr Chancen, als wir" haben. Er gab den Schülern noch einen Satz mit auf den Weg, über den man nachdenken sollte. Er lautete: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass eine Sache gut ausgeht." Letztlich erinnerte der "Kämpfer Rainer Eppelmann" an die Menschen, die vor allen Dingen im Jahr 1989 auf die Straße gingen und die friedliche Wiedervereinigung ermöglichten. Dazu gehörte ganz sicher auch Eppelmann selber.

(mab)
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