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Gemeinde Grefrath
Ex-Salafist erzählt vom schwierigen Ausstieg

Gemeinde Grefrath: Ex-Salafist erzählt vom schwierigen Ausstieg
Die Ausführungen des ehemaligen Salafisten Dominik Schmitz stießen in Grefrath auf großes Interesse. FOTO: kaiser
Gemeinde Grefrath. Volles Haus beim Auftritt von Dominik "Musa" Schmitz. Von Willi Schöfer

"Aussteiger statt Töten " stand in großen Lettern im Cyriakushaus auf der Kopfseite. Davor interviewte Terrorismus-Experte Rolf Tophoven Dominik Schmitz. Eigentlich hat der Mönchengladbacher immer noch den Beinamen "Musa" (arabisch für Moses). Der heute 29-Jährige geriet im Alter von 17 Jahren in die Fänge gewaltbereiter Salafisten, konvertierte und propagierte diese ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams an der Seite von Pierre Vogel und Sven Lau, ehe ihm 2013 der Ausstieg gelang. Bereits zehn Minuten vor Beginn waren alle 140 Stühle besetzt, im Foyer fanden dann weitere etwa 30 Menschen Platz. Die neuen Firmlinge waren ebenso darunter wie zahlreiche Väter und Mütter, die über den Ein- und Ausstieg mehr wissen wollten.

Sicherlich sind es Klischees, wenn man die gewaltbereiten Salafisten allgemein als die Scheidungskinder, Perspektiv- und Arbeitslosen, als Schulschwänzer oder Kiffer abstempelt. Wobei dies beim Lebenslauf von Dominik Schmitz irgendwie doch eine Rolle spielte. Sein Vater war bei der Kriminalpolizei, seine Mutter Apothekenhelferin. Er war fünf, als sich die Eltern trennten. "Die Trennung hat etwas mit mir gemacht", gab Schmitz zu. Er vermisste immer schon das offene Gespräch im Elternhaus, kapselte sich dann immer mehr ab, als er dann bei seiner Mutter lebte. Er wurde immer mehr zum Mitläufer, schaffte mit Ach und Krach die Mittlere Reife, brach dann das Fach-Abi ab. Vergeblich sucht er noch heute nach dem Sinn des Lebens. "Es gibt Ziele und Wünsche, aber das ist es dann auch"; sagte er. Jedenfalls lernte er als 17-jähriger einen Marokkaner kennen, der sein Freund wurde und ihn so akzeptierte. "Dieser Freund brauchte keine Beichte oder andere Personen dazwischen, sondern nahm seine Kraft aus den täglichen Gebeten nur mit seinem Gott." Bereits drei Monate später konvertierte Dominik zum Islam, zog sich die Gebetsmütze über, die arabische Pumphose an und ließ sich den Bart wachsen.

"Was haben die Eltern gesagt, als Sie zum Islam übergetreten sind?", wurde Schmitz gefragt. Der Großonkel habe ihn daraufhin sofort enterbt, sein Opa ihm ein Buch über den Papst geschenkt und seine Mutter kurz gesagt: "Was, du geht jetzt in eine Moschee, du sprengst dich aber jetzt nicht in die Luft." Mit seinem "Nein" war dies offenbar für seine Mutter erledigt.

Sogar bis Mekka folgte er Sven Lau, drehte Propaganda-Videos und heiratete nach dem Übertritt zum Islam eine junge Frau, die ebenfalls konvertiert war und die er nur zweimal kurz gesehen hatte. Gewaltbereit sei er allerdings nie gewesen. Dies klang glaubhaft. Er erlebte, wie verachtend viele der ihm bekannten Salafisten mit den Ehefrauen oder den Andersgläubigen umgingen und bekam im Jahre 2010 erste Zweifel an dieser Bewegung. Merkte, dass er nur noch ein kleines Rädchen im Getriebe war, das all das, was ihn einst als individuellen Menschen ausmachte, selbst sein Hang zur Spiritualität, verloren gegangen war.

Er stieg 2013 endgültig aus, wechselte aus Angst vor Repressalien den Wohnort. Beim Ausstieg geholfen hatte ihm vor allem ein Coach, den er als Arbeitsloser beim Kurs eines Bewerbungstrainings kennen gelernt hatte. Er hatte ihm sinngemäß gesagt. "Du bis Deutscher und jetzt ein Muslim, versuche doch einfach mal, eine Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Denkweisen zu sein." Die Aussagen von Dominik Schmitz klangen glaubhaft. Ein Patentrezept, um das Abdriften der jungen Leute in den Terrorismus zu verhindern, hatte er natürlich nicht. "Man muss jeden ernst nehmen und viel mehr aufklärend und vorbeugend tun", sagte er. Auch auf die Frage aus dem Publikum, wie man sich vom friedlichen zum gewaltbereiten Menschen entwickeln könne, gab und gibt es keine Pauschal-Antwort. Heutzutage spricht Dominik Schmitz unter anderem in Schulen über seine Erfahrungen.

Quelle: RP
 
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