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Stadt Kempen
Expertise sieht in Sachsen hohen Handlungsbedarf

Stadt Kempen: Expertise sieht in Sachsen hohen Handlungsbedarf
Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer in seiner Kempener Wohnung. FOTO: KAISER
Stadt Kempen. Klaus-Peter Hufer hielt in Chemnitz den Festvortrag zu 25 Jahre Landeszentrale für politische Bildung. Von Heribert Brinkmann

Auf der Homepage der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung wird Klaus-Peter Hufer als Essener Bildungswissenschaftler vorgestellt - was ja auch richtig ist, denn der Kempener Professor unterrichtet ja an der Essener Fakultät für Bildungswissenschaften. Seinen Lebensmittelpunkt hat der studierte Politikwissenschaftler und Philosoph aber nach wie vor in Kempen.

Im Moment ist Hufer so gefragt, dass er bereits einige Vorträge oder Seminare absagen musste. Das Thema Rechtsradikalität hat Konjunktur. Im September wurde Hufer nach Sachsen eingeladen: Für das Landesforum Weiterbildung 2016 "Politische Bildung stärken" in Chemnitz erstellte er eine Expertise. Und beim Festakt für das 25-jährige Bestehen der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung hielt er einen Festvortrag, den er unter die Überschrift "Was hält die Gesellschaft zusammen - politische Bildung in einer entgrenzten Zeit".

Mit dem Blick von außen kommt Hufer zu dem Ergebnis, dass politische Bildung in Sachsen eine eher randständige Position hat. Ein Grund liegt sicherlich in der Vergangenheit. Zu DDR-Zeiten gab es an den Schulen das Fach Staatsbürgerkunde, in dem die Jugendlichen im sozialistischen Sinne zu "bewussten Staatsbürgern der DDR" herangezogen werden sollten. Auch heute unterscheiden sich alte und neue Bundesländer. Hufer zitiert eine Umfrage, nach der in Westdeutschland 77 Prozent mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden sind, in Ostdeutschland dagegen lediglich 47 Prozent. Bei den Landtagswahlen hatte Sachsen eine Wahlbeteiligung von 49,1 Prozent, Spitzenreiter war Hessen mit 73,2 Prozent. Die ökumenische Arbeitsgemeinschaft "Kirche für Demokratie und Menschenrechte" kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass sich 60 Prozent der Sachsen durch den Islam bedroht fühlen - obwohl es kaum Muslime dort gibt. Im Lande hat sich ein großer Konfliktstoff entwickelt. Für Sachsen sieht er viel Handlungsbedarf, wenn Hufer auch einschränkt: "Sicherlich ist politische Bildung keine Feuerwehr für gesellschaftspolitisch verursachte und mit anderen Mitteln zu lösende Probleme." Politische Bildung könne aber Beiträge dazu leisten, Vorurteile und Ressentiments abzubauen und andere Lebensentwürfe und Zielvorstellungen zu akzeptieren. Gerade da die Parteien, Kirchen und Gewerkschaften sehr viele Mitglieder und Vertrauen verloren haben, könnte eine öffentlich getragene politische Erwachsenenbildung vieles kompensieren.

Quelle: RP
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