| 13.17 Uhr

Vorpremiere in Daun
Fall des getöteten Mirco aus Grefrath mit Heino Ferch verfilmt

Bilder aus dem Film "Ein Kind wird vermisst"
Bilder aus dem Film "Ein Kind wird vermisst" FOTO: ZDF/Kerstin Stelter
Grefrath/ Daun. Das Schicksal von Mirco hat vor sieben Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Junge wurde entführt, missbraucht, ermordet und verscharrt. Jetzt wurde der Fall verfilmt – mit Heino Ferch als Hauptkommissar Ingo Thiel.

Taucher suchen Bäche und Seen ab, Tornado-Jets mit Wärmebildkameras fliegen über Wälder. Alles vergebens. Keine Spur von Mirco. Nach wenigen Tagen ist Chefermittler Ingo Thiel und seinem Team von der Kripo Mönchengladbach klar: "Wir suchen nach einer Leiche". Sieben Jahre ist es her, dass das Verschwinden des zehnjährigen Mirco aus Grefrath am Niederrhein über Monate bundesweit für Aufsehen sorgte: Er wurde missbraucht, ermordet und im Wald verscharrt. Der Fall soll im Frühjahr 2018 als Film im ZDF laufen - mit dem Titel: "Ein Kind wird gesucht".

Buch der Eltern war Grundlage für Drehbuch

Erstmals gezeigt wurde er bei der Vorpremiere am vergangenen Freitag beim Krimifestival "Tatort Eifel". Im Publikum saßen auch Mircos Eltern und Geschwister. "Wir wollten gerne dabei sein", sagt seine Mutter Sandra Schlitter. Der Film sei für sie ein Stück weit Aufarbeitung - wie auch das Buch, das die Eltern 2012 über Mirco veröffentlicht haben und das eine Grundlage fürs Drehbuch war. "Der Film ist schon ziemlich realistisch", sagt Schlitter nach der Vorab-Premiere. 

Chronologie: Der Fall Mirco FOTO: Günter Jungmann

Die Rolle des Chefermittler Ingo Thiel übernimmt im Film Schauspieler Heino Ferch. "Wir lösen den Fall, wir finden den Jungen!", sagt Ferch als Thiel. Für Ferch war der Dreh im Frühjahr, in der Nähe der tatsächlichen Schauplätze, besonders. "Es ist schon was anderes als wenn man fiktionale Rollen spielt", sagt er. Auch optisch sehen sich der echte Ermittler und der Schauspieler sehr ähnlich.

Trauerfeier für Mirco FOTO: dapd

Ferch sei angetan davon, wie die Ermittler heute noch unter Strom stünden, wenn sie von dem Fall redeten. "Man merkt, wie das Adrenalin durch ihre Blutadern schießt." Ihm habe an dem Film gefallen, dass es gelungen sei, "so erschlagend normal und pur" zu erzählen.

Mirkos Vater wird im Film von Schauspieler Johann von Bülow gespielt. Die Rolle sei "eine große Aufgabe" gewesen. "Man hat das Gefühl, dass die Verantwortung größer ist, weil das eine lebende Person ist, mit der man sich im Vorfeld getroffen hat", sagt er. Mircos Mutter wird von Silke Bodenbender gespielt.

Das sind die Ermittler der Soko Mirco FOTO: Polizei

"Er hat uns alle verändert"

Im Film werden zwei Ebenen miteinander verworben: Die Sicht der Familie - und die Suche der Ermittler nach der Wahrheit. Sie hatten im Herbst 2010 eine der bislang bundesweit größten Suchaktionen gestartet - mit einer 65-köpfigen Soko und rund 1000 Beamten im Einsatz. Nach 145 Tagen endete endlich die Suche nach dem kleinen Mirco. Ein Familienvater aus Schwalmtal wird später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Fall Mirco: Polizeitaucher suchen unter Wasser FOTO: Stefan Finger

"Ich bin seit 38 Jahren Polizist. Wir machen knapp 500 Leichen (Fälle) im Jahr. Aber dieser Fall war anders", sagt der 54-jährige Thiel über den Fall Mirco. "Er hat uns alle verändert." Im Film finden sich die Kripo-Beamten wieder. "Ich bin begeistert", sagt Thiel, der 2012 ebenfalls zu dem Fall ein Buch verfasst hat. Für die Soko, die damals mit Fall betraut war, soll es eine Sondervorstellung geben. 

Der Film werde Anfang 2018 bei Arte gezeigt, im Frühjahr im ZDF, sagt der verantwortliche ZDF-Redakteur Günther van Endert. Es sei auch ein besonderer Film, weil er Polizeiarbeit in ihrer Professionalität zeige - wie dies sonst selten im deutschen Fernsehen der Fall sei.

(skr/lnw)
 
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