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Stadt Kempen
FDP-Diskussion: Die Schlagbäume in den Köpfen niederreißen

Stadt Kempen. Die deutsch-niederländische Zusammenarbeit funktioniert schon gut, könnte nach Ansicht der Liberalen aber besser sein.

"Grenzen überschreiten - Niederrhein nach dem Brexit", dies war das Thema, das sich die liberale Friedrich-Naumann-Stiftung ausgedacht hatte. "Eigentlich wollte wir das selber machen, aber dann hat sich doch dazu die Stiftung bereit erklärt", sagte bei der Veranstaltung im Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein in Kempen der FDP-Kreisvorsitzende Wolfgang Lochner, der ebenfalls ein Fürsprecher einer intensiveren deutsch-niederländischen Verständigung ist. Es waren nicht die Grenzen, sondern der Stau auf den Autobahnen beziehungsweise ein voller Terminkalender, der die zwei als Hauptreferenten angekündigten Teilnehmer, Cora van Nieuwenhuizen auf niederländischer und Alexander Graf Lambsdorff auf deutscher Seite, entschuldigt fehlen ließ.

Ihren Part übernahmen vor etwa 20 Gästen, darunter auch einige Niederländer und Mitglieder der "Volkspartij vor Vrijheid en Democratie" (VVD), der Landtagsabgeordnete und FDP-Bezirksvorsitzende Dietmar Brockes aus Brüggen sowie vor allem der Holland-Experte und FDP-Bundesvorständler Otto Fricke aus Krefeld.

Bei der Moderation von Jan-Frederik Kremer, der in Gummersbach das NRW-Regionalbüro der Stiftung leitet, kam es doch zu einer interessanten Debatte, bei der gewünscht wurde, dass sich das nachbarschaftliche Leben in der Grenzregion des Niederrheins auf Europa ausdehnen lasse. Bis dahin ist es aber offenbar noch ein weiter Weg.

Das Thema "Brexit" wurde nur am Rande gestreift. "Zumal die Auswirkungen bei einem wirklich vollzogenen Austritt noch nicht im Detail bekannt sind", meinte FDP-Finanzexperte Fricke. Er hofft, dass der Austritt auch wirklich vollzogen werde, befürchtet aber, dass zwischen EU und den Briten noch ein "fauler Kompromiss" ausgehandelt wird. Brockes wies darauf hin, dass von NRW aus derzeit etwa 15 Prozent der exportierten Waren nach Großbritannien gehen würden. Dies könnte bei einem Brexit auch die Logistikbranche treffen.

Schwerpunktthema blieb die Verbesserung der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit im grenznahen Raum. Trotz der vielen gegenseitigen Besuche, aller Erfolge und Kooperationen, so auf den Gebieten von Arbeit und Bildung, wurden von den anderen Gesprächsteilnehmern auch so manche Defizite herausgestellt. So akzeptiere und respektiere man zwar den Nachbarn, dennoch gäbe es Sprach-Barrieren, so zu wenig Deutsch-Lehrer in den Niederlanden.

Auch die Bereitschaft junger Leute, in den Niederlanden nicht nur zu studieren, sondern dort auch zu arbeiten, wurde kritisch hinterfragt. So berichtete der Lehrer eines Berufskollegs in Herzogenrath bei Aachen - etwa drei Kilometer von der Grenze entfährt - davon, dass seine Schüler generell nicht bereit seien, in den Niederlanden einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz anzunehmen.

Ein 75-jähriger Zuhörer aus Viersen konnte sich mit dem Begriff "Grenze" überhaupt nicht anfreunden. "Das hat mit Ab- und Ausgrenzung zu tun und das gefällt mir nicht." Von niederländischen Teilnehmern wurde sogar der Wunsch nach einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zwischen den Regionen Limburg und Niederrhein geäußert, mit einheitlichen Richtlinien. Dies fange mit einheitlichen Umweltplaketten für die Autos an und höre mit einer Angleichung der Steuern und Abgaben auf.

(schö)
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