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Stadt Kempen
Feuerwehrübung mit einem Chemieunfall

Stadt Kempen. Sogar ein Krisenstab war eingerichtet, der gerade darüber sprach, ob man nach dem Unfall für die Angehörigen der Schwerverletzten auch einen Notfallseelsorger brauche. Gottseidank war alles nur eine Übung: auf der Kempener Betriebsstätte von Byk Chemie an der St. Huberter Straße wurde wie in jedem Jahr das Verhalten nach einem angenommenen Störfall realistisch geprobt.

Folgendes Szenario hatten sich die Verantwortlichen mit dem Kempener Betriebsleiter Dr. Jörg Issberner in Kooperation mit der Feuerwehr ausgedacht. Auf dem Gelände war es zu einer Kollision eines Gabelstaplers mit einem Tankwagen gekommen. Die stählerne Gabel hatte ein kleines Leck in den Tankwagen gerissen und daraus floss flüssiges Butylacetat. Ein farbloses Lösungsmittel, das unter anderem an den Augen und Atemorganen zu Reizungen und sogar in konzentrierter Form zu Bewusstlosigkeit führen kann.

Das Lösungsmittel war nur Wasser, der Verletzte nur eine Stoffpuppe. Egal, es ging um das schnelle und richtige Eingreifen. Schnell war die Kempener Feuerwehr mit Einsatzleiter Gisbert Jansen an Ort und Stelle. Zuerst einmal wurde der "Verletzte" geborgen. Mit schwerem Atemschutz holten ihn die Feuerwehrmänner Ralf Stoutz und Daniel Lochen aus der Gefahrenstelle. Ein Krankenwagen stand bereit, auch für den leichtverletzten Staplerfahrer. Die Kenn-Nummern auf den orangenfarbenen Warnschildern am Tankwagen informierten über die Art des geladenen Gefahrgutes. Angefordert waren auch Spezialeinheiten aus Willich und St. Tönis. Die Willicher brachten ihren Gerätewagen "Gefahrgut" mit, der spezielle Gerätschaften zum Auffangen, Umfüllen und Abdichten von Gefahrstoffen hat. Und die Tönisvorster kamen mit ihrem Gerätewagen "Dekon P", der speziell zur Dekontamination ausgestattet ist und unter anderem eine aufblasbare Duschkabine mitführte. In dieser ließen sich erst einmal Ralf Stoutz und Daniel Lochen in ihren dicken Anzügen reinigen.

Ein zweiter Angriffstrupp rückte an. Schläuche wurden ausgelegt. Für den Fall eines Brandes des leicht entzündlichen Lösungsmittels hatten Friedrich Marwedel und Norbert Fleuth an die Spritzen ein so genanntes Mittelschaumrohr angesetzt. Andere Feuerwehrmänner dichteten ab, füllen große Auffangbehälter aus Edelstahl mit der freigesetzten Chemikalie oder sorgten durch entsprechende Schieber dafür, dass das Gefahrgut nicht in die Kanalisation lief. Auch ein neuer Tankwagen stand bereit, in dem die ätzende Flüssigkeit umgepumpt werden konnte.

Nach etwa zwei Stunden war der Störfall unter Kontrolle. Zufrieden mit ihren etwa 60 Einsatzkräften konnten die Brandmeister aus Kempen, Willich und Tönisvorst sein, Franz-Heiner Jansen, Thomas Metzer und Rolf Peschken, auch der Immissions- und Störfallbeauftragte von Byk Chemie, Manfred Kreutzer.

(schö)
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