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Stadt Kempen
Flexstrom-Pleite: Stadtwerke betroffen

Stadt Kempen: Flexstrom-Pleite: Stadtwerke betroffen
FOTO: dpa, pdz cul nie
Stadt Kempen. Die mögliche Insolvenz des Billigstrom-Anbieters hat auch Auswirkungen auf die Stadtwerke Kempen. Sie haben einen Vertrag mit Flexstrom über die Netznutzung. Kunden des Anbieters sollten abwarten, raten die Stadtwerke. Von Andreas Reiners

Gestern Morgen traf eine E-Mail des vorläufigen Insolvenzverwalters bei den Stadtwerken Kempen ein. Darin teilte er dem Energieversorgungsunternehmen der Thomasstadt mit, dass er nun der Ansprechpartner für alle vertraglichen Regelungen sei, die im Zuge des Insolvenzantrages des Stromanbieters Flexstrom noch offen sind. Wie viele andere kommunale Energieversorger sind auch die Stadtwerke Kempen unmittelbar von der Pleite des bundesweit agierenden Wettbewerbers betroffen. Die Stadtwerke haben mit Flexstrom noch einen gültigen Vertrag über die Nutzung des Stromnetzes. Flexstrom musste – wie alle übrigen Anbieter – ein Entgelt für die Nutzung des örtlichen Stromnetzes an die kommunalen oder regionalen Versorger entrichten. Der Vertrag der Stadtwerke läuft unbefristet.

Während bei der Insolvenz des Billiganbieters Teldafax – er strich 2011 als erster "Strom-Discounter" die Segel – der Niedergang sich frühzeitig abzeichnete, kommt die Pleite von Flexstrom für die meisten kommunalen Versorger überraschend. "Bei Teldafax haben wir seinerzeit rechtzeitig reagieren und die den Netznutzungsvertrag kündigen können", sagte gestern Norbert Sandmann, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Diesmal sah das anders: Der Vertrag mit Flexstrom – und den zu diesem Konzern gehörenden anderen Billiganbietern mit den wohl klingenden Namen "Löwenzahn" und "Optima Grün" – laufe noch. Und aus dem kommen die Stadtwerke derzeit auch nicht so einfach heraus. "Wenn Flexstrom sein Nutzungsentgelt nicht zahlt, können wir zunächst beim Insolvenzverwalter nur Sicherheitsleistungen einfordern. Werden die nicht erbracht, können wir Mahnungen schicken", so Sandmann. Ob tatsächlich Geld fließen wird, ist derzeit offen und eher unwahrscheinlich. Bei den Stadtwerken stellt man sich darauf ein, dass ein vierstelliger Euro-Betrag am Ende verloren ist.

Flexstrom-Kunden rät Norbert Sandmann, zunächst einmal in Ruhe abzuwarten. Sie haben ihren Strom für ein Jahr im voraus bezahlt. "Deshalb sollten sie auch ganz normal im Haushalt ihren Strom verbrauchen. Er ist ja schon bezahlt", sagt Sandmann. Die Kunden werden weiterhin mit Strom beliefert und bekommen auch eine Ersatzversorgung angeboten.

Wenn am Ende das Unternehmen tatsächlich insolvent sei, können die Kunden – es handelt sich in Kempen um etwa 60 Privathaushalte, die von Flexstrom beliefert werden – problemlos zu den Stadtwerken zurückkehren. Dort waren die meisten von ihnen nämlich mal, bevor sie das Angebot der Billig-Lieferanten angenommen haben. Allerdings müssten die Betroffenen sich darüber im Klaren sein, dass sie am Ende Geld verlieren werden. Die Restsumme sei zwar beim Insolvenzverwalter einklagbar, aber bei in der Regel ein paar hundert Euro sei eine solche Klage kaum erfolgreich. Das haben auch Verbraucherschützer bereits erklärt, nachdem die Flexstrom-Pleite am Freitag bekannt geworden ist.

Erst wenn rechtlich klar ist, dass es keine Zukunft für Flexstrom gibt, werden die Stadtwerke Kempen aktiv auf die von der Pleite des Lieferanten betroffenen Kunden zugehen. "Aber auch jetzt brauchen sie keine Angst zu haben: Die Versorgung ist gesichert", betont Stadtwerke-Geschäftsführer Sandmann.

Das gleiche gilt übrigens für die Kunden des Billiggas-Anbieters Flexgas. Auch für ihn wurde Insolvenz angemeldet. Die Kunden werden aber weiterhin mit Energie beliefert. Für Flexgas, so Sandmann, soll es einen potenziellen Investor geben, der die Gassparte des Billig-anbieters übernehmen könnte.

Quelle: RP
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