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Gemeinde Grefrath
Flüchtlinge zu Johnson Controls ?

Gemeinde Grefrath: Flüchtlinge zu Johnson Controls ?
Was einst als neues Rathaus geplant war, könnte nun zur Unterkunft für Flüchtlinge werden: das ehemalige Entwicklungszentrum von Johnson Controls am Bronkhorster Weg. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Es gibt Pläne, das ehemalige Entwicklungszentrum für Flüchtlinge einzurichten. Gespräche mit dem Investor laufen. Die Räumlichkeiten wären bestens geeignet. Die Nutzung von Turnhallen ist derzeit kein Thema. Von Manfred Baum

Keine 90 Tage mehr, dann ist die Firma Johnson Controls nach mehr als 50 Jahren Industriegeschichte in Grefrath. Während an der Mülhausener Straße noch bis Ende des Jahres die Produktion läuft, steht das frühere Technologie-und Entwicklungszentrum am Bronkhorster Weg seit einigen Jahren leer. Gleichwohl stand das Gebäude weit mehr als ein Jahr in der Diskussion in Grefrath als mögliches neues Rathaus. Letztlich scheiterte das Projekt an einer knappen Ratsmehrheit. Jetzt steht dieses attraktive, rund 3000 Quadratmeter große Gebäude mit dem großen Parkplatz vor der Tür erneut im Mittelpunkt von Diskussionen.

Wie in anderen Kommunen deutschlandweit ist die Flüchtlingssituation in Grefrath seit Wochen ein zentrales Thema. Sozialamtsleiter Volkmar Josten ist froh, dass der ins Auge gefasste Abriss der Wohnungen am Reinersbach nicht in die Tat umgesetzt worden ist. So hat er bisher alle Flüchtlinge unterbringen können. Rund 190 sind es derzeit in der kleinsten Gemeinde im Kreis Viersen. In den letzten Tagen kamen weitere acht Flüchtlinge dazu. Die Gemeinde hat sich längst auf die Suche nach Wohnraum in der Niersgemeinde gemacht. Doch das Angebot ist alles andere als üppig, sondern knapp. Sehr knapp sogar. Darauf hat die Politik bereits mehrfach verwiesen. Es sind bereits Häuser angemietet worden, doch auch das reicht nicht.

Die Nutzung von Turnhallen, wie in anderen Kommunen im Kreis Viersen praktiziert, ist derzeit kein Thema an der Niers, könnte aber eines werden. Bürgermeister Manfred Lommetz hat bereits weiter gedacht und kann sich durchaus vorstellen, dass man die Flüchtlinge in dem leer stehenden Gebäude am Bronkhorster Weg unterbringen könnte. Dieses Gebäude, wie auch die anderen Gebäude an der Mülhausener Straße, gehören inzwischen dem Investor Hans Rudolf Holtmann. Lommetz hat den Kontakt zwischen Holtmann und der Düsseldorfer Bezirksregierung hergestellt. Die Gespräche sind angelaufen, eine Entscheidung steht jedoch noch aus. Holtmann ist bereit, das Gebäude zu vermieten. Die Entscheidung liegt jetzt bei der Bezirksregierung in Düsseldorf. Der Winter steht vor der Tür, da sind feste Unterkünfte wichtiger denn je.

Im Gespräch mit der Rheinischen Post stellte Lommetz fest, dass die Räumlichkeiten durchaus für Flüchtling geeignet seien. Er spricht von einem "lichtdurchfluteten und trockenen Gebäude." Ein Problem seien jedoch die sanitären Einrichtungen. Es gebe natürlich Toiletten im Gebäude, doch die reichten nicht für die 200 Personen, die dort untergebracht werden könnten. Zu lösen sei das Problem, so Lommetz weiter, durch die Aufstellung von Containern. Dafür sei dort ausreichend Platz vorhanden.

Der Bürgermeister macht sich Gedanken. Würde das Gebäude nämlich eine Erstaufnahmeeinrichtung, würde die Zahl der Flüchtlinge, die dort einziehen, auf das Grefrather Kontingent angerechnet werden und die Gemeinde hätte mit der Suche nach Wohnraum "etwas Luft und Zeit" gewonnen. Inzwischen sucht die Gemeinde, zunächst für ein Jahr befristet, einen Hausmeister (möglichst Handwerker) für die Unterkünfte der Flüchtlinge.

Die Zufahrt zum Bronkhorster Weg führt über die Ostumgehung, doch gibt es auch eine fußläufige Verbindung über den Bronkhorster Weg zur Mülhausener Straße. Dort befindet sich auch ein Einkaufsmarkt, der so für die Flüchtlinge problemlos auf kurzem Wege erreichbar wäre. Ebenso gibt es direkt vor dem Discounter gleich zwei Bushaltestellen in Richtung Kempen und Krefeld sowie Nettetal. Die Haltstelle in Richtung Mönchengladbach liegt am Bergerplatz. "Wenn dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden könnte, wäre es nicht schlecht für die Gemeinde Grefrath", stellt Lommetz fest.

Quelle: RP
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