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Stadt Kempen
Flüchtlingskinder als Herausforderung

Stadt Kempen: Flüchtlingskinder als Herausforderung
Für Schulministerin Sylvia Löhrmann hatten Sechstklässler einen Ausschnitt aus dem Schulprogramm spielerisch aufbereitet. Die Matte war für Darbietungen der Aerobic-AG. FOTO: wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Schulministerin Sylvia Löhrmann war gestern zu Gast an der Kempener Gesamtschule. Sie informierte sich über die Angebote und stellte sich den Fragen von Lehrern und Eltern. Da ging es auch um die Flüchtlingskinder. Von Heiner Deckers

Als Uwe Hötter, Leiter der Gesamtschule, im Vorfeld des gestrigen Besuchs von Schulministerin Sylvia Löhrmann bei Schülern nachgefragt hatte, welche Aufgaben eine Ministerin ihrer Ansicht nach habe, kam von Celina eine ganz klare Antwort: "Das ist die Angela Merkel für Schulen." Leonie hingegen meinte, sie kontrolliere, ob alles gut laufe, und vergebe dann Punkte. Auf den Vergleich mit der Kanzlerin ging Löhrmann nicht ein, bestätigte aber, dass sie tatsächlich nachschaue, ob alles gut läuft. "Punkte vergebe ich aber nicht", sagte sie mit Blick auf Hötter.

Zum Auftakt des Programms gaben Sechstklässler der Ministerin auf spielerische Art und Weise Einblick in die Angebote der Gesamtschule. Da ging es beispielsweise um Kunst, das Basteln von Fackeln, den Sponsorenlauf, den Spieletag mit Eltern oder Rollenspiele mit selbstgedrehten Videos, in diesem Fall zum Thema Massentierhaltung. Im anschließenden Gespräch mit Lehrern sowie Vertretern von Elternschaft und Stadtverwaltung blickte Löhrmann auf ihre eigene Schulzeit zurück: "Wir haben keine Filme gedreht, und ich habe als Sechstklässlerin auch nicht über Massentierhaltung nachgedacht. Eine Akrobatik AG hatten wird auch nicht, wir haben Gummitwist getanzt."

In der Schullandschaft habe sich eine Menge verändert, man habe heute längst ein ganzheitliches Bildungsverständnis. Die Gesamtschule sei wichtig im Hinblick auf längeres gemeinsames Lernen und bessere Bildungschancen. Wie man Schule gestalten muss, sei die wichtigste Frage, die man sich als Ministerin stellen müsse. Die größte Herausforderung sei natürlich zurzeit die Flüchtlingswelle. Vor diesem Hintergrund wollten Elternvertreter von der Ministerin wissen, wie man denn damit umgehe, wenn die jetzigen Kapazitäten der Klassen nicht mehr ausreichten. Es sei natürlich am besten, wenn Eltern ihre Kinder in der Grundschule anmelden, die dann nach der vierten Klasse in eine weiterführende Schule wechseln und unaufgeregt ihren Abschluss machen. Dieses Idealbild werde im Moment ziemlich schwer auf die Probe gestellt, sagte Löhrmann: "Die kalkulierten Zahlen stimmen nicht mehr", Ihre klare Aussage: "Es ist durchaus möglich, in Absprache mit dem Träger zusätzliche Klassen zu bilden."

Für die Realschule als auslaufende Schule komme das nicht infrage, sagte deren Leiterin Siggi Strohe. Ihre Frage: "Inwieweit dürfen wir Schüler ablehnen und ihnen damit einen weiteren Schulweg zumuten?" Könne man aus Fürsorgepflicht gegenüber den Ist-Schülern sagen: "Wir sind zu." Das könne man durchaus, betonte Löhrmann, auch wenn die Kinder auch in der Nachbarstadt nicht in der gewünschten Schulform zum Zuge kommen. Da müssten die Eltern sich mit ihrem Kind für eine andere Schulform entscheiden.

Schuldezernent Michael Klee fragte vor dem Hintergrund, dass Kempen eine wachsende Stadt sei, wie es mit den Kindern von Zuzüglern sei. Bisher sei das kein Thema, angesichts der vielen Flüchtlinge jedoch inzwischen sehr wohl. Da musste die Ministerin passen, ein Patenrezept gebe es da leider nicht.

Auch um das Thema Inklusion ging es gestern beim Besuch aus der Landeshauptstadt. Gebe es personelle Ressourcen für besonders intensiv zu betreuende Kinder? Die Frage sei ausgesprochen wichtig, die Gesetzgebung sehe hier verschiedene Möglichkeiten vor, sagte die Ministerin. Sie gab aber auch zu bedenken, dass das Projekt Inklusion gerade erst angelaufen sei: "Wir brauchen hier noch Erfahrungswerte und Entwicklungskonzepte."

Quelle: RP
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